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Regierungschef Salmond: Schottlands großer Held

Er hat ein "explosives Temperament" und hätte die Schotten fast in die Unabhängigkeit geführt. Obwohl Schottlands Regierungschef Salmond mit dem Plan scheiterte und zurücktritt, gilt er als Sieger.

Er hat verloren und steht doch als Gewinner da: Hätten die Schotten beim Referendum der Abspaltung von Großbritannien zugestimmt, wäre ihr Regierungschef Alex Salmond zwar als Unabhängigkeitsheld in die Geschichte eingegangen. Doch auch wenn er nun unterlag, bleibt der 59-Jährige in den Augen Vieler der große Sieger. Denn Schottland wird nach dem Referendum nicht mehr das gleiche Land sein. Salmond zog am Freitag dennoch die Konsequenzen aus der Niederlage beim Referendum: Er kündigte seinen Rücktritt als Regierungschef und als Parteivorsitzender der SNP an. Auf dem Parteitag in Perth werde er nicht mehr kandidieren, sagte Salmond.

Seine Anhänger bewundern den pausbäckigen Salmond für seinen politischen Instinkt und seine Beharrlichkeit, mit der er seit Jahrzehnten die Unabhängigkeitsfrage verfolgt. Salmonds Gegner halten ihn für einen arroganten und frauenfeindlichen Populisten. Doch selbst britische Medien priesen Salmond wiederholt als "eines der größten politischen Talente seiner Generation".

Alexander Eliott Anderson Salmond wird am 31. Dezember 1954 als Kind eines schottischen Beamtenpaars in der Kleinstadt Linlithgow geboren. Die Universität St. Andrews verlässt er mit einem Abschluss in Wirtschaft und Geschichte des Mittelalters. Er arbeitet als Ökonom für die Royal Bank of Scotland, bevor er sein Leben der Politik widmet. Im Jahr 1990 übernimmt der Mann mit den markanten Augenbrauen den Vorsitz über die damals noch unbedeutende Schottische Nationalpartei (SNP).

Salmond macht die Nationalisten salonfähig, dirigiert sie in die politische Mitte. Doch als Schottland im Jahr 2000 erstmals ein eigenes Parlament bekommt, wollen nur wenige Wähler SNP-Abgeordnete in der Abgeordnetenversammlung namens Holyrood sehen. Salmond legt daraufhin sein Amt als Parteichef "für immer" nieder.

Vier Jahre später ist er zurück auf dem Posten. "Ich habe es mir anders überlegt", sagt er schlicht. Im Jahr 2007 wird Salmond zum schottischen Regierungschef gewählt, vier Jahre später erhält die SNP die absolute Mehrheit. Der britische Regierungschef David Cameron gibt Salmonds Drängen nach und stimmt dem Referendum über die Unabhängigkeit zu.

Autoritär und temperamentvoll

Seine SNP führt Salmond reichlich autoritär. Mitarbeiter berichten über ein "explosives Temperament" ihres Chefs. Dieser ist zudem für seinen beißenden politischen Spott bekannt. "Es gibt mehr Riesenpandas im Zoo von Edinburgh als konservative Abgeordnete in Schottland", sagte er etwa. Pandas gibt es zwei in Edinburgh, Camerons Tory-Partei hat seit der letzten Wahl nur noch einen Vertreter in Holyrood.

Cameron zwingt seinem Kontrahenten Salmond bei den Verhandlungen über das Referendum eine Alles-oder-Nichts-Abstimmung auf. Eine dritte Antwortoption - volle Autonomie im Innern beim Verbleib im Königreich - lehnt der Premierminister strikt ab. Es ist Camerons Wette darauf, dass eine Mehrheit der Schotten in Wahrheit keine Unabhängigkeit will. Salmond macht unbeirrt weiter Wahlkampf.

Als keine zwei Wochen vor dem Referendum eine Umfrage erstmals die Unabhängigkeitsbefürworter knapp in Führung sieht, wird es für Cameron eng. Als Zugeständnis verspricht Westminster den Schotten nun weitgehende Autonomie in Steuer- und Haushaltsfragen, nach dem Referendum sagt er am Freitag auch England, Wales und Nordirland mehr Selbstbestimmung zu.

Trotz Niederlage mehr Autonomie für die Schotten

Schottland wird nach dem Referendum nun teilweise unabhängig von London. Seinen Traum von der Abspaltung gibt Salmond aber offenbar nicht völlig auf. Vor Anhängern in Edinburgh sagt er am Freitag, nun sei entschieden, dass Schottland "zu diesem Zeitpunkt kein unabhängiges Land" werde.

Über sein Leben außerhalb der Politik schweigt sich Salmond aus. Seine Frau Moira ist 17 Jahre älter und nur selten öffentlich zu sehen. Kinder hat das Paar keine. Salmonds Leidenschaften sind Pferderennen, Fußball und Golf. Er mag guten Wein und indisches Curry. Und manchmal singt er gern. Sein Lieblingslied heißt "Scots Wha Hae", eine Ode an einen Sieg der Schotten über England bei der Schlacht von Bannockburn vor fast genau 700 Jahren.

anb/AFP / AFP