Somalische Flüchtlinge 300 Meter vor der Küste gekentert


Sie wollten vor dem Krieg in Somalia fliehen und kenterten mit ihren Flüchtbooten: Mindestens 17 Somalier sind vor der Küste Jemens ums Leben gekommen, mehr als 100 weitere Unglücksopfer werden noch vermisst.

Bei einem Flüchtlingsdrama vor der Küste Jemens sind mindestens 17 Kriegsflüchtlinge aus Somalia ums Leben gekommen. Nach etwa 140 weiteren Unglücksopfern wurde noch gesucht, deren beide Boote gekentert waren, wie das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR in Zürich mitteilte. Insgesamt hätten sich mehr als 500 Menschen auf vier Schleuser-Booten befunden, die die Flüchtlinge über den Golf von Aden an die jemenitische Küste bringen sollten.

Wie das UNHCR weiter mitteilte, hätten zwei Boote Flüchtlinge bereits an der Küste abgesetzt, als jemenitische Sicherheitskräfte das Feuer auf die Schleuser eröffneten. Die beiden anderen Schiffe versuchten daraufhin, wieder auf die offene See zu flüchten. Eines kenterte, als es auf dem Schiff zu einer Panik kam. Mehrere Menschen seien dabei unter das Boot geraten.

300 Meter vor der Küste gekentert

Das vierte Boot wurde von der Küstenwache und einem Hubschrauber verfolgt und kenterte etwa 300 Meter vor der Küste in rauer See. "Die Rettungsaktion läuft noch. Es werden immer noch 140 Menschen vermisst. Einige von ihnen haben es vielleicht an Land geschafft und suchen dort nach Hilfe. Andere sind vielleicht ertrunken", sagte UNHCR-Sprecherin Jennifer Pagonis. Es seien 17 Schmuggler verhaftet worden. 357 Überlebende des Dramas würden nun in UNHCR-Auffanglagern betreut.

Viele der Überlebenden gaben der Organisation zufolge an, vor dem Konflikt zwischen den von Äthiopien unterstützten somalischen Regierungstruppen und den Islamisten geflohen zu sein. "Ich bin tief erschüttert über diese jüngste Tragödie, bei der Schleuserboote verzweifelte Menschen über den Golf von Aden bringen sollten", sagte UN-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres.

Das UNHCR fürchtet, dass die jüngste Gewalt eine neue Flüchtlingswelle aus Somalia auslösen könnte. In diesem Jahr sind bereits mehr als 25.000 Menschen von Somalia in den Jemen geflohen. "Wir brauchen dringend eine konzentrierte, internationale Anstrengung, um die Gründe bei der Wurzel zu packen und den Schleusern und Menschenhändlern in Somalia das Handwerk zu legen", sagte Guterres.

Den Versuch, über den Seeweg aus Afrika zu flüchten, bezahlen jedes Jahr tausende Menschen mit dem Leben. Erst am Mittwoch hatte Spanien eine erschreckende Bilanz vorgelegt: Der Regierung zufolge starb in diesem Jahr beinahe jeder sechste Afrikaner bei dem Versuch, die kanarischen Inseln vor der Westküste Afrikas mit einem Flüchtlingsboot zu erreichen. Den Behörden zufolge starben auf der oft tage- und wochenlangen Seereise nach Europa etwa 6000 Flüchtlinge. Rund 31.400 weitere erreichten ihr Ziel den Angaben zufolge.

Sam Cage/Reuters Reuters

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