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Präsidentschaftswahl in Frankreich Le Pen verweigert Empfehlung für Sarkozy


Rückschlag für den Amtsinhaber: Bei der Stichwahl um das Präsidentenamt erhält Nicolas Sarkozy keine Unterstützung von Front-National-Chefin Marine Le Pen. Die Rechtsextreme kündigte an, einen leeren Stimmzettel abgeben zu wollen.

Die Chancen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy auf einen Sieg in der Stichwahl um das höchste Staatsamt schwinden zunehmend. Fünf Tage vor der entscheidenden Wahlrunde verweigerte die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine le Pen, eine Wahlempfehlung zugunsten des um sein politisches Überleben kämpfenden Amtsinhabers. Sie werde in der Stichwahl am Sonntag einen leeren Stimmzettel abgeben, kündigte Le Pen am Dienstag vor Anhängern in Paris an. Die Rechtsaußen-Partei war in der ersten Wahlrunde mit fast 18 Prozent der Stimmen überraschend stark auf Platz drei gekommen.

Analysen von Meinungsforschern zufolge müssten rund 80 Prozent der Anhänger Le Pens in der Stichwahl für Sarkozy stimmen, damit dieser den Rückstand auf den sozialistischen Kandidaten Francois Hollande noch aufholen kann.

Entscheidender Rückschlag für Sarkozy?

Die Ankündigung Le Pens, sie könne weder Hollande noch Sarkozy wählen, könnte damit nun der entscheidende Rückschlag für Sarkozys zunehmend verzweifelt wirkendes Bemühen sein, das Blatt in letzter Minute doch noch zu wenden. Ursprünglich war erwartet worden, dass Le Pen eine Wahlempfehlung abgibt. Für sie hatten in der ersten Runde rund sechseinhalb Millionen Menschen gestimmt. Die Parteichefin betonte, sie wolle ihr Stimmverhalten nicht als Empfehlung verstanden wissen. "Ich habe meine Wahl getroffen. Jeder von euch wird seine treffen", sagte sie.

Der in allen Umfragen deutlich hinter seinem sozialistischen Herausforderer liegende Sarkozy hat seit der ersten Wahlrunde am 22. April einen scharfen Rechtskurs eingeschlagen, um die Wähler des Front National für sich zu gewinnen. Seinen Schwerpunkt in Reden legte er auf die Betonung von Grenzen, die Einschränkung von Zuwanderung und Patriotismus. "Ich brauche die Stimmen der Wähler der Mitte, derjenigen, die sich enthalten haben und genauso sehr brauche ich diejenigen, die in der ersten Runde für Marine Le Pen gestimmt haben", warb er offen um Stimmen des extremen Lagers.

Sarkozy will Bayrou nicht als Premier

Sarkozy seinerseits schaffte am Dienstag Klarheit in einer wichtigen Personalentscheidung. Er machte deutlich, dass er dem bürgerlichen Kandidaten Francois Bayrou im Falle seiner Wiederwahl nicht das Amt des Ministerpräsidenten anbieten werde. Bayrou sei ein hochrespektabler Mann, aber vertrete eine Minderheit. Ein Ministerpräsident sei in der Arbeitsteilung mit dem Präsidenten aber der Vertreter der Parlamentsmehrheit, argumentierte Sarkozy in einem Rundfunkinterview. Bayrou hatte in der ersten Wahlrunde schwächer als erwartet abgeschnitten und war nur auf Platz fünf gekommen. Gleichwohl ist Sarkozy auch auf die zentristischen Wähler angewiesen. Vor allem Außenminister Alain Juppe hatte Bayrou als Regierungschef in die Debatte gebracht, wohl, um auch im liberal-bürgerlichen Lager zu punkten.

Hollande hatte dagegen nach der ersten Runde Wahlempfehlungen der radikalen Linken und der Grünen erhalten. Alle Augen im politischen Frankreich richten sich nun auf das einzige Fernsehduell, das sich Hollande und Sarkozy liefern. Das moderierte Interview am Mittwochabend gilt als letzte Chance Sarkozys, noch eine Trendwende zu schaffen.

be/Reuters/AFP Reuters

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