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Protest der Mönche: Neue Unruhen in Lhasa

Auch am Samstag ist es in der tibetischen Hauptstadt Lhasa wieder zu Demonstrationen gekommen. Chinesische Sicherheitskräfte seien gegen den Protest vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas eingesetzt, hieß es. Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Demonstranten wie Sicherheitskräfte zur Mäßigung auf.

Einen Tag nach den schweren Unruhen in Tibet sind am Samstag vereinzelt neue Proteste ausgebrochen. Nach Augenzeugenberichten sollen chinesische Sicherheitskräfte wieder geschossen haben. In der tibetischen Hauptstadt Lhasa, die am Vortag Schauplatz schwerer Ausschreitungen war, seien am Nachmittag trotz des massiven Sicherheitsaufgebots wieder Demonstranten auf die Straße gegangen, berichtete die Organisation Free Tibet Campaign unter Hinweis auf ein Interview des britischen Fernsehsenders ITV mit einem Ausländer in Lhasa. Es seien Schüsse zu hören gewesen.

Auch buddhistische Mönche des Labrang Tashikyil Klosters in Sangchu in der chinesischen Provinz Gansu haben nach exiltibetischen Angaben wieder demonstriert. Ihnen hätten sich einfache Tibeter angeschlossen, berichtete das in Indien ansässige Tibetische Zentrum für Menschenrechte und Demokratie (TCHRD). Die Demonstranten, die nach Unabhängigkeit für Tibet gerufen und ihre Unterstützung für den Dalai Lama bekundet hätten, seien zum Sitz der Kreisregierung von Sangchu gezogen.

Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein

Paramilitärische chinesische Sicherheitskräfte seien gegen den Protest vorgegangen, hätten in die Luft geschossen und Tränengas gegen die Mönche eingesetzt, berichtete die Organisation. Es habe Festnahmen gegeben. Auch sollen Demonstranten von Sicherheitskräften verprügelt worden sein. Genaue Zahlen seien aber nicht bekannt.

Die Bundesregierung hat unterdessen zu einem direkten Dialog zwischen der chinesischen Regierung und dem religiösen Führer der Tibeter, dem Dalai Lama, aufgerufen. Nur so könne eine nachhaltige Lösung der Tibetfrage gefunden werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach Angaben von Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. In Berlin und Frankfurt am Main demonstrierten nach Angaben der Polizei jeweils rund 70 Tibeter vor den chinesischen Vertretungen. In Frankfurt kam es dabei zu einer "kleineren Rangelei" zwischen Demonstranten und Polizisten.

Merkel äußerte sich besorgt über die Unruhen. "Gewalt - egal von welcher Seite - führt zu keiner Lösung der offenen Fragen", sagte sie. Es sei deshalb umso wichtiger, dass Demonstranten wie Sicherheitskräfte zur Mäßigung aufgerufen und die Rechte der Einzelnen geachtet würden.

Grünen-Chefin Claudia Roth forderte, Druck auf China auszuüben und so die "brutale Unterdrückung der Tibeter" zu beenden. "Das brutale Vorgehen ist eine Schande für die chinesische Regierung und wirft einen blutigen Schatten auf die Olympischen Spiele." Die Grünen- Politiker Jürgen Trittin und Volker Beck forderten China auf, sich Gesprächen mit dem Dalai Lama nicht länger zu verweigern.

China will mit aller Härter vorgehen

SPD-Chef Kurt Beck pochte auf die "Unteilbarkeit der Menschenrechte". "Insoweit werden immer alle Gelegenheiten genutzt, auch China gegenüber, eine entsprechende politische Haltung einzufordern", sagte er bei einem Auftritt in Mannheim.

Trotz Berichten viele Tote bei den schweren Zusammenstößen in Lhasa und internationalen Forderungen nach Zurückhaltung will China die Unruhen in Tibet mit Härte unterdrücken. Gegen die Demonstranten werde barsch vorgegangen, sagte der von Peking bestellte Vorsitzende der Regierung der autonomen Region Tibet, Champa Phuntsok.

Die tibetische Exilregierung in Indien berichtete von mehr als 100 Todesopfern - zehn Mal soviel wie die amtlichen chinesischen Medien. Mindestens 30 Tote seien bestätigt, heißt es in einer von der Exilregierung in Dharmsala veröffentlichten Erklärung. Für mehr als 100 Todesopfer gebe es bislang noch keine Bestätigung. Nach chinesischen Berichten sind Demonstrationen buddhistischer Mönche zum Jahrestag der Niederschlagung des Aufstandes der tibetischen Bevölkerung gegen die chinesische Herrschaft 1959 am Montag in Gewalt umgeschlagen. Mindestens zehn Menschen seien getötet worden. Die Zusammenstöße in Lhasa sind die schwersten seit 20 Jahren.

DPA/AP/Reuters / AP / DPA / Reuters