VG-Wort Pixel

Nachwahlen zum US-Senat Erbitterter Wahlkampf in Georgia: Trump will "wie der Teufel kämpfen"

Sehen Sie im Video: Trump droht am Telefon mit Wahlmanipulation – hören Sie den brisanten Mitschnitt im Video.




Knapp zwei Wochen vor der Amtseinführung Joe Bidens kämpft Donald Trump immer noch um seinen Platz im Weißen Haus. In einem geleakten Telefonmitschnitt vom Samstag fordert Trump von Georgias Staatssekretär, genug Stimmen zu finden, um die Wahl in dem Bundesstaat zu gewinnen.
DONALD TRUMP: Es ist nicht schlimm, wenn Sie sagen – Sie wissen schon – dass Sie nachgerechnet haben.
BRAD RAFFENSPERGER: Mr. President, das Problem, das Sie haben, ist, dass die Daten, die Sie haben, falsch sind.
DONALD TRUMP: Alles, was ich tun möchte, ist dies: Ich will 11.780 Stimmen finden.


Die zukünftige Vizepräsidentin Kamala Harris nannte Trumps Forderung eine letzte Verzweiflungstat.
KAMALA HARRIS: Das ist ein sehr dreister Machtmissbrauch des amtierenden US-Präsidenten. In Georgia wurde bisher dreimal nachgezählt – darunter einmal per Hand. Jedes Mal ging der Bundesstaat an Joe Biden.
Mehr
Vor gut zwei Monaten haben die Amerikaner den Präsidenten und den Kongress gewählt. Nun geht es in Georgia bei zwei Stichwahlen für den Senat noch einmal zur Sache. 

Bei Nachwahlen zum US-Senat wird an diesem Dienstag in Georgia über die künftige Machtverteilung in Washington entschieden – deshalb traten der gewählte Präsident Joe Biden und sein Vorgänger Donald Trump am Vortag in dem südlichen Bundesstaat auf, um für die Kandidaten ihrer Parteien zu werben. Beide unterstrichen dabei die Bedeutung der Stichwahlen für das gesamte Land.

Biden: Wahlen könnten Aufbruch "für Georgia und für Amerika" bedeuten

Biden sagte bei einer Kundgebung in Atlanta, der Hauptstadt von Georgia, in dem Bundesstaat werde womöglich nicht nur über die Zukunft des Landes in den kommenden vier Jahren, sondern über die Zukunft der "nächsten Generation" entschieden. Der künftige Präsident bezog sich damit auf seine Reformpläne, unter anderem in der Sozial- und Umweltpolitik. Die Wahlen am Dienstag könnten einen Aufbruch "für Georgia und für Amerika" bedeuten, betonte Biden.

Präsident Trump wiederholte in seiner 83-minütigen Ansprache seine bekannten und unbelegten Wahlbetrugsvorwürfe. "Sie werden das Weiße Haus nicht erobern, wir werden wie der Teufel kämpfen", sagte Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Dalton. 

Trump appellierte an seine Anhängerschaft, die Senatsnachwahlen seien womöglich deren "letzte Chance, jenes Amerika zu retten, das wir lieben". Der abgewählte Präsident rief seinen Fans zu: "Unser Land hängt von Euch ab."

Stichwahlen entscheiden über Mehrheit im Senat

Bei den Nachwahlen in Georgia wird darüber entschieden, ob künftig Bidens Demokraten oder Trumps Republikaner im Senat in Washington die Oberhand haben. Im Repräsentantenhaus, der anderen Kongresskammer, dominieren bereits seit zwei Jahren die Demokraten. Trump warb für die Wiederwahl der republikanischen Senatoren David Perdue und Kelly Loeffler an diesem Dienstag. Sie treten gegen die demokratischen Herausforderer Jon Ossoff und Raphael Warnock an. Trump nannte "Extremisten, die alles zerstören würden, was den Patrioten in Georgia am Herzen liegt".

Die Stichwahlen waren notwendig geworden, weil keiner der Senatskandidaten in dem Bundesstaat bei den parallel zur Präsidentschaftswahl abgehaltenen Kongresswahlen vom 3. November auf mehr als 50 Prozent gekommen war. Dies macht nach den in Georgia geltenden Wahlgesetzen Stichwahlen erforderlich.

Republikaner benötigen Mehrheit, Demokraten reicht ein Patt

Sollten die beiden demokratischen Senatskandidaten in Georgia gewinnen und die Demokraten damit beide Kongresskammern kontrollieren, würde Biden das Regieren erheblich erleichtert.

Die Republikaner müssen allerdings nur einen der beiden von Georgia gestellten Senatssitze verteidigen, um weiter die Kammer zu dominieren. Sie könnten dann Personalentscheidungen und politische Vorhaben der Biden-Regierung blockieren. Nach bisherigem Stand kommen die Republikaner im neuen Senat auf mindestens 50 Sitze und die Demokraten auf mindestens 48 Mandate.

Gewinnen die Demokraten beide Sitze in Georgia, entstünde zwar ein Patt. Dies würde aber von der künftigen Vizepräsidentin Kamala Harris aufgehoben, die kraft ihres Amtes auch Senatspräsidentin sein wird. In dieser Rolle kann ihr Votum bei Abstimmungen den Ausschlag geben. Georgia hatte auch bei der Präsidentschaftswahl eine wichtige Rolle gespielt. Bidens Sieg in diesem Bundesstaat war einer der zentralen Bausteine für seinen Gesamterfolg.

Chef der Proud Boys festgenommen vor Demonstration in Washington festgenommen

Für Riesenwirbel sorgt derzeit in den USA der Mitschnitt eines Telefonats zwischen Trump und dem Wahlleiter in Georgia, in dem der scheidende Präsident vergeblich darauf gedrungen hatte, das dortige Wahlergebnis zu seinen Gunsten zu kippen. Biden soll Trump am 20. Januar im Weißen Haus ablösen. Der abgewählte Präsident erhebt zwar den Vorwurf massiven Wahlbetrugs, doch präsentiert er dafür keinerlei Belege. Dutzende Anfechtungen des Biden-Siegs durch das Trump-Lager wurden von Gerichten abgewiesen.

Am Mittwoch sollen Repräsentantenhaus und Senat den Wahlsieg Bidens endgültig bestätigen. Dagegen gibt es zwar Vorstöße eines Teils der republikanischen Parlamentarier. Diese Initiativen haben zwar keinerlei Aussicht auf Erfolg, Trump machte jedoch deutlich, dass er auf die Unterstützung von Vizepräsident Mike Pence baut. Pence steht dem Senat als Präsident vor und wird die gemeinsame Sitzung der beiden Kongresskammern am Mittwoch leiten. Ich hoffe, dass unser großartiger Vizepräsident sich für uns einsetzt", sagte Trump. "Er ist ein großartiger Kerl. Wenn er sich nicht einsetzt, werde ich ihn natürlich nicht ganz so sehr mögen."

Am Dienstag und Mittwoch wollen Unterstützer Trumps in Washington gegen die Bestätigung von Bidens Wahlsieg demonstrieren. Die Polizei befürchtet Gewaltausbrüche. Am Montag nahm sie in der US-Hauptstadt den Chef der rechtsradikalen Gruppierung Proud Boys, Enrique Tarrio, fest. Ihm wird unter anderem Sachbeschädigung wegen Verbrennung eines politischen Plakats einer afroamerikanischen Kirche vorgeworfen. 

les AFP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker