Staatstrauer Fünf Tage Gedenken an Ronald Reagan


Zum ersten Mal seit 1973 erhält mit Ronald Reagan ein ehemaliger US-Präsident wieder ein Staatsbegräbnis, zu dem 100.000 Trauernde erwartet werden. Die Trauerfeierlichkeiten folgen einem bis ins letzte Detail ausgeklügelten Protokoll.

Zum ersten Mal seit gut drei Jahrzehnten erhält mit Ronald Reagan ein ehemaliger US-Präsident wieder ein Staatsbegräbnis. Zwar haben alle gewählten amerikanischen Präsidenten, die während, kurz vor oder nach ihrer Amtszeit versterben, Anspruch auf einen solchen Staatsakt. Dessen Ausmaß bestimmen jedoch die Hinterbliebenen. Das letzte Staatsbegräbnis erhielt 1973 der frühere Präsident Lyndon B. Johnson. Die Familie von Richard Nixon, der 1994 starb, entschied sich gegen eine offizielle Zeremonie in Washington.

Die Trauerfeierlichkeiten folgen einem bis ins letzte Detail ausgeklügelten Protokoll, das auf 138 Seiten alle notwendigen Maßnahmen vom Arrangement der Blumen bis zur Sitzordnung der Gäste vorschreibt. Hier erfährt man auch, dass der Autokorso mit dem Sarg eine Geschwindigkeit von genau 20 Meilen (32 Kilometern) pro Stunde einhalten soll oder welchen speziellen Schritt die Militärgarde einlegen muss.

Ausgeklügeltes Protokoll

Bei der Trauerfeier in der Nationalen Kathedrale von Washington nehmen die Familienmitglieder des Verstorbenen im südlichen Kirchenschiff Platz, Generäle im nördlichen. Hinter den Vertretern der amerikanischen Regierung sitzen die ausländischen Staatschefs in einer Reihenfolge, die vom alphabetischen Rang des englischen Namens ihrer Herkunftsländer bestimmt ist. Ihnen folgen nach demselben Prinzip Vertreter von Monarchien, dann Regierungschefs und schließlich alle anderen ausländischen Delegierten.

Für den Ablauf der Feiern gibt es viele historische Präzedenzfälle, und dem entsprechend kann das Protokoll variieren. Als John F. Kennedy 1963 ermordet wurde, bat seine Frau Jacqueline in ihrer ersten öffentlichen Erklärung um das gleiche Staatsbegräbnis, das der ebenfalls ermordete Abraham Lincoln erhalten hatte. Historiker studierten daraufhin über Nacht die einschlägigen Dokumente aus dem Jahre 1865 - und zwar im Schein von Taschenlampen, weil die Beleuchtung der Kongressbibliothek nach Dienstschluss zentral abgeschaltet worden war.

Das erste Staatsbegräbnis in Washington erhielt Präsident William Henry Harrison, der sich bei seiner Antrittsrede im Januar 1841 eine Erkältung zuzog und einen Monat später an Lungenentzündung starb. Der Kaufmann Alexander Hunter wurde damals damit beauftragt, die Zeremonie auszurichten. Er ließ das Weiße Haus, wo der Verstorbene aufgebahrt war, mit schwarzen Vorhängen ausstatten und den Sarg auf einer schwarz-weißen Lafette von schwarz verhüllten Pferden ziehen. Diese Zeremonie wurde 25 Jahre später für Lincoln wiederholt.

Staatsakt im Kapitol

Im Weißen Haus wurden bisher nur Präsidenten aufgebahrt, die im Amt aus dem Leben schieden. Neun frühere Präsidenten wurden in die Rotunde des Kapitols übergeführt, wie es jetzt auch für Reagan vorgesehen ist. Von ihnen waren sieben eine Zeit lang Abgeordnete des Kongresses, was auf Reagan nicht zutrifft. Für bislang sieben Präsidenten gab es eine Trauerprozession entlang der Pennsylvania Avenue zwischen Weißem Haus und Kapitol.

Die Einzelheiten für Reagans Staatsbegräbnis wollten amerikanische Militärbeamte im Verlauf des Montags mit den Angehörigen in Kalifornien absprechen. Zunächst sollte der verstorbene 40. Präsident der USA in seiner Bibliothek in Simi Valley aufgebahrt werden. Dort hat auch die Öffentlichkeit die Chance, an dem geschlossenen Sarg vorbei zu defilieren, um von Reagan Abschied zu nehmen.

Am Mittwoch sollen dessen sterblichen Überreste dann nach Washington geflogen werden. Nach der Ankunft auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews ist am späteren Abend (Ortszeit) eine Prozession des von Pferden gezogenen Leichenwagens entlang der Constitution Avenue nahe des Weißen Hauses und des Washington Monuments geplant. Anschließend folgt ein Staatsakt in der Rotunde des Kapitols.

Beisetzung in Kalifornien

Dort ist der Leichnam dann den ganzen Donnerstag über aufgebahrt, bevor er am Freitag von einem Autokorso in die Nationale Kathedrale von Washington gebracht wird. Nach der offiziellen Trauerfeier wird Reagans Leiche nach Kalifornien zurückgebracht, um im kleinen Kreis auf dem Gelände seiner Präsidentenbibliothek beigesetzt zu werden.

Rebecca Carroll/AP AP DPA

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