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PRESSESCHAU: 28.03.: Mazedonien braucht Dialog

Die ausländische Presse beschäftigt sich in ihren Kommentaren mit der ungewissen Lage in Mazedonien, den neuerlichen Terroranschlägen in Israel und mit den Protesten gegen den Castor-Transport.

»Basler Zeitung«: Mazedonien braucht Maßnahmen-Paket

Zur Situation um Mazedonien schreibt die »Basler Zeitung« am Mittwoch: »Mit militärischen Mitteln alleine kann Mazedonien den Konflikt gegen die albanischen Rebellen nicht gewinnen. Die Regierung in Skopje muss möglichst schnell wieder zum Dialog mit der albanischen Minderheit zurückfinden. ... Im günstigsten Fall bleiben die Ereignisse von Tetovo als Versuch albanischer Nationalisten in Erinnerung, den Vielvölkerstaat Mazedonien in seine Einzelteile zu zerlegen. Wenn alles schief geht, entzündet ein weiterer Krieg den Balkan. Um das Katastrophenszenario zu vermeiden, müssen die Regierung in Skopje und die internationale Gemeinschaft ein genau abgestimmtes Paket von Maßnahmen parallel umsetzen. Der Westen kann neben der Vermittlungstätigkeit einen späten Beitrag leisten, wenn die NATO-Truppen im Kosovo nun doch noch die Nachschubwege für die albanischen Paramilitärs in Westmazedonien kappen.«

»Mlada fronta Dnes«: Letzte Chance für Mazedonien

Zur Situation um Mazedonien schreibt die liberale tschechische Tageszeitung »Mlada fronta Dnes« (Prag) am Mittwoch: »Der Krieg in Mazedonien ging früher zu Ende, als er begann. Das jedenfalls glaubt man angesichts der seit Tagen dauernden Waffenruhe. Aber auf dem Balkan ist der Grad zwischen Krieg und Frieden schmal, und es braucht wenig, um ihn zu überbrücken. Die momentane Pause sollte nun von der internationalen Gemeinschaft genutzt werden, um den albanischen Waffenträgern zu zeigen, dass Taten am Verhandlungstisch fruchtbar sein können. Mazedonien galt bisher als Beispiel, dass die balkan-typischen Probleme friedlich gelöst werden können. Jetzt hat das Land die vielleicht letzte Chance, diesen Ruf auch in Zukunft zu tragen.«

»La Repubblica«: Scharon muss Versprechen erfüllen

Nach den neuen Terroranschlägen in Israel sieht die römische Zeitung »La Repubblica« am Mittwoch Israels Ministerpräsident unter Zugzwang geraten: »Es ist möglich, dass Scharon zunächst den Ausgang des arabischen Gipfels in Amman abwartet, bevor er Vergeltungsmaßnahmen anordnet. Eine sofortige Reaktion könnte den Gipfel zu noch radikaleren Entscheidungen gegen Israel verleiten. ... Aber der Druck auf Scharon zu einer exemplarischen Reaktion nach dem Blut und den Bomben ist enorm, und es ist wahrscheinlich, dass der Likud-Führer seinen Militärs bald freie Bahn geben wird. Der rechte ?Falke? Scharon hat die Wahlen mit dem Versprechen gewonnen, wieder Sicherheit zu schaffen. Stattdessen nimmt die Gewalt an Stärke zu. Jetzt muss Scharon sein Versprechen erfüllen, wieder Ordnung zu bringen.«

»Il Messaggero«: Gefahr der Ausweitung

Nach den neuen Terroranschlägen in Israel sieht die römische Zeitung »Il Messaggero« am Mittwoch neue Gefahren in Nahost: »Immer weitere Bomben in Israel, immer weitere Drohungen einer Vergeltung. Angesichts der Eskalation des arabisch-israelischen Konflikts, der noch unklaren Politik der neuen Regierung im Weißen Haus und der Frage über die Zukunft Iraks - das alles wird von den Führern der arabischen Welt auf ihrem Gipfel in Amman diskutiert - erlebt der Nahe Osten derzeit einen der schwierigsten und beängstigenden Momente. Wie noch nie ist die direkte Gewalt gegen Israel zu diesem Zeitpunkt zu einem Instrument der Diplomatie Arafats geworden. Und wie niemals trägt der arabisch-israelische Konflikt in diesem Moment den Samen einer möglichen Ausweitung in sich sowie eines möglichen Zusammenstoßes zwischen dem Westen und der arabischen Welt.«

»Le Monde«: Demonstrationen gegen Castor gutes Zeichen

Die unabhängige französische Tageszeitung »Le Monde« (Paris) zeigte am Mittwoch Verständnis für die Demonstrationen gegen den Castor-Transport: »Ob man sie nun ablehnt oder begrüßt, die Demonstrationen, die den französisch-deutschen Transport mit Atommüll nach Gorleben begleiten, sie beweisen eines: Dieser Handel kann nicht als ein banales Geschäft ausgegeben werden. Obwohl die Lagerung von Nuklearabfällen in beiden Ländern auf kurze Sicht ausreichend sicher ist, bleibt sie prinzipiell gefährlich und erfordert die allergrößte Vorsicht. Wenn sich die Bürger in dieser Sache bei den staatlichen Autoritäten Gehör verschaffen, ist das kein schlechtes Zeichen. Es zeigt, dass die Öffentlichkeit den Verantwortlichen nicht erlaubt, sich in einer Sicherheit zu wiegen, die immer zerbrechlich bleibt.«