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Iran Protest gegen das Regime: Iranerin nimmt mit 80 Jahren zum ersten Mal öffentlich ihr Kopftuch ab

Eine 80-jährige Iranerin nimmt erstmals öffentlich ihr Kopftuch ab
Eine 80-jährige Iranerin nimmt erstmals öffentlich ihr Kopftuch ab
Seit vielen Jahrzehnten trägt die 80-jährige Gohar Eshghi ihr Kopftuch. Die Iranerin möchte jetzt aber ein Zeichen der Solidarität mit ihren vielen, jüngeren Mitbürgerinnen setzen, die gegen das Mullah-Regime auf die Straße gehen.

In den vergangenen Wochen wurden immer wieder Fotos und Videos aus dem Iran geteilt, die den mutigen Protest der Frauen gegen die Unterdrückung durch das Mullah-Regime zeigen. Besonders der Zwang zum Tragen des Kopftuchs stößt unter vielen Bewohnerinnen des Landes auf Ablehnung – der Protest gegen den Hijab steht symbolisch aber für den Protest gegen zahlreiche andere Formen der Unterdrückung, die die Menschen im Iran seit Jahren erleben.

Häufig sah man mutige junge Frauen, die ohne Kopftuch auf die Straße gingen, in einem Café frühstückten, oder – wie Kletterprofi Elnaz Rekabi, 33, kürzlich – ohne Kopfbedeckung an einem internationalen Sportwettbewerb teilnahmen.

Man sah Schülerinnen, die mit offenen Haaren den Unterricht besuchten und sich lautstark gegen ihren protestierenden Schuldirektor stellten. Junge Frauen, die sich das lange Haar abschnitten. Alles bewegende Bilder, die uns über den Mut und die Entschlossenheit der Menschen im Iran staunen lassen.

Nun schloss sich eine weitere Frau dem Protest an – dieses Mal aber keine junge, "moderne" Frau, sondern die 80-jährige Gohar Eshghi.

Iran: Viele Frauen protestieren gegen das Regime

Gohar Eshghi lebt seit vielen Jahrzehnten unter der strengen Herrschaft der Mullahs, ebensolange hat sie niemand außerhalb ihrer engsten Familie ohne ihren schwarzen Hijab gesehen. Doch seit Jahren schon gärt es in der Iranerin: Seit ihr Sohn Sattar Beheshti verhaftet wurde und 2012 im Gefängnis starb. Er hatte einen Blog für Meinungsfreiheit betrieben – Eshgi ist überzeugt, dass er in der Haft gefoltert wurde und infolge dieser Verletzungen starb.

Nun trat sie in die Fußstapfen ihres Sohnes und schloss sich der Rebellion gegen die islamistische Diktatur an. Wie viele andere Frauen nahm sie öffentlich ihr Kopftuch ab – eine Geste, die aufgrund ihres hohen Alters noch einmal auf ganz anderer Ebene berührend wirkt als bei Schülerinnen und Studentinnen. "Gegen diese Religion, in deren Namen die Menschen getötet werden", richte sich ihre Aktion, sagt Gohar Eshghi.

80-Jährige kämpft für Freiheit

Sie erklärt: "Ich sag nicht 'Tod Khamenei', ich sage 'Tod denen, die zuhause sitzen und nicht auf die Straße gehen für unsere Jugendlichen'." Sie richtet sich damit an ihre Mitbürger, die ihrer Meinung nach alle gemeinsam gegen das Regime protestieren sollten, damit die Iraner:innen wieder in Freiheit leben können.

Wenn man sieht, welche Konsequenzen viele Menschen, die sich bisher gegen die Mullahs gestellt haben, erlebten, dann muss Gohar Eshghi wissen, dass selbiges nun auch ihr drohen könnte. Haft, Folter, Tod. Aber das scheint die 80-Jährige für ihr Zeichen der Solidarität in Kauf zu nehmen.

Quelle:  Twitter

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