VG-Wort Pixel

Stephanie Grisham Einmal Trump, immer Trump: Das ist die neue Pressesprecherin des US-Präsidenten

Stephanie Grisham, die neue Pressesprecherin von Donald Trump
US-Präsident Donald Trump macht Stephanie Grisham zu seiner neuen Sprecherin
© Jacquelyn Martin/ / Picture Alliance
Stephanie Grisham, 42, soll die neue Pressesprecherin von Donald Trump werden. Sie gilt als loyal und zeigt Machtbewusstsein – das dürfte dem US-Präsidenten imponieren.

Stephanie Grisham wird viele Glückwünsche erhalten haben. Und viele werden ihr vermutlich auch viel Glück gewünscht haben, nach dem Motto: Viel Erfolg, das kann heiter werden.

Als Pressesprecher von Donald Trump hat man es nicht leicht. Die donnernden Twittergewitter des US-Präsidenten, seine unzähligen Halb- und Unwahrheiten und pausenlosen Anschuldigungen gegen diese "Fake News"-Medien – das alles muss irgendwie (und ausgerechnet) vor den "Fake News"-Medien erklärt werden. Und staatstragend verpackt sollte es bestenfalls auch sein. Ein Job, der in drei Jahren bereits zwei Verantwortliche verschlissen hat.

Nun soll es also Stephanie Grisham richten. Die 42-Jährige wird Kommunikationschefin und Pressesprecherin des Weißen Hauses. Sie könne sich "keine bessere Person" für diese Doppelrolle vorstellen, twitterte First Lady Melania Trump, die Grisham im März 2017 als ihre Pressesprecherin in den East Wing des Weißen Hauses holte. Den Posten soll sie behalten. Grisham wird ab Juli aber wohl häufiger im West Wing anzutreffen sein, in der Nähe des Oval Office. Der US-Präsident findet das "fantastisch".

Tatsächlich scheint Grisham die logische Nachfolgerin von Sarah Huckabee Sanders, deren Abschied überraschend verkündet wurde. Mehr noch: Es mache sogar "total und komplett Sinn", meint der US-Sender CNN. Grisham ist Team Trump seit Jahren treu ergeben, legt sich gern mit der Presse an, zeigt Machtbewusstsein und räumt unliebsame Kritiker aus dem Weg.

Stephanie Grisham, eine alte Bekannte im Team Trump mit neuem Posten

Trump legt großen Wert auf Loyalität. Wer gegen seine Agenda bürstet, hat keinen leichten Stand – dafür haben manche schon mit ihrem Rauswurf bezahlen müssen. Grisham gilt als äußerst loyal. Sie stieß schon im Sommer 2015 zu Trumps Wahlkampfteam. Sie ist damit eine der wenigen Mitarbeiterinnen, die sich aus den Anfangstagen halten konnte – das hat in Trumps Personalkarussell tatsächlich Seltenheitswert. 

Sie genießt das Vertrauen von Melania Trump. Grisham verteidigt die First Lady mit ihrer resoluten Art als Anwältin für das Wohlergehen von Kindern – und positionierte sie mitunter als eigenständigen Konterpart zu ihrem aufbrausenden Ehemann. Beispiel: Im August 2018 warnte Melania Trump vor Cyber-Mobbing, während Donald Trump auf Twitter und fast zeitgleich über den "schlechtesten CIA-Direktor in der Geschichte unseres Landes" schimpfte. Doppelstandard? Grisham verteidigte die First Lady in einem Gastbeitrag für CNN: Die First Lady bleibe sich treu und vertrete ihre eigenen Positionen, schrieb sie dort, und versuchte den Fokus auf ihre wohltätige Arbeit zu lenken. 

Unliebsame Kritiker räumt sie aus dem Weg. Dazu gehörte offenbar Mira Ricardel, die im vergangenen November als stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin von Trump gefeuert wurde. Warum? Ricardel soll in bei Melania Trump in Ungnade gefallen sein, offenbar ging es um organisatorische Fragen rund um die erste Solo-Auslandsreise der First Lady nach Afrika, wie etwa die "New York Times" berichtete. Grisham veröffentlichte daraufhin ein Statement im Namen der First Lady und beendete damit vermutlich Ricardels Karriere: "Es ist die Position des Büros der First Lady, dass sie die Ehre nicht länger verdient, im Weißen Haus zu dienen." Einen Tag später wurde Ricardel entlassen.

Grisham zeigte ihr Machtbewusstsein aber auch gegenüber Medienvertretern (was dem US-Präsidenten womöglich imponieren könnte): 2016 hatte sie als Sprecherin des Repräsentantenhauses von Arizona mehreren Journalisten die Akkreditierung entzogen. Offiziell, weil diese sich einem neuem Background-Check verweigert hätten. Inoffiziell, so wollen es die Betroffenen verstanden haben, als Retourkutsche für eine Enthüllung über ihren damaligen Vorgesetzten. Über den Fall berichtete auch die "Süddeutsche Zeitung". 

Sie könnte wieder mehr auf die Presse zugehen, anders als ihre umstrittene Vorgängerin. Sarah Huckabee Sanders wurde wegen ihres oft konfrontativen Auftretens von Journalisten nicht gerade geschätzt. Gegenüber dem Team von Sonderermittler Robert Mueller musste sie sogar einräumen, Medienvertreter belogen zu haben. Zuletzt hatte Sanders darauf verzichtet, Medienvertretern offizielle Briefings zu geben. Sie stellte sich lediglich in spontan einberufenen und informellen Runden den Fragen von Journalisten. Die letzte Pressekonferenz liegt dagegen bereits mehr als hundert Tage zurück. Mit Spannung wird erwartet, ob Grisham die Pressekonferenzen im Weißen Haus zurückbringt. Darüber soll intern diskutiert worden sein, berichtete die "New York Times": Die Pressekonferenzen könnten Trumps Mission Wiederwahl, deren Startschuss er vor kurzem gegeben hat, einen Schub geben. 

Quellen: "New York Times", CNN, CNN (Gastbeitrag), "Süddeutsche Zeitung", Mit Material der Nachrichtenagenturen DPA und AFP

fs

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker