HOME

Präsidenschaftswahl im Iran: Der Star von Persien

Unter großem Andrang ist im Iran die Präsidentschaftswahl zu Ende gegangen. Der Kandidat Mir Hussein Mussawi hat eine Euphorie ausgelöst, wie es sie zuletzt vor der islamischen Revolution gab. Seine Anhänger erhoffen sich endlich mehr Freiheit - und eine Annäherung an den Westen.

Von Silke Mertins, Teheran

Die jungen Mädchen kreischen, als würde ein Popidol die Bühne betreten. "Wir lieben dich", brüllen sie nach Leibeskräften und wedeln euphorisch mit ihren grünen Fahnen, Tüchern und Plakaten, als sie die Frau erblicken. In dem kleinen Sportstadion im Zentrum der iranischen Hauptstadt Teheran braust ohrenbetäubender Jubel auf.

Der Star der Veranstaltung heißt Sahra Rahnaward und trägt über dem bunten Kopftuch einen schwarzen Umhang. Die 67-Jährige ist gerade einmal so groß, dass sie über das Rednerpult blicken kann. "Ich begrüße alle, die für die Freiheit und gegen die Diktatur sind", schallt ihre Stimme über die Lautsprecher. "Wir werden diese Wahl zu einer Revolution machen!" Das zum Bersten gefüllte Stadion tobt.

Rahnaward ist die Frau des Präsidentschaftsanwärters Mir Hussein Mussawi, die Frau des Herausforderers, der den im In- und Ausland höchst umstrittenen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ablösen will. Die Kunstprofessorin ist die erste Iranerin, die mit ihrem Mann zusammen Wahlkampf betreibt. Und sie hat bereits für ihn verkündet, er werde mindestens drei Frauen in sein Kabinett berufen - wenn er die Wahlen am Freitag gewinnt.

Ungekannte Aufbruchstimmung

Die Chancen stehen gut. Nicht nur der Westen sehnt einen Machtwechsel in Teheran herbei, der einen politischen Dialog ermöglichen und den Streit um das iranische Atomprogramm entschärfen würde. Auch im Iran selbst hat man bis in konservative Kreise hinein genug von Ahmadinedschad, der die Wirtschaft gegen die Wand gefahren und den Iran politisch isoliert hat.

Doch niemand, weder die Reformbewegung noch die geistige Führung des Landes, hat damit gerechnet, dass aus der Abneigung gegen den amtierenden Präsidenten eine Massenbewegung würde. Teheran steht Kopf. Fast jedes Auto, jedes Geschäft, jedes Moped ist mit Mussawi-Bildern oder grünen Bändern und Fahnen geschmückt. Grün ist die Farbe der Mussawi-Kampagne.

"Eine solche Aufbruchsstimmung habe ich zuletzt vor der islamischen Revolution 1979 erlebt", strahlt der Angestellte Ali Resa, der mit seinem Sohn auf die Valiasr-Allee gekommen ist, die sich sechsspurig durch ganz Teheran zieht. Es ist nach Mitternacht, doch überall hüpfen und johlen die Mussawi-Anhänger. Andere tanzen Polonaise oder rufen in Sprechchören "Tschüs, Ahmadinedschad!".

Ein paar Polizisten versuchen halbherzig, die Straße für den Verkehr frei zu halten. Doch gegen das spontane Straßenfest der Massen, die den Sieg schon vor der Wahl feiern, haben sie keine Chance. Viele machen mit ihren Handys Fotos und Videos. Es könnten historische Momente sein.

Das Volk ist gespalten

Auf manchen Mopeds sitzen drei oder vier Personen, teils ganze Familien. Grün geschmückte Kinder halten Stöcke mit aufgespießten Kartoffeln in die Höhe - eine Kritik an den Lebensmittelgeschenken, mit denen Ahmadinedschad die arme Landbevölkerung für sich gewinnen wollte. Die Mehrheit der Protestler ist jünger als 30, die coole Jugend Teherans. Die Jungs sehen aus, als hätten sie eben noch in einer New Yorker Disco gerockt. Die Mädchen tragen enge Jeans und knappe Blusen, die Kopftücher sitzen auf dem Hinterkopf, manche Frau hat es gleich ganz abgenommen.

Inmitten des grünen Volksfests taucht plötzlich eine kleine Gruppe mit Anhängern Ahmadinedschads auf. Sie haben sich iranische Fahnen umgehängt - das Symbol ihrer Kampagne - und tragen brennende Kerzen durch die laue Sommernacht, als gingen sie zu einem Trauerzug.

Die "Grünen" schreien auf sie ein. "Geht nach Hause, Basidschis, hier werden keine Almosen verteilt!" Basidschis sind die Mitglieder einer Miliz, die zu den Revolutionsgarden gehört und die als Rückgrat des Ahmadinedschad-Lagers gilt. Die Stimmung ist aggressiv, doch zu Handgreiflichkeiten kommt es nicht. Noch nicht.

