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Republikaner: In der Höhle des Löwen

"New York, New York - das ist die Stadt der Demokraten." So heißt es in einem alten amerikanischen Musical. Der Vers hat auch heute noch seine Gültigkeit - wie den Republikanern gerade durch Anti-Bush-Demonstrationen klar gemacht wird.

Die Finanzmetropole am Hudson River gilt als Hochburg der Demokratischen Partei der USA. Und ausgerechnet dort, gleichsam in der Höhle des Löwen, will die Republikanische Partei in dieser Woche Präsident George W. Bush für eine zweite Amtszeit nominieren.

Erster Nominierungsparteitag überhaupt

Es ist überhaupt das erste Mal in der Geschichte, dass die Republikaner mit ihrem Nominierungsparteitag nach New York gehen. Die Demokraten waren bereits fünf Mal in der Stadt, zuletzt 1992. Damals wurde Bill Clinton zum Herausforderer des seinerzeitigen Präsidenten George Bush gekürt. Der Vater des jetzigen Amtsinhabers wurde bei der anschließenden Präsidentenwahl von Clinton aus dem Amt gedrängt. Clinton, im kleinen Südstaat Arkansas geboren, hat inzwischen ein Büro im New Yorker Stadtviertel Harlem. Und die einstige First Lady Hillary Rodham Clinton ist seit knapp vier Jahren Senatorin des Staates New York.

Republikanische Wähler sehen sich in der Stadt einer gewaltigen Übermacht der demokratischen Parteigänger gegenüber. Seit 1996 ist die Zahl der eingetragenen republikanischen Wähler um 10.000 auf 524.000 geschrumpft. Die Demokraten dagegen vergrößerten in derselben Zeit die Zahl ihrer registrierten Wähler auf 2,8 Millionen. Das ist ein Verhältnis von fünf zu eins zu Gunsten der Demokraten. Im Stadtrat hält Bushs Partei nur drei der insgesamt 51 Sitze.

Nur ein Sieg in 32 Jahren

Auch im Staat New York sieht es für die Grand Old Party, wie sich die Republikanische Partei stolz nennt, nicht viel besser aus. In den letzten 32 Jahren gelang nur einem ihrer Präsidenschaftkandidaten ein Sieg in diesem Staat - nämlich Ronald Reagan 1984.

Allerdings: Ganz so uneinnehmbar wie es scheint ist die Festung der Demokraten auch nicht mehr. Seit einem Jahrzehnt stellen die Republikaner in der Stadt den Bürgermeister und im Staat New York den Gouverneur. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde der damalige Bürgermeister Rudolph Giuliani wegen seines umsichtigen Krisenmanagements zu einer nationalen Symbolfigur. Giuliani und sein Nachfolger Michael Bloomberg gehörten übrigens einmal der Demokratischen Partei an und wechselten später die Fronten.

Pataki ist kein typischer Republikaner

Gouverneur George Pataki drängte 1994 den einstigen demokratischen Hoffnungsträger Mario Cuomo aus dem Amt. Er wurde inzwischen zwei Mal wiedergewählt. Die drei führenden New Yorker Republikaner sind jedoch nicht die typischen Vertreter der Partei, wie sie sich derzeit auf nationaler Ebene präsentiert. Pataki hat sich als einer der Köpfe des gemäßigten Flügels der Republikaner etabliert, der derzeit bei dem strammen Rechtskurs der Partei aber kaum Gehör findet.

Die Republikaner haben New York als Ort ihres diesjährigen Wahlparteitags wohl mit Bedacht gewählt. Damit soll symbolisch das zentrale Wahlkampfthema Bushs - der Kampf gegen den Terrorismus - unterstrichen werden. Bei manchen New Yorkern allerdings hat die Nähe zum dritten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September einen faden Beigeschmack.

Mehr als 300 Festnahmen bei ersten Protesten

Schon vor Beginn des Parteitags am Montag kam es zu Demonstrationen und Protestaktionen von Bush-Gegnern, bei denen mehr als 300 Personen festgenommen wurden. Dennoch wird New York die Delegierten des republikanischen Parteitags willkommen heißen. Immerhin erhofft sich die Stadt von dem viertägigen Spektakel zusätzliche Einnahmen für die Wirtschaft von 265 Millionen Dollar (215 Millionen Euro). Der frühere demokratische Bürgermeister Ed Koch drückt dies in einem Fernsehwerbespot so aus: "Man muss nicht ein Demokrat sein, um New York zu lieben." Er rief die New Yorker dazu auf, den republikanischen Gästen den Aufenthalt in der Stadt so angenehm wie möglich zu machen.

Larry McShane, AP / AP / DPA