Saddam-Hinrichtung Vollstreckung aus "Respekt vor den Menschenrechten"


In die Spekulationen um den Termin von Saddam Husseins Hinrichtung hat sich nun auch der irakische Ministerpräsident eingemischt. Aus Respekt vor den Opfern werde es keine Verzögerung geben, sagte Nuri al Maliki.

Nach der Bestätigung des Todesurteils gegen Saddam Hussein gibt es Spekulationen über eine rasche Hinrichtung. Es werde keine Verzögerung geben, sagte der irakische Ministerpräsident Nuri al-Maliki am Freitag. Am Vormittag befand sich der frühere irakische Machthaber jedoch noch in amerikanischem Gewahrsam, wie der stellvertretende Justizminister Boscho Ibrahim und Saddam Husseins Anwalt Chalil al Dulaimi übereinstimmend erklärten. Al-Maliki sagte, wer sich der Hinrichtung widersetze, beleidige die Ehre seiner Opfer. Der Respekt vor den Menschenrechten gebiete es, die Todesstrafe zu vollstrecken. "Nichts und niemand kann die Gerichtsentscheidung außer Kraft setzen."

Die US-Regierung stellt sich offenbar auf eine Hinrichtung des irakischen Expräsidenten möglicherweise schon am Wochenende ein. Das verlautete aus Regierungskreisen in Washington. Die Einschätzung basiere auf Informationen, die US-Vertreter in Bagdad von der irakischen Regierung erhielten, hieß es am Donnerstag. Saddam Hussein wird auf dem US-Stützpunkt Camp Cropper festgehalten nahe des Flughafens Bagdad festgehalten. Vor seiner Hinrichtung muss er an die irakischen Behörden überstellt werden. Aus der Umgebung von Ministerpräsident Al-Maliki verlautete, das werde erst am Tag seiner Hinrichtung passieren.

Doch keine Verwandten besucht?

Widersprüchliche Angaben gab es über einen Besuch von Verwandten bei Saddam Hussein. Einer seiner Verteidiger, Badi Issat Aref, sagte unter Berufung auf einen anderen Saddam-Anwalt, die Halbbrüder des Inhaftierten hätten ihn am Donnerstag besucht. "Saddam hat seinen Brüdern seine persönlichen Sachen ausgehändigt." Während das Treffen im irakischen Verteidigungsministerium bestätigt wurde, kam vom Sondertribunal, das das Todesurteil verhängt hatte, ein Dementi. Saddams Hauptverteidiger Dulaimi sagte, US-Vertreter hätten ihn angerufen und darum gebeten, dass er jemanden damit beauftrage, die persönlichen Dinge seines Mandanten entgegenzunehmen. Das habe er bislang aber nicht getan, sagte Dulaimi der AP. Doch zeige der Anruf, dass die Amerikaner Saddam Hussein bald den irakischen Behörden überstellen wollten.

Nach internationaler Kritik an dem Verfahren gegen den gestürzten Machthaber erklärte ein Sprecher des Weißen Hauses am Donnerstag, nach Einschätzung der US-Regierung habe der Prozess weder das Völkerrecht noch das irakische Gesetz verletzt. Das Urteil gründe sich auf Fakten, sagte der stellvertretende Sprecher des Weißen Hauses, Tom Casey. Wegen eines Massakers an Schiiten in den 80er Jahren war Saddam am 5. November zum Tod durch den Strang verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hatte das Urteil am Dienstag bestätigt.

AP AP

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