Republikaner-Parteitag Bush-Show in Manhattan


Während seine Vorredner heftig gegen Konkurrent Kerry geschossen hatten, konnte sich US-Präsident Bush ganz staatsmännisch geben. Mit viel Show präsentierte er sich als der Mann, dem Amerika vertrauen kann.

Fast wäre die Inszenierung perfekt gewesen. Aber ein paar unerwartete Demonstranten und Probleme mit dem Luftballon- und Konfettiregen trübten ein wenig den letzten Akt der republikanischen Parteitags-Aufführung. Dennoch wurde sie wie geplant zu der großen Show für Präsident George W. Bush.

Der 58 Jahre alte Texaner spielte seine Rolle am Donnerstagabend genau wie es das Drehbuch vorsah: Jubel brandete auf, als er auf der weit in den Saal reichenden Bühne inmitten der riesigen Sportarena des Madison Square Garden langsam zum Rednerpult ging, symbolträchtig fast allein wirkend, inmitten von über 10.000 fahnenschwenkenden, begeisterten Republikanern. Und dann präsentierte sich der Präsident zum Abschluss des Nominierungsparteitags im Herzen von Manhattan als der Mann, den Amerika mehr denn je braucht: als Patriot, stark, verlässlich und vor allem eine ehrliche Haut mit einfachen Botschaften.

Republikaner geben sich optimistisch

Die Delegierten und Parteitagsgäste in der in die US-Farben Blau, Rot und Weiß getauchten Halle dankten es ihm mit Ovationen. Als schließlich die 100.000 Luftballons herabschwebten, 140 Kilogramm Konfetti niederrieselten und Kanonen glitzernde Luftschlangen ausspuckten, skandierten die Delegierten fröhlich "Vier weitere Jahre, vier weitere Jahre". Sie zeigten einen angesichts des Wahlkampfverlaufs durchaus nachvollziehbaren Optimismus, dass Bush nach der Wahl am 2. November als Sieger dastehen wird.

"Ich habe eine Vision", betonte Bush in seiner Rede, in der die kurzen, klaren Sätze dominierten. Spätestens nach den Kriegen in Afghanistan und im Irak wissen die Amerikaner, dass Bush es meist ernst meint. "Ein Mann, der sein Wort hält", hatte sein Vize Dick Cheney am Vorabend betont.

Bush als der Beschützer Amerikas

In der Außen- und Sicherheitspolitik ist die Bush-Botschaft klar und simpel: Er werde die USA schützen, gleich was es koste. Er werde den Kampf offensiv in anderen Ländern führen. Und er werde sich für die Verbreitung von Demokratie und Freiheit in der Welt einsetzen. Nach all den Seitenhieben republikanischer Redner auf die UN, auf Europa und auch auf Deutschland scheint es eindeutig, dass Bush auch künftig nicht zögern wird, unilateral und präventiv zu handeln.

Bush beschreibt die USA im Krieg und in großer Gefahr - und sich als Garanten einer Politik der Stärke. Zur republikanischen Wahlkampfstrategie gehört es, gleichzeitig den demokratischen Herausforderer John Kerry so gut es geht zu diskreditieren, ihn als wankelmütigen, linksliberalen Opportunisten darzustellen. Umfragen signalisieren, dass die republikanische Rechnung aufgehen könnte.

Parteitag als große Show

"Nominierungsparteitage werden immer mehr zu einem Info-Commercial (Info-Werbung)", klagte der populäre TV-Moderator Dan Rather, der seit über 40 Jahren US-Wahlkämpfe begleitet. In der Tat war dieser Parteitag, der an die 200 Millionen Dollar gekostet haben soll, wie schon der Parteikonvent der Demokraten in Boston vor vier Wochen bis ins allerletzte Detail als eine einzige große Werbe-Show geplant.

Kämpferische Reden und bewegende Erinnerungen von Veteranen oder Angehörigen von Terroropfern gehören ebenso dazu wie witzige Filmchen (beispielsweise über ein Rededuell zwischen Bushs Hund Barney und einem demokratischen Pudel) oder die Auftritte von Musical-, Rock- oder Westernstars. Unterhaltung war Trumpf. Diskussionen oder gar Kampfabstimmungen haben auf US-Nominierungsparteitagen nichts verloren.

Vertrauen wichtigstes Wahlkampfthema

Bush setzt darauf, mehr Glaubwürdigkeit als Kerry zu haben. Denn darum geht es vor allem. Untersuchungen der letzten 20 Jahre haben der Zeitung "USA Today" zufolge gezeigt, dass eine zunehmende Zahl von Wählern ihr Votum vom Faktor Vertrauen abhängig macht. Bush hat gegenüber dem Intellektuellen Kerry den Vorteil, dass er für viele ein "aufrechter, mutiger Kerl" ist - fast alles auf dem Parteitag zielte darauf ab, diesen Eindruck zu verfestigen.

Laszlo Trankovits / DPA DPA

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