Saddam-Exekution Inoffizielles Video aufgetaucht


Sicherheitskräfte haben Saddam Hussein auf dem Weg zur Hinrichtung offenbar mit der Kamera eines Mobiltelefons gefilmt und den Ex-Diktator dabei bis zum letzten Moment beschimpft und verhöhnt. Saddam-Anhänger drohen deshalb jetzt mit Racheakten.

Nach der Hinrichtung Saddam Husseins haben inoffizielle Filmaufnahmen von den letzten Minuten des ehemaligen Diktators die Spannungen im Irak geschürt. Die Regierung leitete Ermittlungen ein, wer das Video mit einem Mobiltelefon hergestellt hat. Jüngsten Zahlen des irakischen Innenministeriums zufolge erreichte die Zahl der zivilen Toten im Land im Dezember einen neuen Höhepunkt.

Die inoffiziellen Aufnahmen unterscheiden sich in einem wesentlichen Punkt von den Film, der von der Regierung veröffentlicht wurde: Auf dem Band ist zu sehen und zu hören, wie der ehemalige Diktator bis zum letzten Moment beschimpft und verhöhnt wird. Die Ermittlungen richteten sich gegen Sicherheitskräfte, die bei der Hinrichtung anwesend gewesen seien, sagte Sami Al-Askari, ein enger Berater von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. "Bevor wir den Raum betraten, gab es die Absprache, dass niemand ein Mobiltelefon dabei hat", sagte er.

Ansonsten versuchte er die Bedeutung der Aufnahmen herunterzuspielen: "Ein paar Wächter haben Slogans gerufen, die nicht angemessen waren." Die Männer skandierten den Namen von Moktada al-Sadr, eines der radikalsten Milizanführers unter den Schiiten, und riefen Saddam zu: "Fahr zur Hölle!" Askari kritisierte vor allem, dass die Aufnahmen dem Ruf des Sadr-Lagers schade. "Das hätte nicht passieren dürfen", sagte er. Sadr wird von den USA für einen Großteil der religiösen Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten verantwortlich gemacht, er gilt aber als eine wichtige Stütze Malikis in der Regierung.

Aufständische sunnitische Gefangene

Die Vollstreckung des Todesurteils am Samstag zum Auftakt eines der größten islamischen Feste stärkte Malikis Position innerhalb des schiitischen Lagers, löste aber Wut und Rachegefühle unter den Sunniten aus. Maliki hatte US-Regierungsvertretern zufolge gegen deutlichen Widerstand der USA auf eine schnelle Hinrichtung des ehemaligen Machthabers gedrängt. "Die Amerikaner wollten die Hinrichtung um 15 Tage aufschieben. Aber der Ministerpräsident war sehr hartnäckig", sagte ein Regierungsvertreter.

Augenzeugen zufolge brach in einem Gefängnis nahe der nordirakischen Stadt Mossul ein Aufstand aus, als Besucher von den Beschimpfungen Saddams während der Hinrichtung berichteten. In dem Gefängnis sitzen mehrheitlich sunnitische Gefangene ein. Angaben der Provinzregierung zufolge wurden bei dem Aufstand sieben Wächter und drei Gefangene verletzt. Ein Besucher berichtete, es sei geschossen worden und ein Insasse sei getötet worden. Stunden nach der Hinrichtung war am Samstag eine Serie von Autobombenanschlägen verübt worden, bei der in schiitischen Städten und Vierteln 70 Menschen getötet wurden.

2006 insgesamt weit über 10.000 Zivilisten getötet

Der Gewalt zwischen Sunniten und Schiiten fielen im Dezember den offiziellen Statistiken zufolge 1930 Zivilisten zum Opfer. Das ist mehr als das Dreifache der Zahl der Todesopfer zu Beginn des Jahres im Januar, als sich die meiste Gewalt noch gegen die US-geführten Truppen im Land richtete. Insgesamt sind nach den am späten Montagabend veröffentlichten Zahlen des Innenministeriums im vergangenen Jahr 12.320 Zivilisten getötet worden, zudem 1231 Polizisten und 602 irakische Soldaten. Die Zahlen dürften untertrieben sein. UN-Statistiken zufolge kommen derzeit täglich 120 Zivilisten um. Allein für Oktober hatten die Vereinten Nationen (UN) auf der Basis von Daten des Gesundheitsministeriums und des Bagdader Leichenschauhauses rund 3700 tote Zivilisten errechnet.

Reuters/AP


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