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Referendum hat begonnen: Kroaten stimmen über EU-Beitritt ab

In Kroatien haben am Sonntag die Wahllokale für das Referendum über den EU-Beitritt des Landes ihre Türen geöffnet. Die Volksabstimmung ist unabhängig von der Wahlbeteiligung gültig.

In Kroatien hat am Sonntagmorgen die Abstimmung über den EU-Beitritt des Adrialandes begonnen. Rund 4,5 Millionen Wähler können ihre Stimme abgeben. Erwartet werden rund 60 Prozent Ja-Stimmen. Bis kurz vor Öffnung der Wahllokale hatten führende Politiker von Regierung und Opposition die Bürger beschworen, Kroatien als 28. EU-Mitglied grünes Licht zu geben. Die Volksabstimmung ist unabhängig von der Wahlbeteiligung gültig, mit ersten Teilergebnissen wird eine Stunde nach Schließung der Wahllokale gerechnet.

Bei einem positiven Ausgang des Referendums wird Kroatien am 1. Juli 2013 der Union beitreten. Anders als bei früheren Abstimmungen gibt es diesmal kein Quorum. Am Samstag hatten radikale EU-Gegner noch für Zoff mit der Polizei im Zentrum der Hauptstadt Zagreb gesorgt. Kroatien hatte im letzten Dezember den Beitrittsvertrag unterschrieben. Die Ratifizierung dieses Vertrages durch die bisherigen 27 Mitglieder gilt als Formsache.

Ante Gotovina fordert Volk zu positivem Votum auf

Der vom UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilte ehemalige kroatische General Ante Gotovina hatte seine Landsleute aufgefordert, beim Referendum über die EU-Mitgliedschaft mit ja zu stimmen. "Der Platz Kroatiens ist in der Europäischen Union", heißt es in einer am Samstag über seine Anwälte verbreiteten Erklärung des im niederländischen Den Haag in Haft sitzenden Gotovina. Auch er werde bei der Abstimmung am Sonntag von der Haftanstalt aus mit ja stimmen.

Gotovina war Befehlshaber der "Operation Sturm", in deren Verlauf kroatische Armeeeinheiten 1995 die von ethnischen Serben kontrollierte Region Krajina eroberten. Er wurde im Dezember 2005 auf Teneriffa festgenommen und im April 2011 vom Haager UN-Tribunal wegen Kriegsverbrechen zu 24 Jahren Gefängnis verurteilt. Seine jahrelange Flucht hatte die Annäherung Kroatiens an die EU erheblich gefährdet.

kave/DPA/AFP / DPA