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Praktikantin: "Ich bin die Mimi"

Historiker Robert Dallek enthüllte, dass Bill Clinton durchaus nicht als erster Sex mit einer Praktikantin im Weißen Haus hatte

Es wird lange dauern, bis Marion Fahnestock wieder an einem Gottesdienst in ihrer Kirche an der Upper East Side von Manhattan teilnehmen kann, ohne dass sich Leute verstohlen nach ihr umdrehen oder dass Reporter vor der Tür stehen. "Ich bin die Mimi", gestand die 60-Jährige jetzt ein. Damit gab sie dem Wirbel in der US-Presse nur noch Auftrieb, den eine neue Biografie John F. Kennedys mit Hinweisen auf eine bislang unbekannte Geliebte namens Mimi ausgelöst hatte. Seit dem Outing hat Mimi ein öffentliches Gesicht. Bilder von ihr gehen durch alle Medien.

41 Jahre lang hatte Fahnestock ihr Geheimnis gehütet. Doch kaum hatte der Historiker Robert Dallek in seinem Kennedy-Buch "An Unfinished Life" enthüllt, dass Bill Clinton durchaus nicht als erster Sex mit einer Praktikantin im Weißen Haus hatte, gingen New Yorker Reporter in die Spur. Innerhalb von 48 Stunden hatten sie Mimi als Mitarbeiterin der Verwaltung der Presbyterian Church an der Fifth Avenue identifiziert.

Der aktivste Schwerenöter aller US-Präsidenten

Nachdem die Boulevardzeitung "Daily News" in einer Titelstory als erste Mimis vollen Namen preisgab, konnte die vornehm wirkende Frau, die auch mit 60 schlank und attraktiv ist, die Meute der Reporter, Fotografen und Kameraleute einfach nicht mehr abschütteln. Mit einer offiziellen Erklärung ergriff sie die Flucht nach vorn: "Von Juni 1962 bis November 1963 hatte ich sexuelle Beziehung mit Präsident Kennedy. Angesichts der jüngsten Medienberichte habe ich die Beziehung mit meinen Kindern und meiner Familie diskutiert; und sie unterstützen mich vollkommen. Ich bitte, meine Privatsphäre zu respektieren."

Das hindert Reporter nicht, weiter nach Einzelheiten ihres Lebens und vor allem ihrer Präsidenten-Affäre zu graben. Immerhin sei die Frau Geliebte eines US-Präsidenten in einer hoch brisanten Zeit gewesen, hieß es beim Sender CNN: nämlich "inmitten der Kuba-Krise", als ein Atomkrieg gedroht habe. Talkshows von CNN und anderen Sendern machten die Beziehung zum Debattier-Thema. Und wieder einmal zeigte sich: Für Amerikaner ist der Kennedy-Clan immer noch ein willkommener Ersatz für die Londoner Royals, um deren Klatschpotenzial man die Briten beneidet.

Zudem scheint fünf Jahre, nachdem "Bill and Monica" US-Medien zur ironischen Umbenennung der Präsidenten-Amtsstube in "Oral Office" veranlassten, die damalige Übersättigung des Publikums mit dem Thema "Sex und Macht" vergessen zu sein. Prompt wurden wieder einmal sämtliche Affären hervorgekramt, die sich US-Präsidenten wie George Washington (Amtszeit 1789 bis 1797), Thomas Jefferson (1801-1809), Franklin D. Roosevelt (1933-1945) oder Lyndon B. Johnson (1963-1969) - um nur einige zu nennen - geleistet hatten.

Die meisten der präsidialen Seitensprünge waren früher oder später von Biografie-Schreibern ausgiebig und detailliert durchgehechelt worden. Der Autor Dallek machte immerhin davor Halt, Mimis Identität aufzudecken, wozu er angesichts seiner umfangreichen Recherchen wohl in der Lage gewesen wäre.

Dass Kennedy der aktivste Schwerenöter aller US-Präsidenten war, ist ohnehin längst bekannt. Ihm wurde im Laufe der Jahre nicht nur die weitaus größte Zahl an romantischen Beziehungen mit Berühmtheiten zugeschrieben - allen voran Marilyn Monroe und Jayne Mansfield. 1977 behauptete gar Judith Campbell Exner, Ex-Geliebte eines Chicagoer Mafia-Bosses, im Bett des Präsidenten gelegen zu haben. Dass es in Kennedys Sex-Leben auch "eine gesunde Portion von Stewardessen, Sekretärinnen und Beraterinnen" gegeben habe, schrieb schon vor Jahren der Uni-Professor Larry Sabato in seinem Buch "Feeding Frenzy".

Was die 60-jährige Mimi - Witwe sowie Mutter zweier verheirateter Töchter - jetzt angesichts von Berichten durchmachen mag, scheint nur wenige zu interessieren. Sie habe seinerzeit "nicht mal richtig tippen" können, hieß es, aber ansonsten offenbar gewisse Qualitäten gehabt. Tom Tewell, der Pfarrer ihrer Kirche, forderte die Medien auf, sie in Ruhe zu lassen. "Frau Fahnestock ist ein sehr geachtetes Mitglied unserer Kirche", erklärte er. "Wir lieben sie, und wir unterstützen sie hundertprozentig."