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Proteste in Afghanistan: Demonstranten wüten erneut gegen Koran-Verbrennungen

Neue Eskalation in Afghanistan: Nach dem Freitagsgebet ist es in Kabul erneut zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen. Mindestens ein Demonstrant wurde angeschossen.

In Afghanistan hat es nach dem Freitagsgebet erneut gewaltsame Proteste gegen die Verbrennung von Koran-Ausgaben auf einem US-Stützpunkt gegeben. Sicherheitskräfte schossen in der Hauptstadt Kabul in die Luft, um hunderte protestierende Afghanen auseinanderzutreiben, die "Tod Amerika" riefen, wie ein Journalist berichtet. Mindestens ein Demonstrant wurde durch eine Kugel verletzt.

Nach Polizeiangaben gab es in Kabul an fünf Orten Demonstrationen. Mindestens ein Prediger hatte in der Hauptstadt bei dem Freitagsgebet dazu aufgerufen, erneut gegen die Koran-Verbrennung zu protestieren. Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten zudem von Protesten in mindestens fünf Provinzen des Landes, darunter auch in Kundus und Baghlan, wo die Bundeswehr das Kommando über die Nato-geführte Afghanistantruppe Isaf hat.

Afghanische Regierung ruft zur Ruhe auf

Zuvor hatte Isaf-Oberkommandeur General John Allen, zur Ruhe aufgerufen. Jeder - "Isaf-Soldaten und Afghanen" - müsse "Geduld und Zurückhaltung" zeigen. Die genauen Hintergründe der Verbrennung von Koran-Ausgaben auf dem US-Stützpunkt Bagram würden derzeit noch geklärt. Die US-Botschaft in Kabul hatte angesichts der Sorge vor neuer Gewalt nach den Freitagsgebeten alle US-Bürger aufgerufen, ihre Häuser nicht zu verlassen. Die Bundeswehr hatte am Donnerstag wegen der Proteste ihren Stützpunkt in der Stadt Talokan vorzeitig geräumt. Aus Sicherheitsgründen zogen die rund 50 deutschen Soldaten in das 70 Kilometer entfernte Feldlager in Kundus. Waffen, Munition und Fahrzeuge nahmen sie mit. Das verlassene Camp in Talokan wird nun von der afghanischen Armee bewacht.

Auch die afghanische Regierung hatte zur Ruhe aufgerufen und erklärt, weitere Proteste könnten von den aufständischen Taliban für Gewalt genutzt werden. Die Taliban hatten nach der Koran-Verbrennung zur Tötung ausländischer Soldaten in Afghanistan aufgerufen.

In Afghanistan gehen seit Dienstag wütende Demonstranten auf die Straße, nachdem bekannt geworden war, dass US-Soldaten in Bagram Exemplare des Koran verbrannt hatten. Bei den Protesten starben bislang mindestens 14 Menschen, unter ihnen zwei US-Soldaten. US-Präsident Barack Obama entschuldigte sich am Donnerstag bei Afghanistans Staatschef Hamid Karsai für die Koran-Verbrennung.

fro/AFP/DPA / DPA