Saddam-Prozess Diktator schwänzt die Verhandlung


Der irakische Ex-Diktator Saddam Hussein hat an der heutigen Gerichtsverhandlung unentschuldigt gefehlt. Der Prozess gegen ihn wurde daraufhin vertagt.

Der Prozess gegen Saddam Hussein und sieben Mitangeklagte ist am Mittwoch zunächst ohne den früheren irakischen Machthaber fortgesetzt worden. Der Hauptangeklagte war am fünften Verhandlungstag nicht im Gerichtssaal erschienen. Saddam Hussein hat offensichtlich keine Lust mehr, in schmutziger Kleidung stundenlang im Gericht zu sitzen und Zeugenaussagen über die bestialischen Foltermethoden seiner früheren Schergen anzuhören. Nach Angaben von Reportern im Gerichtssaal sagte Saddam er habe seit drei Tagen keine frische Wäsche mehr erhalten. Den Justizbeamten rief er zu: "Fahrt zur Hölle!". Die Verhandlung wurde auf den 21. Dezember vertagt.

Nach einer mehrstündigen Pause, in der sich die Anwälte berieten, wurden am Mittwoch zunächst weitere Zeugen vernommen. Verborgen von einem Vorhang schilderte ein Mann, wie ein Mitgefangener aus Dedscheel im Gefängnis von Abu Ghreib von Beamten des Saddam-Regimes zu Tode gefoltert wurde. Saddam und sieben weitere Ex-Funktionäre seines Regimes sind wegen eines Massakers in der schiitischen Kleinstadt Dedscheel 1982 angeklagt. Saddams Halbbruder Barsan al Tikriti, der von den Einwohnern des Ortes als einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker angesehen wird, sagte über die Opfer von Dedscheel: "Ich fühle mit ihnen." Er selbst habe mit den Hinrichtungen und Misshandlungen nichts zu tun gehabt, "denn ich war weder für die Sicherheitskräfte noch für die Partei verantwortlich".

Neffe Saddams zu 21 Jahren Haft verurteilt

Das US-Militär berichtete unterdessen, ein Gericht in Bagdad habe einen Neffen von Ex-Präsident Saddam Hussein wegen Waffenbesitzes und illegalen Grenzübertritts zu 21 Jahren Haft verurteilt. Eiman Sabawi war im vergangenen Mai in der Nähe seiner Heimatstadt Tikrit verhaftet worden. Sabawi hatte nach Einschätzung der US-Armee eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Aufständischen gespielt.

In Saddams Heimatdorf Audscha demonstrierten am Mittwoch Angehörige seines Clans für die Freilassung des einstigen Gewaltherrschers. Tausende von Anhängern des radikalen Schiiten- Predigers Muktada al-Sadr gingen unterdessen in Bagdad auf die Straße, um Saddams sofortige Hinrichtung zu fordern.

Drei Polizisten getötet

Im nordirakischen Kirkuk stürmten 20 Aufständische ein Krankenhaus und töteten dabei drei Polizisten. Nach Polizeiangaben befreiten die Angreifer einen Mann, der an einem Attentatsversuch auf den Untersuchungsrichter Raed Juhi beteiligt gewesen sein soll. Juhi hatte die ersten Vernehmungen mit Saddam vor Prozessbeginn geleitet.

Bei einem Selbstmordattentat in einem Teehaus südlich von Bagdad wurden drei Menschen getötet. Wie der Nachrichtensender Al-Arabija weiter meldete, wurden 20 weitere Iraker verletzt, als sich der Terrorist inmitten der Gäste in die Luft sprengte. Das US-Militär berichtete derweil, ein amerikanischer Marineinfanterist sei am Dienstag bei einem Sprengstoffanschlag im Westirak getötet worden.

DPA DPA

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