PRESSESCHAU 13.03.: Übergriffe albanischer Rebellen

Die Meinungen in der europäischen Presse zu folgenden Themen: die gewaltsamen Übergriffe der Albaner-Guerilla, die Zerstörung der Buddha-Statuen in Afghanistan und der Ausgang der französischen Kommunalwahlen.

»The Independent«: Die Albaner haben nichts verstanden

Zur zunehmenden Gewaltbereitschaft der Albaner schreibt die liberale britische Zeitung »The Independent« am Dienstag: »Es wäre falsch, wenn die Albaner neue Instabilität auf dem Balkan zu einem Zeitpunkt schaffen wollten, da es gerade eine Aussicht auf Beruhigung gibt. Die Albaner waren die Opfer. Jetzt jedoch sind ihre Opfer Serben, und in Mazedonien sind es Mazedonier. Es handelt sich nicht um Revanche, sondern um Verbrechen gegen unschuldige Menschen. Diese müssen energisch bestraft werden. ... Der jugoslawische Außenminiser Goran Svilanovic hat verstanden, dass gewalttätiger Nationalismus nicht nur durch noch gewalttätigeren Nationalismus bekämpft werden kann. Die Albaner hingegen scheinen nichts verstanden zu haben. Wenn die albanischen Guerrillas ihre Politik der Destabilisierung sowohl in Südserbien als auch im gleichermaßen labilen Mazedonien fortsetzen, dann wäre das fatal für alle Beteiligten - so wie das vergangene Jahrzehnt für die Serben verheerend war. Der Westen sollte nicht zu zimperlich sein, diese wichtige Erkenntnis zu vermitteln.«

»de Volkskrant«: Mit Albaner-Guerilla kein Dialog möglich

Über Versuche der Albaner-Guerilla (UCK), in Mazedonien Unruhe zu stiften, schreibt die niederländische sozialdemokratisch orientierte »Volkskrant« am Dienstag: »Wenn ihnen das gelingt, reißt dies den ganzen Balkan in einer sich abwärts drehenden Spirale mit sich. Mit diesen Rebellen ist kein Dialog möglich. Aufrufe dazu aus dem Westen sind lächerlich. Rational betrachtet, können sie gar nichts fordern. Sie haben überall Minderheitsrechte. Aber es geht ihnen gar nicht um Rechte. Sie wollen einen Albaner-Staat. Das würde nicht nur Abtrennung eines Stücks von Serbien bedeuten, sondern auch der Hälfte von Mazedonien. Dann bliebe dieses Land als nicht lebensfähiger Ministaat zurück. ... Diesen Albanern muss der Weg versperrt werden und zwar schnell.«

»La Repubblica«: Tragikomische Idioten

Zur Zerstörung der weltberühmten Buddha-Statuen in Afghanistan meint die italienische Zeitung »La Repubblica« (Rom) am Dienstag: »15 Jahrhunderte sind für immer in einer gelben Wolke entschwunden. Mindestens eine der zwei Buddha-Statuen, die die Stadt Bamiyan überragten, wurde von den Taliban mit mehreren Ladungen Dynamit vernichtet. Die Appelle der Vereinten Nationen und das Flehen der höchsten islamischen Rechtsgelehrten haben also nichts ausrichten können, womöglich den politischen Erfolg der Taliban sogar noch vergrößert. Denn große Teile des radikalen Islam zollen ihnen Bewunderung. Und als Zugabe noch ein Händedruck von Kofi Annan, der wiederholte Beweis für den Masochismus der UN. Das ist nicht wenig für eine Bewegung, die nach Ansicht des Westens aus tragikomischen Idioten besteht.«

»Le Monde«: Kommunalwahlen schwächten Jospin und Chirac

Die unabhängige französische Tageszeitung »Le Monde« (Paris) sieht am Dienstag die Kommunalwahlen in Frankreich als Warnung an die Adresse der etablierten Parteien: »Der Durchbruch der Grünen und das gute Abschneiden der alternativen Listen ist bezeichnend, sie halten den Schlüssel für die zweite Wahlrunde (am kommenden Sonntag) in der Hand. Ihre Kandidaten sprechen Themen an, die das Alltagsleben ihrer Mitbürger bestimmen. Die traditionellen Parteien, die Rechte wie die Linke, zögern, sich dem anzupassen. Die geringe Wahlbeteiligung ist die Strafe für diese Verspätung. Für Lionel Jospin wie für Jacques Chirac ist es eine bittere Lektion: Der Premierminister wurde vom Misserfolg seiner Minister geschwächt, der Staatspräsident vom Schwanken seiner Pariser Hochburg.«

»La Stampa«: Russisches Roulette

Zu den Kommunalwahlen in Frankreich meint die italienische Zeitung »La Stampa« (Turin) am Dienstag: »Es ist wie russisches Roulette. Nach dem ersten Durchgang der französischen Kommunalwahlen ist die Rechte gegen alle Erwartungen nicht tot. Und niemand kann ausschließen, dass es am kommenden Sonntag nicht die Linke ist, die einbricht, einschließlich in Paris. Im zweideutigen Tanz der Prozente und der Vergleiche mit anderen Wahlen gibt es nur eine Gewissheit: Der Zusammenhalt ist größer in der Regierungsmannschaft, die durch die vielfältigen Meinungsverschiedenheiten gezwungen ist, sich gegen ihre Natur gern zu haben.«


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