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RASSISMUS: Der lange Schatten der Apartheid

Seit dem Ende der Apartheid hat sich in Südafrika viel verändert. Doch der Gastgeber der UN-Rassismuskonferenz wurde von ihr dauerhaft geprägt. Noch immer hat die Hautfarbe entscheidenden Einfluss auf das Leben der Bürger.

Seit dem Ende der Apartheid vor sieben Jahren hat sich in Südafrika viel verändert: Schwarze wurden in öffentliche Ämter gewählt, bestimmen den politischen Kurs des Landes, einige wurden erfolgreiche Geschäftsleute, und rassistische Übergriffe sind seltener geworden. Doch der Gastgeber der am Freitag beginnenden UN-Rassismuskonferenz wurde von dem Apartheid-Regime dauerhaft geprägt. Noch immer hat die Hautfarbe entscheidenden Einfluss auf das Leben der Bürger.

Der Stadtrat David Mokhara gehört einer neuen Generation schwarzer Politiker an, die die Interessen von Schwarzen und Weißen vertreten. Sein Verantwortungsbereich umfasst die Stadt Hartbeespoort und damit die von wohlhabenden Weißen bewohnte Siedlung Kosmos und die Hütten der schwarzen Arbeiter. »Man sieht zwei Nationen in einer Gegend«, sagt er. »Man fragt sich, wie Menschen so ein Leben führen können, wenn andere nicht genug Brot haben.« Das Interesse am Leben der anderen scheint gering. Wenn Mokhara eine Sitzung einberuft, um über die Übergriffe auf weiße Bauern zu sprechen, kommen keine Schwarzen. Soll es um die hohen Mieten in Hartbeespoort gehen, bleiben die Weißen dem Treffen fern.

Schwarze machen 78 Prozent der 44 Millionen Einwohner Südafrikas aus. Von ihnen leben rund 65 Prozent in Armut. Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt für einen weißen Südafrikaner 51.000 Rand (6.900 Euro/13.500 Mark), für einen

schwarzen sind es nur 7.600 Rand (1.000 Euro/2.000 Mark). In der Politik wählen die meisten Weißen die oppositionelle Demokratische Allianz, eine Koalition der für die Apartheid verantwortlichen Nationalpartei und der Demokratischen Partei,

die gegen den Rassismus kämpfte. Die Schwarzen stimmen dagegen meist für Afrikanischen Nationalkongress (ANC), den der ehemalige Präsident Nelson Mandela gründete. Mehrere von der Regierung in Auftrag gegebene Studien deckten Rassismus bei den Streitkräften, in den Medien und im Gesundheitssystem auf.

Die Weißen in Hartbeespoort haben ihren Stadtrat akzeptiert, und Mokhara setzt sich auch für ihre Belange ein. »Ich möchte die Botschaft überbringen, dass sie zusammen arbeiten oder zusammen verhungern müssen«, sagt er. Mokhara sorgt sich darüber, dass es für die Schwarzen noch immer nicht genügend bezahlbare Wohnungen gibt. Jeden Tag erhält er Anrufe von Schwarzen, die entlassen wurden und jetzt auf der Straße stehen.

Riss durch die Gesellschaft

Den Riss durch die Gesellschaft bekommen auch die Kleinsten zu spüren. Vor den Toren von Hartbeespoort gibt es zwei Schulen, nur wenige Kilometer voneinander entfernt. In der überfüllten Toni-Scott-Schule gibt es keinen Strom, keine Heizung und keine sanitären Anlagen. Die kleinen Fenster lassen so wenig Licht herein, dass an regnerischen Tagen der Unterricht ausfallen muss, weil die Schüler in der Dunkelheit nicht lesen können. »Wir haben kein Papier, keine Bleistifte, Bücher oder Malkreide«, erklärt die Direktorin Rosina Tshephe. »Unsere Schüler werden nicht weit kommen.« Alle 99 Schüler zwischen

sieben und 15 Jahren sind Kinder schwarzer Feldarbeiter, die häufig die jährliche Schulgebühr von 20 Rand (2,70 Euro/5,40 Mark) nicht bezahlen können.

Ganz anders in der Skeerpoort Laerskool. Das Schulgelände besteht aus mehreren Backsteingebäuden, verfügt über Elektrizität, fließendes Wasser, eine Aula und eine Sportanlage. Die Eltern hier zahlen eine Schulgebühr von monatlich 185 Rand (25,20 Euro/49,30 Mark). Früher wurden nur weiße Schüler aufgenommen, heute sind etwa 20 Prozent der Schüler schwarz. »Wir sind Lehrer und wir wollen, dass alle Kinder die gleiche Ausbildung bekommen wie unsere weißen Kinder«, sagt die Lehrerin Petra Alberts. »Wir sehen nicht die Hautfarbe, wir sehen ein Kind.«

»Wenigstens gibt es Hoffnung«

Doch trotz der Probleme in Hartbeespoort sind sich Angehörige beider Hautfarben einig, dass es die Stadt weit gebracht hat. Die 27-jährige Nora Chauke kann sich heute auf dem Bürgersteig sonnen. Vor einigen Jahren wäre sie dafür von Weißen verprügelt worden. Heute fielen nur noch wenige Beleidigungen und die Weißen in der Stadt schienen wirklich nett zu sein, sagt sie.

Doch auch auf anderen Gebieten hat sich Chaukes Leben verbessert. Als sie ihre Arbeit als Putzfrau vor einigen Jahren verlor, eröffnete sie einen Obststand. Während sie zuvor nur 450 Rand (60,30 Euro/117,90 Mark) im Monat verdiente, sind es heute 1.200 Rand (164,40 Euro/321,60 Mark). »Die Dinge bewegen sich langsam, aber wenigstens gibt es Hoffnung«, sagte sie.

Ravi Nessman

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