Die Mullahs werben um die Jugend

Mussawi ist ein Kandidat der Mitte. Deswegen hat die oberste geistige Führung, mehrheitlich Hardliner, ihn überhaupt zur Wahl zugelassen. Er wird unterstützt vom früheren Reformpräsidenten Mohammad Chatami und nennt sich selbst einen "prinzipientreuen Reformer". Soll heißen: Er will einen Wandel, aber er steht zu den "Prinzipien" der islamischen Revolution. Unter Revolutionsführer Ayatollah Chomeini ist er in den 80er-Jahren Ministerpräsident gewesen und führte sein Land durch die schwierigen Kriegsjahre mit dem Irak. Viele Iraner bewundern ihn noch heute dafür.

Doch die Massenhysterie, die als grüne Welle über das Land schwappt, hat alle überrascht. Manche Beobachter mutmaßen zwar, dass die Mullahs, die klerikalen Machthaber, die in allen wichtigen politischen Fragen das letzte Wort haben, am Aufstieg Mussawis nicht unbeteiligt waren. Denn sie möchten die entfremdete junge Generation - rund 60 Prozent der Bevölkerung - in den Staat einbinden, ohne das islamistische System selbst infrage zu stellen. Da käme ein Präsidentenwechsel gerade recht. Doch andererseits sind Zehntausende außer Kontrolle geraten. Keiner von ihnen geht nach Hause. Bis zu der Bekanntgabe der Wahlergebnisse am Samstag wollen die Teheraner auf den Straßen bleiben. Sollte es bis dahin kein klares Ergebnis geben, folgt in einer Woche eine Stichwahl.

Mehr Wohlstand und Freiheit

Vier Stunden ist Mehran Muradi an diesem Abend schon mit seinen Freunden unterwegs. Was er gerade erlebt, kennt der Wirtschaftsstudent nur aus Erzählungen seiner Eltern. Er selbst hat sich nie politisch engagiert. "Mit dieser Begeisterung können wir unsere Zukunft verändern", sagt er. "Das hier ist eine Volksbewegung."

Er wünscht sich wie die meisten der Mussawi-Anhänger mehr Freiheiten und eine Verbesserung der katastrophalen Wirtschaftslage mit der Arbeitslosenquote von 30 Prozent und der fast ebenso hohen Inflationsrate. Er hofft auf eine Versöhnung mit dem Westen und eine Annäherung an die USA. Muradi hält Mussawi für "ehrlich", "vernünftig" und "kompetent". Begeisterung klingt anders, aber darauf kommt es nicht an. Mussawi, ein uncharismatischer Architekt, ist zum Symbol des Wandels geworden. "Für Ahmadinedschad gibt es keinen Platz mehr", sagt Muradi.

Hetzte von Ahmadinedschad

Nur was, wenn doch? Zwar sind Ahmadinedschads Anhänger im Zentrum Teherans in der Minderheit. In den südlichen Vororten jedoch, auf dem Land und in der Provinz hält man nach wie vor zu ihm. Tausende sind zur Abschlussveranstaltung seines Wahlkampfs an der Technischen Universität gekommen. "Seine Gegner lügen", sagt eine Frau im schwarzen Tschador. "Es ist vielleicht ein bisschen teurer geworden, aber die Leute verdienen auch mehr. Wichtig ist, dass sich Ahmadinedschad um die Armen kümmert."

Die Witwe gehört, wie die meisten Anhänger des Präsidenten, zur Unterschicht des Landes, zu den Verlierern der Moderne. Doch es gibt auch Studenten und Lehrer unter den Fans. "Seinen Mut finde ich gut", sagt der 24-jährige Farad Sahnas mit verspiegelter Sonnenbrille, der äußerlich auch zum gegnerischen Lager gehören könnte. "Es macht mich stolz, wenn ich ihn vor der Uno reden höre."

Nach zwei Stunden, einem Gebet und viel Gedränge erscheint der Präsident. "Mussawi ist von den Amerikanern bestellt. Wir wollen ihn nicht", ruft er unter großem Gejohle. Mussawi wende im Wahlkampf die Methoden von Hitlers Propagandaministers Joseph Goebbels an, ruft der Holocaustleugner Ahmadinedschad dann noch. Er hetzt gegen Mussawis Frau, die angeblich ihre akademischen Titel gefälscht haben soll. Seine Anhänger jubeln.

Angst vor Wahlfälschung

Das Land ist in zwei Lager gespalten. Schon vor der Wahl wird über Wahlfälschung spekuliert. "Mögen die Hände derer brechen, die unsere Stimmen fälschen wollen", warnt etwa Mussawis Frau Sahra Rahnaward. Und Issa Saharchis, ein Verleger und Veteran der Reformbewegung, sagt: "Wenn Ahmadinedschad gewinnt, wird die Mehrheit der Gesellschaft das nicht akzeptieren." Eine zweite Amtszeit des Populisten könnte sogar das ganze System gefährden - und die Stellung des obersten geistigen Führers selbst gefährden. "Nichts wird mehr so wie vor der Wahl sein", sagt Saharchis. "Denn niemand kann sich vorstellen, dass all diese Menschen, die jetzt auf der Straße sind, plötzlich zu Hause bleiben."

