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Schutz für US-Botschaft Obama schickt 200 weitere Soldaten nach Bagdad


Die USA haben bis zu 200 weitere Soldaten für den Schutz ihrer Botschaft in Bagdad entsandt. Während erbitterter Kämpfe haben die Isis-Milizen den syrisch-irakischen Grenzort Abu Kamal eingenommen.

Angesichts der erbitterten Kämpfe im Irak haben die USA bis zu 200 weitere Soldaten für den Schutz ihrer Botschaft in Bagdad entsandt. Diese sollten die diplomatische Vertretung sowie den internationalen Flughafen in der irakischen Hauptstadt schützen, kündigte US-Präsident Barack Obama in einem Schreiben an den Kongress an. Falls dies notwendig werde, seien die Soldaten auch für den Kampf gerüstet. Im Irak wurden im Juni fast 2000 Menschen bei Gefechten und Anschlägen getötet.

Soldaten sind bereits eingetroffen

Das US-Verteidigungsministerium teilte in Washington mit, die zusätzlichen Soldaten seien bereits am Sonntag im Irak eingetroffen. Sie seien auch mit Drohnen ausgestattet. Damit könnte etwa Personal geschützt werden, sollte die Botschaft evakuiert werden müssen. Zu den Aufgaben der Militärangehörigen, die auch über Hubschrauber verfügen, zählt zudem die nachrichtendienstliche Aufklärung. Die Soldaten sollten so lange im Irak bleiben, "wie die Sicherheitslage diese erfordert", hieß es weiter.

Mitte Juni hatte Obama bereits die Entsendung von bis zu 275 Soldaten verkündet, die US-Bürger und die Botschaft im Irak schützen sollen. Zudem sollen bis zu 300 US-Militärberater die irakische Armee im Kampf gegen die Dschihadisten gegen die Sunnitengruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis) unterstützen. Damit steigt die Zahl der bereitgestellten US-Soldaten auf fast 800. Viele von ihnen gehören Eliteeinheiten an. An Kampfhandlungen gegen die sunnitischen Extremisten sollen sie sich aber nicht beteiligen.

Einsatz von Bodentruppen ausgeschlossen

Obama hatte den Einsatz von Bodenkampftruppen im Irak ausgeschlossen, die Möglichkeit für Luftangriffe hielt er sich aber offen. Ende 2011 waren die letzten US-Soldaten aus dem Irak abgezogen worden.

Nach ihrem Vormarsch im Norden und Westen im Irak hatte Isis am Sonntag einen grenzüberschreitenden islamischen Gottesstaat ausgerufen. Das "Kalifat" erstrecke sich von der Region Aleppo im Norden Syriens bis zur Region Dijala im Osten des Irak, teilte die radikalsunnitische Organisation mit. Zugleich nannte sich die Gruppe in Islamischer Staat (IS) um.

Isis nimmt Grenzort Abu Kamal ein

Nach tagelangen Kämpfen hat die Terrorgruppe Isis den strategisch wichtigen syrischen Ort Abu Kamal an der Grenze zum Irak eingenommen. Milizen der Extremisten hätten vollständige Kontrolle über Abu Kamal, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Dienstag unter Berufung auf Bewohner des Ortes.

Isis-Kämpfer hatten sich in den vergangenen Tagen in Abu Kamal schwere Kämpfe mit anderen syrischen Regimegegnern geliefert, darunter mit der Al-Nusra-Front. Isis und die Al-Nusra-Front, ein Al-Kaida-Ableger, stehen in scharfer Konkurrenz zueinander und bekämpfen sich gegenseitig. Abu Kamal liegt an der Verbindungsstraße zwischen der syrischen Stadt Rakka und dem irakischen Ort Rawa, die beide ebenfalls unter Isis-Kontrolle stehen.

Im Irak sind im Juni fast 2000 Menschen bei Gefechten und Anschlägen getötet worden. Dies waren die meisten Opfer in dem Konflikt seit der Hochzeit des Bürgerkriegs im Mai 2007, erklärte die Regierung. Laut den gemeinsam vom Gesundheits-, Verteidigungs- und Innenministerium vorgelegten Zahlen wurden im Juni 1922 Menschen getötet, darunter 1393 Zivilisten, 380 Soldaten und 149 Polizisten. Weitere 2610 Menschen wurden demnach verletzt, auch hier die allermeisten von ihnen Zivilisten.

Das irakische Parlament kommt heute zu seiner ersten Sitzung seit der Wahl im April zusammen. Regierungschef Nuri al-Maliki strebt trotz der schweren Krise in seinem Land eine dritte Amtszeit an. Forderungen der USA und anderer westlicher Staaten nach einer Einheitsregierung zur Stabilisierung des Iraks lehnte er bislang ab. Die Position des seit 2006 amtierenden Schiiten Maliki ist durch die Dschihadisten-Offensive im Land zunehmend geschwächt. Vorwürfe gibt es nicht nur seitens Schiiten und Kurden, sondern auch im eigenen Lager. Deshalb galt seine Wiederwahl als unsicher.

yps/AFP AFP

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