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Proteste in Ägypten Demonstranten lassen sich nicht beruhigen


Die Ankündigung sollte die Demonstranten besänftigen: Bis Mitte 2012 will Ägyptens Militär die Macht in die Hände einer Zivilregierung legen. Doch den Massen auf dem Tahrir-Platz reicht das nicht aus.

Auch nach der Ankündigung des in Ägypten herrschenden Militärrates, die Macht bis Mitte nächsten Jahres an eine zivile Regierung zu übergeben, dauern die Proteste auf dem Tahrir-Platz an. In der Nacht zum Mittwoch harrten erneut tausende Demonstranten auf dem symbolträchtigen Platz im Zentrum Kairos aus und forderten lautstark die Ablösung des Militärrates. Dessen Vorsitzender, Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi, hatte zuvor in einer Fernsehansprache einen Zeitplan für die Machtübergabe vorgelegt und Präsidentenwahlen bis spätestens Ende Juni angekündigt.

Auf nächtlichen Live-Bildern des arabischen Nachrichtensenders Al-Dschasira waren Demonstranten zu sehen, die die sofortige Absetzung Tantawis verlangten. "Verschwinde", skandierten sie und kündigten an, den Tahrir-Platz solange besetzt zu halten, bis ihre Forderungen erfüllt seien. Den Berichten zufolge kam es in den Seitenstraßen auch in der Nacht zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften.

"Wir sind bereit, die Macht sofort abzugeben"

In der Fernsehansprache hatte Tantawi vergeblich versucht, Vertrauen bei den Demonstranten zu gewinnen. "Die Streitkräfte wollen nicht an der Macht bleiben (...) Wir sind bereit, die Macht sofort abzugeben, notfalls auch nach einem Referendum", sagte der General. Der für kommenden Montag geplante Beginn der Parlamentswahlen soll trotz der Proteste und Gewalt nicht verschoben werden.

Scharfe Kritik äußerte Tantawi an den Demonstranten. Ägypten habe wegen der unsicheren Lage viele Investoren verloren, monierte er. Angesichts der fortdauernden Gewalt waren die Börsenkurse in Ägypten weiter gefallen.

Bei den seit Samstag andauernden Krawallen sind nach Angaben von Medizinern und Juristen bislang mindestens 35 Menschen allein rund um den Tahrir-Platz ums Leben gekommen. Tausende sollen verletzt worden sein, viele durch Tränengas.

Proteste auch in anderen Städten

Am Dienstag waren zigtausende Anhänger von Linken, Liberalen, Islamisten sowie der Jugendbewegung "6. April" dem Aufruf von 38 Oppositionsgruppen gefolgt und waren auf den Tahrir-Platz gezogen. Am Rande gab es immer wieder blutige Zusammenstöße mit der Polizei.

Auch in der Hafenstadt Alexandria gingen zahlreiche Aktivisten auf die Straße. Nach Informationen von Al-Dschasira wurde dabei am Dienstagabend ein junger Mann von Sicherheitskräften getötet. In Ismailia im Norden des Landes waren nach Angaben staatlicher Medien bereits in der Nacht zuvor mindestens drei Menschen bei Protesten ums Leben gekommen.

Der Militärrat hatte nach dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar dieses Jahres die Herrschaft übernommen. Der Tahrir-Platz war damals zum Symbol des Arabischen Frühlings geworden.

mad/DPA DPA

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