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Spionageaffäre Snowden: AP-Reporter grillt US-Außenamtssprecherin

Darf Snowden sich nicht frei äußern? Warum sind die USA sauer auf Russland? Ein AP-Reporter hat dem US-Außenministerium kluge Frage gestellt - und die Sprecherin ordentlich ins Schlingern gebracht.

Von Daniel Regnery

Hat ein US-Bürger, gegen den juristisch ermittelt wird, kein Recht mehr dazu, frei zu sprechen? Zumindest den Eindruck vermittelte Jen Psaki auf einer Pressekonferenz. Dort äußerte sich die US-Außenamtssprecherin zum Treffen von Edward Snowden mit Menschenrechtsaktivisten von "Human Right Watchs" und "Amnesty International" – und kam bei ein paar Fragen der Journalisten mächtig ins Schlingern.

Bereits am Freitag hatten sich russische und internationale Aktivisten am Moskauer Flughafen Scheremetjewo mit Snowden getroffen – zum Ärger der USA, wie Psaki kurz darauf vor versammelter Presse deutlich macht: Amerika sei enttäuscht von der russichen Regierung, verkündet sie.

Ein Journalist will mehr wissen: AP-Reporter Matthew Lee bohrt nach, fragt nach den Gründen für die amerikanische Enttäuschung. Er geht präzise und direkt auf die Schwachstellen los, wodurch Psaki mächtig ins Schwimmen kommt, mehrmals stockt, sich zunächst um klare Antworten windet – und dann doch noch den ein oder anderen vielsagenden Satz zum Besten gibt.

Psaki: Snowden ist kein Whistleblower

So fragt Lee Psaki ganz am Anfang, warum die amerikanische Regierung enttäuscht sei, Russland habe doch nur ein paar Leute in seinen eigenen Flughafen gelassen. Die Sprecherin erklärt daraufhin, der springende Punkt sei, dass das Land dem Whistleblower damit ein Forum gegeben habe. Lee hakt nach: "Sie denken, dass er kein Forum haben darf? Hat er sein Recht auf freie Rede verwirkt?" Psaki stellt klar: Snowden sei weder Whistleblower noch Menschenrechtsaktivist, sondern ein Mensch, gegen den in mehreren Fällen Strafanzeige gestellt worden sei. Lee kontert sofort: "Ich wusste nicht, dass Leute, die juristisch verfolgt werden, keine Redefreiheit mehr haben." Eine Antwort darauf hat die nervös wirkende Sprecherin des Außenministeriums nicht. Auch, warum die USA enttäuscht von Russland sind, erklärt Psaki nicht.

Doch Lee bleibt hartnäckig. Die herausfordernde Art des Journalisten bleibt bei der Sprecherin nicht ohne Folgen. Sie wird immer unsicherer, kommt ins Stocken.

Eine Propaganda-Plattform für Snowden?

Dann fragt Lee, ob die Aktivisten, die sich mit Snowden am Moskauer Flughafen trafen, ernsthafte Konsequenzen von Seiten der USA zu befürchten haben. Die Sprecherin windet sich ein weiteres Mal heraus: "Ich bin mir nicht sicher, worauf Sie hinauswollen." Auch als Lee noch einmal nachhakt, gibt Psaki keine Antwort.

Immerhin, einen klaren Satz entlockt Lee der Sprecherin noch. Als er wieder fragt, was Russland denn jetzt falsch gemacht habe, fällt ihm Psaki sogar ins Wort: "Russland gab Snowden eine Propaganda-Plattform", erklärt die aufgeregte Sprecherin, die danach immer noch nicht erlöst ist – weitere kritische Fragen von den anderen Journalisten folgen. So stark wie Lee drängt sie jedoch niemand mehr in die Ecke.

Daniel Regnery
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