Shimon Peres Politisch korrekt, aber erfolglos


Die Abgeordneten der Knesset entscheiden in einer geheimen Wahl, wer der neue israelische Präsident wird. Favorit ist der 83-jährige Shimon Peres, der zwar Ruhm als Nobelpreisträger gewann, auf der politischen Heimatbühne jedoch oft versagt.
Von Steffen Gassel

Er ist Israels beliebtester Politiker im Ausland, doch zu Hause gilt er als ewiger Verlierer: Shimon Peres. In seiner über 50-jährigen politischen Karriere ist der Friedensnobelpreisträger von 1994 bei Wahlen immer nur gescheitert: Fünfmal fiel er als Spitzenkandidat bei Parlamentswahlen durch, genauso oft bei dem Versuch, Vorsitzender der Arbeitspartei zu werden. Zuletzt unterlag er 2000 im Kampf um das Präsidentenamt. Doch Shimon Peres kann es nicht lassen. Die Abgeordneten der Knesset wählen in geheimer Abstimmung einen neuen Präsidenten - und wie so oft steht sein Name auf den Stimmzetteln. Der inzwischen 83-Jährige weiß: Es ist wohl die letzte Chance, seine Lebenswerk mit einem Wahlsieg zu krönen. Seine Kandidatur erklärte er im Mai - wenige Tage nachdem seine Frau Sonja einen Herzinfarkt erlitten hatte.

In Umfragen liegt Peres vorne

Diesmal sieht es eigentlich gut aus für Peres, der heute für die von Ex-Premier Ariel Sharon gegründete Kadima-Partei antritt. In den Umfragen jedenfalls liegt er vor seinen Konkurrenten: Reuvin Rivlin, einem beliebten Hardliner von der Likud-Partei, der Ariel Sharon beim unheilvollen Besuch auf dem Tempelberg begleitet hat; und Colette Avital von der Arbeitspartei, die die Genfer Initiative für einen Frieden mit den Palästinensern unterstützt hat. Doch wegen Peres' notorischer Pechsträhne wagt kaum jemand in Israel eine Prognose. Hinter den Kulissen ziehen die Wahlkampfchefs der verschiedenen Lager bis zur letzten Minute die Strippen. Eine Stichwahl erscheint wahrscheinlich. Entscheidend dürften die Stimmen der arabischen Abgeordneten und der Kibbutzniks sein.

Die meisten Israelis verfolgen die Wahl mit einer Mischung aus Desinteresse und Spott. Denn das Amt bringt hauptsächlich zeremonielle Aufgaben und kaum politische Macht. Außerdem haben die letzten Präsidenten vor allem durch Skandale auf sich aufmerksam gemacht. Der bisherige Amtsinhaber Moshe Katsav, dem Peres 2000 unterlegen war, soll Angestellte vergewaltigt und Begnadigungen gegen Bezahlung ausgesprochen haben. Seit Januar ist er auf eigenen Wunsch wegen "Unvermögens, sein Amt auszuüben" vom Parlament beurlaubt - bei voller Bezahlung. Wenn im Juli seine Immunität ausläuft, soll er vom Generalstaatsanwalt angeklagt werden und muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Katsavs Vorgänger Eser Weizman war wegen Bestechungsvorwürfen zurückgetreten.

Ein Saubermann für das beschädigte Amt

Manche Israelis finden, ein Saubermann wie Peres wäre genau der Richtige, um die Würde des beschädigten Amtes wiederherzustellen. Andere könnten auf einen Präsidenten auch gut verzichten. Schon gibt es Pläne, das Amt noch vor den nächsten Parlamentswahlen, die spätestens in drei Jahren anstehen, abzuschaffen. Dann könnte sich Peres, sollte er gewinnen, im Glanz des späten Sieges sonnen - ohne die lange Amtszeit von sieben Jahren auf sich nehmen zu müssen. Die Aussicht scheint ihm recht zu sein: "Der Präsident hat zwar nicht viel Macht", sagte er unlängst. "Aber er hat die Macht, Gutes zu tun."


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