VG-Wort Pixel

Syrien-Konflikt Arabische Staaten kritisieren Assad


Das Regime von Baschar al-Assad bekommt zunehmend den Druck der anderen arabischen Staaten zu spüren: Botschafter werden heimbeordert, der saudische Monarch geißelt den Präsidenten in Damaskus mit scharfen Worten und auch die renommierte El-Ashar-Universität in Kairo forderte nun Gewaltverzicht.

Das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad bekommt zunehmend den Druck der anderen arabischen Staaten zu spüren. Saudi-Arabien, Kuwait und Bahrain beriefen am Montag ihre Botschafter in Damaskus zu Konsultationen in ihre Heimat ein. Der saudische König Abdullah kritisierte Syrien in einer Fernsehansprache in der Nacht zum Montag mit ungewöhnlich scharfen Worten.

"Die Todesmaschinerie und das Blutvergießen müssen gestoppt werden", verlangte Abdullah in seiner vom staatlichen Fernsehen übertragenen Rede. "Was in Syrien stattfindet, ist inakzeptabel", fügte er hinzu. "Für Syriens Zukunft gibt es zwei Optionen: Weisheit oder Chaos", mahnte der Monarch. Assad müsse echte Reformen auf den Weg bringen, "bevor es zu spät ist".

Die vom Regime in Damaskus kontrollierte Presse reagierte gereizt auf die Kritik aus Riad. Die Worte Abdullahs wirkten "mehr wie eine US-Drohung als eine "brüderliche" Botschaft", schrieb die Tageszeitung "Al-Watan" in einem Kommentar. Der saudische König sei außerdem mit keinem Wort "auf die terroristischen Extremisten-Gruppen und ihre Financiers eingegangen, die die Einheit Syriens zu zerreißen versuchen". Assad hatte in den vergangenen Jahren ein relativ gutes Verhältnis zum Königshaus in Riad aufgebaut.

Auch die renommierte sunnitische El-Ashar-Universität in Kairo hat Syrien am Montag zu einem "Ende des Blutvergießens" aufgerufen. "El Ashar hat lange gezögert, die Situation in Syrien aufgrund ihrer Sensibilität anzusprechen", erklärte der Imam der Institution, Ahmed el Tajjeb, in einer von der staatlichen ägyptischen Nachrichtenagentur Mena verbreiteten Erklärung. Die Situation habe aber inzwischen "eine Grenze überschritten", weshalb es keine andere Lösung gebe, als "dieser arabischen und islamischen Tragödie" ein Ende zu setzen. Die El-Ashar-Universität gilt den Sunniten als oberste Instanz für religiöse und rechtliche Fragen. In Syrien sind mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Sunniten.

Die Bundesregierung forderte Assad dringend zu einem Ende der Gewalt auf. "Sollte sich Präsident Assad fortwährend dem Dialog mit der syrischen Bevölkerung verweigern und weiterhin auf Gewaltanwendung setzen, so gibt er nach Ansicht der Bundesregierung seine Legitimation auf, die Geschicke seines Landes künftig weiter zu lenken", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Christoph Steegmans in Berlin. Außenminister Guido Westerwelle und sein britischer Amtskollege William Hague forderten in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Präsident Assad muss Reformen durchführen oder zurücktreten."

In Syrien wurden seit Beginn der Proteste gegen das Regime im März nach Schätzungen rund 1800 Zivilisten und 400 Angehörige der Sicherheitskräfte getötet. Auch am vergangenen Wochenende starben fast 100 Zivilisten.

tmm/DPA/AFP DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker