STICHWORT Orient-Haus: Symbol palästinensischer Staatsansprüche


Das Orient-Haus, das etwas versteckt in einer Seitenstraße in Ostjerusalem liegt, hat vor allem großen symbolischen Wert für die Palästinenser.

Das Orient-Haus, das etwas versteckt in einer Seitenstraße in Ostjerusalem liegt, hat vor allem großen symbolischen Wert für die Palästinenser. Das 1897 errichtete Gebäude, das im Besitz der Husseini-Familie ist, dient seit 1992 als Sitz der Palästinensischen Befreiungsorganisation PLO und ist damit die - wenn auch inoffizielle - Repräsentanz der PLO in Ostjerusalem. Für viele Palästinenser ist das Gebäude ein Symbol des Widerstandes gegen die israelische Besetzung von Ostjerusalem seit 1967 sowie des Strebens nach einem eigenen Staat mit Jerusalem als Hauptstadt.

Den Symbolstatus erlangte das Orient-Haus vor allem durch den Politiker Faisal Husseini, der am 31. Mai starb. Er hatte als eines der führenden Mitglieder des Exekutivkomitees der PLO das Orient- Haus zu einem politischen Zentrum der Palästinenser in Ost-Jerusalem ausgebaut. Husseini empfing hier trotz häufigen israelischen Widerstandes führende Diplomaten und Gäste aus dem Ausland. Dadurch wurde das Orient-Haus zu einem wichtigen Ort palästinensischer Außenpolitik.

Das ursprünglich als Hotel errichtete Gebäude, in dem 1900 Kaiser Wilhelm II. übernachtete, ist gleichzeitig Sitz der 1979 gegründeten Gesellschaft für Arabische Studien.

Israel hat die politischen Aktivitäten der PLO in Ost-Jerusalem zwar meistens geduldet. Dennoch ist das Gebäude Israel ein Dorn im Auge, weil es die Ansprüche der Palästinenser auf Jerusalem verkörpert. Immer wieder kam es daher zu Krisen, wie zum Beispiel bei Empfängen hochrangiger ausländischer Diplomaten im Orient-Haus. Israel drohte daraufhin wiederholt mit der Schließung.

Mehrmals geschlossen

Von 1988 bis 1992 wurde das Orient-Haus von dem damaligen Verteidigungsminister Izchak Rabin geschlossen. Der Grundlagenvertrag zwischen Israel und der PLO von September 1993 legte schließlich fest, dass palästinensische Einrichtungen in Ost-Jerusalem bestehen bleiben dürfen. 1997 wurde das Orient-Haus allerdings auf Anweisung des damaligen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu erneut kurzfristig geschlossen.

Auch das nur wenige hundert Meter außerhalb Jerusalems liegende Dorf Abu Dis steht im Brennpunkt des Kampfes um die künftige palästinensische Staatlichkeit. Es liegt auf so genanntem B-Gebiet, das von Israel und den Palästinensern gemeinsam kontrolliert wird. In Abu Dis entsteht ein Gebäude, in dem zukünftig das palästinensische Parlament tagen sollte. Israel hatte den Palästinensern nach Medienberichten ursprünglich angeboten, sie könnten in Abu Dis ihren künftigen Regierungssitz errichten. Von den Palästinensern, die Ost- Jerusalem selbst als Hauptstadt wünschen, wurde dies jedoch abgelehnt.


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