Südlibanon Vier UN-Beobachter sterben bei israelischem Angriff


Im Südlibanon ist bei einem israelischen Luftangriff ein UN-Posten bombardiert worden, dabei wurden vier UN-Beobachter getötet. Generalsekretär Kofi Annan zeigte sich entsetzt und kritisierte den "offenbar absichtlichen" Angriff mit scharfen Worten.

Bei einem israelischen Luftangriff auf einen UN-Posten im Südlibanon sind am Dienstagabend vier UN- Beobachter getötet worden. UN-Generalsekretär Kofi Annan verurteilte den "offenbar absichtlichen Angriff" scharf und forderte eine Untersuchung. Die Kämpfe im Südlibanon gingen unterdessen unvermindert weiter, nach israelischen Angaben wurde dabei ein ranghoher Hisbollah-Führer getötet. Der Anführer der Hisbollah, Hassan Nasrallah, kündigte in einer Fernsehansprache weitere Raketenangriffe auf Israel an, auch auf Ziele südlich der Stadt Haifa. In Rom kommen am heutigen Mittwoch ranghohe Vertreter aus 15 Ländern zusammen, um nach diplomatischen Wegen aus der Krise zu suchen.

"Dieser offenbar absichtliche Angriff der israelischen Streitkräfte auf einen UN-Beobachterposten hat mich schockiert und tief verstört", sagte Annan, der sich bereits in Rom aufhält, nach Angaben seines New Yorker Büros. Der "koordinierte" Angriff sei erfolgt, obwohl der UN-Posten seit langem bekannt und deutlich markiert gewesen sei, kritisierte er.

Ein Österreicher, ein Finne, ein Kanadier und ein Chinese waren in dem UN-Posten

Die israelische Regierung brachte ihr "tiefes Bedauern" über den Angriff zum Ausdruck. Ein Sprecher des Außenministeriums in Jerusalem sagte, Israel ziele bei seinen Angriffen nicht auf UN-Personal. Seit Beginn der jüngsten Kämpfe habe man "jede Anstrengung unternommen, um die Sicherheit des UN-Personals in der Region zu gewährleisten". Er kündigte eine "grundlegende Untersuchung dieser Tragödie" an. Der israelische UN-Botschafter Dan Gillerman äußerte sein tiefes Bedauern, wies aber den Vorwurf eines absichtlichen Treffers zurück.

Der Posten der UN-Beobachtertruppe im Südlibanon (UNIFIL) liegt in der Nähe der Stadt Khiam im Grenzgebiet zu Israel. Die Stadt gilt als Hochburg der Hisbollah. Nach libanesischen Angaben befanden sich zum Zeitpunkt des Angriffs ein Österreicher, ein Finne, ein Kanadier und ein Chinese in dem UN-Posten. Sie waren Mitglieder der UN-Friedenstruppe Unifil, die seit 1978 die libanesisch-israelische Grenze überwacht.

Krieg stehe vor dem Eintritt in eine neue Phase

Israelische Soldaten haben nach eigenen Angaben am Dienstag den Hisbollah-Kommandeur des zentralen Abschnitts im Südlibanon, Abu Dschafar, getötet. Er sei bei Kämpfen im Bereich der Ortschaft Marun al Ras erschossen worden. Nach UN-Angaben drangen am Dienstagabend erstmals israelische Soldaten direkt in die südlibanesische Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil vor.

Hisbollah-Chef Nasrallah sagte in einer Fernsehansprache, der Krieg mit Israel stehe vor dem Eintritt in eine neue Phase. Die Miliz sei bereit, auch Ziele jenseits von Haifa ins Visier zu nehmen. Bislang habe die Hisbollah ihre Angriffe auf die Stadt im Norden Israels begrenzt.

Kritik an den Worten von Rice

Nasrallah sagte außerdem, US-Außenministerin Condoleezza Rice habe auf ihrer Nahost-Reise diese Woche klar gesagt, dass der bewaffnete Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah Teil der Geburt eines "neuen Nahen Ostens" sei. Dies sei der Beweis dafür, dass Israel die Angriffe im Libanon nicht wegen der von der Hisbollah verschleppten Soldaten begonnen habe, sondern "dass dies Teil eines schon lange vorbereiteten amerikanisch-zionistischen Planes ist", sagte Nasrallah.

Die USA hätten die Absicht, einen „neuen Nahen Osten“ zu schaffen. Dazu müssten die wichtigsten Hindernisse aus dem Weg geräumt werden. Dies seien die Widerstandsbewegung der Palästinenser und die im Libanon sowie die Regierungen im Iran und in Syrien. Die beiden Staaten unterstützen die Hisbollah.

Gedämpfte Hoffnungen für Rom-Konferenz

Einen Tag vor der Nahost-Konferenz in Rom hatte Israel am Dienstag die Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Kämpfe gedämpft. Der Kampf gegen Hisbollah werde mit "härtesten Mitteln" fortgesetzt, kündigte Ministerpräsident Ehud Olmert beim Besuch von Rice an. Nach Medienberichten will Rice bei dem Treffen in Rom die Entsendung einer internationalen Truppe von mindestens 10 000 Mann in den Südlibanon vorgeschlagen.

Vertreter von mehr als einen Dutzend Staaten nehmen an dem Nahosttreffen in der italienischen Haupstadt Rom teil, darunter neben Rice auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Annan traf am Dienstag mit hohen Erwartungen in Rom ein: "Wir dürfen auf keinen Fall mit leeren Händen wieder auseinander gehen." Auch mehrere arabische Länder werden vertreten sein, nicht aber Israel. Über Hilfen für die Flüchtlinge und den Einsatz einer multinationalen Friedenstruppe soll ebenfalls diskutiert werden.

DPA/Reuters/AP AP DPA Reuters

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