Trotz Sperrung
Russische Superyacht passiert die Straße von Hormus, als gäbe es keine Blockade

Yacht Nord Mordaschow
Groß wie ein Tanker, aber letztlich nur für die Freizeitgestaltung gedacht: die Superyacht „Nord“, hier 2022 im Bosporus
© IMAGO/Yuri Smityuk

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Die russische Yacht „Nord“ gehört zu den teuersten der Welt. Kürzlich demonstrierte der mutmaßliche Eigner Alexei Mordaschow seine Unantastbarkeit auf ganz eigene Weise.

Die Straße von Hormus zu passieren, ist seit Beginn des Irankrieges für die meisten Schiffe extrem gefährlich. Das iranische Militär hat die Meerenge am Persischen Golf weitgehend gesperrt und auch schon Frachter angegriffen. Die US-Armee blockiert ihrerseits iranische Häfen. Die Weltwirtschaft bekommt das seit Wochen zu spüren, die Versorgung mit fossilen Brennstoffen aus dem Nahen Osten ist aufgrund der Blockade weitgehend zum Erliegen gekommen.

An beiden Seiten der Meerenge warten deshalb zahllose Schiffe darauf, ihre Reise fortsetzen zu können, eine sichere Passage ist für die meisten derzeit unmöglich. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel – denn am vergangenen Wochenende demonstrierte der sanktionierte russische Oligarch Alexei Mordaschow, dass für ihn offenbar andere Gesetze gelten.

Superyacht auf dem Weg zu den Seychellen

Schifffahrtsdaten zeigen, dass seine Superyacht „Nord“ (IMO 9853785), ein rund 142 Meter langes Ungetüm, unbehelligt durch die Sperrzone fuhr, als sei es das Normalste der Welt. Während der Passage sendete die „Nord“ durchgehend ihren Standort, sodass öffentlich und in Echtzeit sichtbar war, wo sie sich befand.

Die „Nord“ fuhr von Dubai nach Maskat, wo sie vor einigen Tagen zuletzt ihren Standort preisgab. Als Ziel gibt die Yacht derzeit die Hauptstadt der Seychellen an, was aber bedeuten würde, dass sie auch die US‑Blockade passieren müsste, die etwas weiter hinter Maskat beginnt, am Eingang zum Arabischen Meer.

Wie es dem Schiff gelang, unbehelligt durch die Straße von Hormus zu fahren, ist nicht bekannt. Der Iran kontrolliert die Meerenge sehr streng. Ob Geld geflossen ist oder politische Kontakte entscheidend waren, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen.

Mutmaßlicher „Nord“-Eigner steht Putin nahe

Fakt ist jedoch, dass Alexei Mordaschow beste Verbindungen zum Kreml hat. Er ist Mehrheitseigner des russischen Metallurgieunternehmens Severstal und gilt als einer der vermögendsten Menschen Russlands. Mordaschow taucht seit der russischen Invasion in der Ukraine auf zahlreichen Sanktionslisten auf und gilt laut EU als einer der Finanziers des Krieges.

Die „Nord“ gehört dem Oligarchen natürlich nicht offiziell. Wie die BBC berichtet, ist sie auf eine Firma registriert, die mit seiner Frau in Verbindung gebracht wird. Derart verschachtelte Eignerstrukturen sind in der Welt der Superyachten keine Ausnahme.

Beobachter werten die Fahrt durch die Straße von Hormus als Machtdemonstration und Beweis für die guten Beziehungen zwischen dem Iran und Russland. Die beiden Länder nähern sich derzeit politisch an, während die Fronten mit den USA verhärtet sind.

Mordaschow war sich seiner Sache offenbar sehr sicher. Denn ein Beschuss der „Nord“ wäre für den Multimilliardär im Zweifel sehr teuer geworden. Der Lürssen‑Yacht „Nord“ wird ein Wert von mehr als 500 Millionen US‑Dollar nachgesagt, womit sie zu den teuersten der Welt gehört. Das Schiff soll unter anderem mit einem Schwimmbecken, einem U‑Boot, zwei Helikopterlandeplätzen und 20 luxuriösen Gästekabinen ausgestattet sein.

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