Doch diesem Druck wollen sich die Hardliner nicht beugen. Es werde es "keine samtene Revolution geben", droht Jadollah Dschawani, politischer Chef der Revolutionsgarden. "Die wird im Keim erstickt."

FTD
Wie lange ist die frist bei einer Kündigung?
Hallo Ich möchte gerne kündigen, da das Arbeitsverhältnis nicht mehr gegeben ist. Leider verstehe ich den Arbeitsvertrag nicht ganz. Auszug aus dem Vertrag: Paragraf 13 Kündigungsfristen: (1) das Arbeitsverhältnis kann beiderseitig unter Einhaltung einer frist von 6 Werktagen gekündigt werden. Nach sechsmonatiger Dauer des Arbeitsverhältnisses oder nach Übernahme aus einem Berufsausbildungsverhältnis kann beiderseitig mit einer frist von zwölf Werktagen gekündigt werde. (2) Die Kündigungsfrist für den Arbeitgeber erhöht sich, wenn das Arbeitsverhältnis in demselben Betrieb oder unternehmen 3jahre bestanden hat, auf 1 monat zum Monatsende 5jahre bestanden hat, auf 2 monate zum Monatsende 8jahre bestanden hat, auf 3 monate zum Monatsende..... (3) Kündigt der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis mit dem Arbeitnehmer, ist er bei bestehenden Schutzwürdiger Interessen befugt, den Arbeitnehmer unter fortzahlung seiner bezüge und unter Anrechnung noch bestehender Urlaubsansprüche freizustellen. Als Schutzwürdige interessen gelten zb. Der begründete Verdacht des Verstoßes gegen die Verschwiegenheitspflicht des Arbeitnehmers, ansteckende Krankheiten und der begründete verdacht einer strafbaren handlung. Ich arbeite in einem Kleinbetrieb (2mann plus chef) seid 2 jahren und 3-4Monaten. (Bau) Seid ende November bin ich krank geschrieben. Was meinem chef überhaupt nicht passt und er mich mehrfach versucht hat zu überreden arbeiten zu kommen. Da mein zeh gebrochen ist und angeschwollen sowie schmerzhaft und ich keine geschlossenen schuhe tragen kann ist arbeiten nicht möglich. Das Arbeitsverhältnis ist seid längerem angespannt vorallem mit dem Arbeitskollegen. Möchte nur noch da weg! Wie lange ist nun die frist und wie weitere vorgehen? Ich hoffe es kann mir jemand helfen.
Füllhorn Rente 63 ?
Wer 2018 NEU in den Ruhestand ging a) und die „abschlagsfreie Rente 63“ mit mindestens 45 Versicherungsjahren kassierte, erhielt im Schnitt 1265 Euro monatlich, 1429 Euro (als Mann) bzw. 1096 Euro (als Frau) RENTE. b) und wer die „normale“ Altersrente kassierte, erhielt monatlich im Schnitt 950 Euro, 1080 € (als Mann) bzw. 742 Euro (als Frau) RENTE. Nach Adam Riese bedeutet das, das erst Zeiten ab dem 18. LJ für die Rentenversicherung gewertet werden, dass männliche Nicht-Akademiker über 45 Arbeitsjahre hinweg mehr als 25 Euro monatlich pro Stunde verdient haben müssten. sprich: ab 1973 ! (zu DM-Zeiten 50 DM Stundenverdienst ! ... als Nicht-Akademiker ??) Meine Erfahrung ist, dass man mit 18 zur Armee musste und das anschließende Studium frühestens im 25 LJ beenden konnte -- also in 1981 ! (25 + 45 = 70. LJ mit Altersrente ohne Abzüge). Ergebnis: erst in 2026 könnten vergleichbare Akamdemiker (nach 45 Vers.Jahren) in VOLLE Rente gehen. PS: Nach Rechnung der „Die Linke“ bräuchte man über 37 Jahre hinweg einen Stundenverdienst von mind. 14,50 Euro (29 DM), um NICHT auf die „Grundsicherung für Altersrentner“ angewiesen zu sein; also den statistischen Wert von 800 Euro mtl. Rentenbezug zu überschreiten. Wer erkennt den Zaubertrick der „abschlagsfreien Rente 63“ ? Wer kennt den Zaubertrick, in weniger Zeit, mit weniger Ausbildung, maximale Top-Renten-Ergebnisse zu erzielen ? (welches nicht einmal die gierigsten Börsenbanker und Versicherungsmakler in einer Demokratie für realisierbar hielten) ?