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Eklat vor versteckter Kamera Trump-Anwalt Giuliani greift sich im neuen "Borat"-Film vor junger Frau in die Hose

Rudy Giuliani
Rudy Giuliani: "Ich habe mich zu keinem Zeitpunkt unangemessen verhalten"
© Jim Watson/AFP
Trump-Anwalt Rudy Giuliani spielt im neuen "Borat"-Film des britischen Komikers Sacha Baron Cohen unfreiwillig eine delikate Hauptrolle. Der frühere New Yorker Bürgermeister wittert deshalb eine Verschwörung, mit der seine vermeintlichen Ermittlungen gegen Joe Biden und dessen Familie diskreditiert werden soll.

Es war im Jahr 2006, als der britische Komiker Sacha Baron Cohen mit seiner "Borat"-Satire in der Rolle eines kasachischen Fernsehreporters die Schamgrenzen für sogenannte Mockumentary-Filme weit nach unten verschob, gleichzeitig der Scheinheiligkeit von US-Politik und -Gesellschaft einen Spiegel vorhielt und mit dieser Kombination aus dem Stand einen Comedy-Klassiker landete. 

Gleichzeitig schien klar, dass dieses Konzept kein zweites Mal funktionieren konnte – schließlich war Cohens "Borat" anschließend rund um den Globus viel zu berühmt. Doch nun, 14 Jahre später und nur wenige Tage vor der vielleicht wichtigsten US-Wahl der jüngeren Geschichte, kehrt der Chaos-Reporter in "Borat 2" noch einmal in die Vereinigten Staaten zurück. Und unabhängig davon, ob das anno 2020 noch lustig ist, scheint er auf seinem neuerlichen Kreuzzug immer noch dankbare Opfer gefunden zu haben.

Zum Beispiel Rudy Giuliani.

Wie unter anderem die Nachrichtenagentur AP berichtet, ist der persönliche Anwalt von US-Präsident Donald Trump im Film in einer kompromittierenden Szene zu sehen: Giuliani habe im Film ein Interview mit einem fiktiven konservativen Fernsehsender in einem New Yorker Hotelzimmer geführt. Die "Journalistin", die in Wahrheit die 24-jährige Schauspielerin Maria Bakalova ist und im Film die Tochter von Borat darstellt, soll demnach im Anschluss an das Gespräch mit dem 76-Jährigen einen Flirt begonnen haben, worauf dieser seine Hose geöffnet und sich im Schritt berührt habe.

Rudy Giuliani und der Mann im "rosa Transgender-Outfit"

Daraufhin sei Cohen in seiner Rolle als Borat in das Zimmer gestürmt. "Sie ist 15", habe er gerufen. "Sie ist zu alt für dich." Erste Standbilder der Szene, die mit einer versteckten Kamera gefilmt wurden, wurden bereits vor der Veröffentlichung des Films geleakt – und sorgen nun, kurz vor der Wahl, noch einmal für Schlagzeilen, nachdem erste Meldungen über den Vorfall bereits im Juli die Runde gemacht hatten. Damals hatte Giuliani gegenüber der "New York Post" angegeben, dass ein Mann in einem "rosa Transgender-Outfit" sein Hotelzimmer gestürmt habe. Giuliani war demnach offenbar zunächst nicht klar gewesen, dass es sich bei dem Mann um Sacha Baron Cohen handelte.

Die Szene sei jedenfalls noch wilder, als sie klinge, schreibt die Kolumnistin Maureen Dowd, die den Film vorab gesehen hat, in der "New York Times": "Es ist mehr als peinlich." Giuliani hat sich inzwischen sowohl beim New Yorker Radiosender WABC als auch via Twitter zu der Situation geäußert: "Das Borat-Video ist eine komplette Fälschung", so der frühere Bürgermeister von New York. Zu keinem Zeitpunkt des Interviews – weder vorher noch währenddessen oder danach – habe er sich unangemessen verhalten: "Wenn Sacha Baron Cohen etwas anderes andeutet, ist er ein eiskalter Lügner."

Die vorzeitige Veröffentlichung sei laut Giuliani lediglich ein Versuch, seine "unnachgiebige Enthüllung" der "Kriminalität und Verkommenheit" von Joe Biden und dessen Familie zu diskreditieren. Die "New York Post" hatte in diesem Zusammenhang zuletzt in mehreren Artikeln Joe Biden mit früheren Geschäften seines Sohnes Hunter in der Ukraine und in China in Verbindung gebracht. Das Blatt veröffentlichte E-Mails, die belegen sollten, dass Hunter Biden damals versucht habe, Profit aus dem Amt seines Vaters als Vizepräsident unter Barack Obama zu schlagen. Die Zeitung wertete die Mails auch als Beleg dafür, dass Joe Biden entgegen seiner Aussage von den umstrittenen Auslandsgeschäften seines Sohnes gewusst habe. Joe Biden bestreitet, dass er sich etwas habe zuschulden kommen lassen. Er nennt die Artikel der "New York Post" eine "Schmutzkampagne".

Die Echtheit der Mails ist nicht bestätigt. Fragwürdig ist auch, wie sie öffentlich wurden. Sie sollen auf einem Laptop in einer Reparaturwerkstatt gefunden worden sein. Die "New York Post" bekam nach eigenen Angaben vor einer Woche eine Kopie der Festplatte von Rudy Giuliani. Die Kopie sei vom Besitzer der Reparaturwerkstatt angefertigt worden, bevor der Laptop im Dezember 2019 von der Bundespolizei FBI beschlagnahmt worden sei, berichtete die Zeitung. Trump sprach am Dienstag von einem "Laptop aus der Hölle" – eine Wortwahl, die auch Giuliani in seinen jüngsten Tweets aufgreift.

"Borat 2" ist ab dem 23. Oktober 2020 auf Amazon Prime Video verfügbar.

tim

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