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PRESSESCHAU: 20.03.: Skopje mobilisiert Streitkräfte

Die Spannungen in Mazedonien, der Washington-Besuch des israelischen Premiers Scharon und die jüngsten ETA-Anschäge - das sind die bestimmenden Themen der Kommentare in der Auslandspresse.

»The Guardian«: Mazedonien steht allein

Der liberale britische »Guardian« schreibt am Dienstag zur Entwicklung in Mazedonien: »Die Rebellion in Mazedonien ist aus mehreren Gründen Besorgnis erregend. Die Gewalt - wenn auch gering nach Balkan-Maßstab - hat die Grenzen der mazedonischen Armee offenbart. Sie tut sich schwer, die Situation einzudämmen. Die Koalitionsregierung in Skopje ist bedroht. Alte ethnische und religiöse Feindschaften werden wieder belebt. Die EU-Außenminister haben sich vor der wichtigen Frage der militärischen Unterstützung gedrückt. Wenn es zum Kampf kommt, steht Mazedonien allein da. Kein Dank für die Hilfe, die das Land 1999 der NATO gab! Welch ein kurzfristiges Denken und riskantes Spiel.«

»Nesawissimaja Gaseta«: Inkonsequente Haltung des Westens

Die westlichen Länder treten dem albanischen Extremismus nicht entschieden genug entgegen, meint die Moskauer Tageszeitung »Nesawissimaja Gaseta« am Dienstag: »Seit die (albanischen) Terroristen kämpfen, ist die Position des Westens eindeutig verurteilend: Wir sind gegen jegliche Gewalt. Doch hätten die USA, Frankreich, Deutschland sowie andere Länder nicht nur die Gewaltanwendung verurteilt, sondern gleich den gesamten albanischen Extremismus, der schon Krieg auf dem Territorium von zwei europäischen Staaten führt, dann hätten die Ereignisse einen ganz anderen Lauf genommen. Ohne diese Billigung hätten die Albaner wenigstens für eine Zeit lang ihre Aktivitäten um das Kosovo eingestellt.«

»Algemeen Dagblad«: NATO droht Gesichtsverlust

Zu den Spannungen zwischen radikalen Albanern und Mazedonien meint das niederländische unabhängige »Algemeen Dagblad« am Dienstag: »Die grausigen Vorfälle der letzten Jahre auf dem Balkan haben offensichtlich nichts an der Entschlossenheit der Völker im früheren Jugoslawien geändert, neue, ethnisch bestimmte Grenzen zu ziehen. ... Und wieder ist es wenig wahrscheinlich, dass es Europa oder der NATO gelingen würde, die Gewalt einzudämmen. ... Für Europa und die NATO droht neuer Gesichtsverlust. Natürlich will man möglichst Blutvergießen verhindern, aber in der jüngeren Geschichte haben Friedenstruppen nicht verhindern können, dass die Völker der Region ihren Willen durchsetzen. UNPROFOR, IFOR und SFOR in Kroatien und Bosnien und KFOR im Kosovo mussten praktisch die Rolle von Grenzwächtern übernehmen. Eine eventuelle MFOR wird auch nicht mehr erreichen.«

»Il Messaggero«: Friedensprozess neues Tabuwort

Die römische Zeitung »Il Messaggero« schreibt am Dienstag zum Washington-Besuch des israelischen Ministerpräsidenten Scharon: »Es sind zwar lediglich sechs Monate vergangen, aber die Verhandlungen von Camp David scheinen zu einer längst versunkenen Epoche zu gehören. Es genügt, wenn man sich die politische Szene in Washington anschaut, die neuen Männer und die neuen Prioritäten in der Nahostpolitik. Seit Sonntagabend ist Scharon zu Gesprächen mit Bush und der neuen Regierung in Washington. Drei Tage lang sprechen die Delegationen über die Themen Israel, die Palästinenser und Intifada. Aber niemand wird das Wort «Friedensprozess» dabei auch nur in den Mund nehmen: Das ist der Befehl Bushs, der damit unterstreichen will, dass die Verhandlungen, die von der vorherigen US-Regierung geleitet worden waren, nun endgültig vorbei sind, und dass noch keine anderen Gespräche ihre Stelle eingenommen haben.«

»El Mundo«: ETA-Terror ist auch ein französisches Problem

Zu den jüngsten Bombenanschlägen baskischer Separatisten an der spanischen Mittelmeerküste schreibt die Madrider Zeitung »El Mundo« am Dienstag: »Wenn Spanien die Franzosen zu größeren Anstrengungen beim Kampf gegen die baskische Untergrundorganisation ETA auffordert, bittet Madrid den Nachbarn nicht um einen Gefallen. Frankreichs Premier Lionel Jospin und Staatspräsident Jacques Chirac sollten selbst daran interessiert sein, der Präsenz von ETA-Terroristen auf französischem Boden ein Ende zu setzen. Es besteht nämlich die Gefahr, dass die Terrorbande ihre kriminellen Aktivitäten auf Frankreich ausdehnt. Die ETA ist nicht ein ausschließlich spanisches Problem, wie man in Frankreich zu glauben scheint. Sie ist auch ein französisches Problem. Frankreich hat erstmals in der neueren Geschichte mit einem aufkeimenden, gewalttätigen Nationalismus in der Bretagne und auf Korsika zu kämpfen.«