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Streit um Völkermordgesetz: Türken verpassen Sarkozy Online-Ohrfeigen

Im Streit um das Völkermordgesetz wird in der Türkei weiter gegen Frankreich ausgeteilt: Nachdem Erdogan zur verbalen Keule gegen Paris griff, können Internetnutzer Sarkozy online eine knallen.

Nach der Verabschiedung des neuen Völkermordgesetzes in Frankreich wird in der Türkei jetzt auch mit einem Internet-Spiel Stimmung gegen die Regierung in Paris gemacht: "Klatsch den Sarkozy" erfreue sich großer Beliebtheit, berichtete die türkische Zeitung "Milliyet" am Mittwoch. In dem Spiel geht es darum, einem virtuellen Präsidenten Nicolas Sarkozy eine möglichst heftige Ohrfeige zu verpassen. Der kräftigste Schlag wird mit dem Bild eines französischen Staatschefs mit blauem Auge und blutender Nase belohnt.

Das Onlinegame sei in sieben Sprachen abrufbar - aber nicht in Französisch, berichtete "Milliyet". Laut der Internetseite www.sunoyon.com, die das umstrittene Spiel anbietet, hat "Klatsch den Sarkozy" bereits 46.000 Anhänger im sozialen Internet-Netzwerk Facebook.

Sarkozy ist die treibende Kraft hinter dem Völkermordgesetz, das am Montag vom Senat in Paris verabschiedet wurde. Es sieht bei Leugnung eines Völkermordes eine Geldstrafe von 45.000 Euro und ein Jahr Haft vor. Schon vor dem Streit um das Gesetz war der französische Präsident in der Türkei sehr unbeliebt, weil er offen gegen die EU-Bewerbung Ankaras eintritt.

"Massaker an der Meinungsfreiheit"

Die Türkei hatte nach der Verabschiedung des Gesetzes heftig gegen Frankreich gewettert: Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte die Regelung als rassistisch, diskriminierend sowie als "Massaker an der Meinungsfreiheit". Sein Stellvertreter Bülent Arinc verglich das Gesetz gar mit der Inquisition und drohte Paris, alle politischen und wirtschaftlichen Beziehungen abzubrechen.

Die Gräueltaten an den Armeniern werden von mehr als einem Dutzend Staaten als Völkermord gewertet, darunter Frankreich. Die Türkei streitet den Charakter des Genozids ab. Der Bundestag forderte Ankara 2005 zum offenen Dialog darüber auf. "Insgesamt wird das Ausmaß der Massaker und Deportationen in der Türkei immer noch verharmlost und weitgehend bestritten", hieß es in einer Resolution. Ankara wies das zurück, obwohl im Text nicht von "Völkermord", sondern von "Gräueln" die Rede war.

1,5 Millionen Armenier gestorben

Im Ersten Weltkrieg wurden zwischen 1915 und 1917 bis zu 1,8 Millionen Armenier von den Osmanen aus Ostanatolien vertrieben. Nach Angaben des Zentrums gegen Vertreibungen in Wiesbaden kamen bei den Deportationen fast 1,5 Millionen Menschen ums Leben. Die heutige Türkei, in der nur noch eine kleine armenische Minderheit lebt, spricht dagegen von 200.000 Toten.

mad/AFP/AFP