Proteste in Rom und Berlin Hunderttausende nehmen an Anti-Berlusconi-Demo teil


Es war der "No Berlusconi Day": Mehr als 350.000 Menschen haben in Rom gegen den konservativen Regierungschef Silvio Berlusconi demonstriert. Eine Bloggergemeinschaft hatte via Internet einen Appell lanciert, den umstrittenen 73-Jährigen zum Rücktritt aufzufordern. Auch in Berlin gingen die Menschen auf die Straße.

Bei einer Demonstration in Rom gegen die rechtsgerichtete Regierung von Silvio Berlusconi sind am Samstag nach Angaben der Veranstalter mehr als 350.000 Menschen auf die Straße gegangen. Sie folgten dem Aufruf einer Gruppe regierungskritischer Blogger auf der Internet-Plattform Facebook, die seit zwei Monaten zu einem weltweiten "No Berlusconi Day" mobilisierten. Auch am Brandenburger in Berlin gab es eine Kundgebung.

Die Menge in Rom trug - in Form von Schals, T-Shirts oder Pullovern - überwiegend lila, nach Aussage der Blogger "die einzige von den traditionellen Parteien übrig gelassene Farbe". Gewerkschaften, linke Organisationen und die oppositionelle Partei Italien der Werte des früheren Anti-Korruptionsermittlers und Ministers Antonio Di Pietro unterstützten den Protestmarsch. Unter den Demonstranten waren neben zahlreichen Mitgliedern der Demokratischen Partei auch deren frühere Ministerin Rosy Bindi. Die Führung dieser größten Oppositionspartei hatte allerdings nicht zu dem Protest aufgerufen. Di Pietro wandte sich in einer Rede gegen den "großen Medien-, Wahl-, Politik- und Justizschwindel der Regierung Berlusconi". Viele Spruchbänder und Plakate der Demonstranten bezogen sich auf Berlusconis Auseinandersetzungen mit der Justiz. Der Regierungschef muss sich in zwei Verfahren vor Gericht verantworten. In dem einen geht es um Zeugenbestechung, im anderen um Steuerbetrug. "Berlusconi, tritt zurück und akzeptiere verurteilt zu werden", hieß es auf einem großen Transparent. Auch in Berlin, Paris, London, Helsinki, New York, Sydney, Rabat und anderen Städten gingen zahlreiche Menschen gegen Berlusconi auf die Straße.

Die Kundgebung in Berlin stand unter dem Motto "Rettet Italien, Rettet die Demokratie. Berlusconi soll zurücktreten". Sie richtete sich unter anderem gegen die "weltweit einzigartige Kontrolle über die Medien", die der Fernsehunternehmer Berlusconi in Italien ausübt. Dieser versuche schon seit langem, Gesetze und Verfassungsänderungen durchzusetzen, die ihm persönlich nützten.

AFP AFP

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