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Asma al-Assad: Assads Frau gibt erstes Interview seit Jahren – was sie über den Krieg und ihren Mann sagt

Lange Zeit galt Asma al-Assad als die Grande Dame der arabischen Welt. Seit in Syrien der Bürgerkrieg tobt, zog sie sich jedoch aus der Öffentlichkeit zurück. Nun gab sie ein Interview, erhob schwere Vorwürfe gegen den Westen und pries ihren Mann an. 

Syriens First Lady Asma al-Assad hat zum ersten Mal seit acht Jahren ein Interview gegeben

Syriens First Lady Asma al-Assad hat zum ersten Mal seit acht Jahren ein Interview gegeben 

Acht Jahre lang hüllte sich Asma al-Assad in Schweigen. Nun gab die syrische First Lady dem russischen Fernsehen ein exklusives Interview. Die Ehefrau des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad verteidigte in dem Gespräch mit dem TV-Sender Rossija 24 in erster Linie ihren Mann und erhob gegen den Westen und die westlichen Medien schwere Vorwürfe.  

Die Schuld an der äußerst prekären humanitären Lage in Syrien gab sie vor allem den Sanktionen, die als Reaktion auf die brutale Gewalt des Assad-Regimes gegen die syrische Bevölkerung verhängt wurden. "Man muss sich schon die Fragen stellen: Was sollen Sanktionen auf Grundnahrungsmittel bringen? Was nützt die Blockierung des lebenswichtigen Zugangs zu Medikamenten und medizinischer Technik?", fragte die ehemalige Investmentbankerin in dem Interview, das in Damaskus geführt wurde. "Die UN veröffentliche erst in der vergangenen Woche einen Bericht, wonach die Armut unter der syrischen Bevölkerung enorm zugenommen hat – das Ergebnis dieser Sanktionen." 

Sanktionen zur Schwächung Assads

Tatsächlich wurden 2011 umfangreiche Sanktionen gegen Syrien verhängt, die vor allem darauf abzielten, den Handlungsspielraum des Regimes einzuschränken. Man hoffte insbesondere, dass Assad das Geld für Militärausgaben ausgehen würden. Die USA führten ein Waffenembargo, ein Exportverbot von US-Gütern und die Aussetzung von Hilfszahlungen nebst Einreiseverboten, Kontensperrungen und Einschränkungen finanzieller Transaktionen ein. Auch die EU 2011 verhängte ein Waffenembargo, und legte die Entwicklungszusammenarbeit, Darlehen und technische Hilfsprogramme auf Eis. Ähnlich Sanktionen folgten seitens der Arabischen Liga und der Türkei.

Einem Bericht der Bundeszentrale für politische Bildung liegt die syrische Wirtschaft inzwischen zu einem großen Teil darnieder - auch als Folge der Sanktionen. Die stetige Verschärfung des Bürgerkriegs vermochten sie jedoch nicht zu verhindern.

"Die Medien im Westen konzentrieren sich nur auf die Tragödien, die ihrer Agenda entsprechen"

Den Sanktionsteilnehmern warf Asma al Assad vor, die wirtschaftlichen Folgen für die syrische Bevölkerung zumindest in Kauf genommen zu haben. Gleichzeitig beschuldigte sie die westlichen Medien, nur an dem Leid der Flüchtlinge und Menschen, die in Territorien wohnen, die von den Rebellen kontrolliert werden, interessiert zu sein. "Warum berichten die Medien über die tragischen Schicksale von Aylan und Orman, aber nicht über das Schicksal der Kinder aus dem Dorf Sara, wo die Terroristen der Gruppierung Dschebhat an-Nusra im Mai 2016 ein Massaker angerichtet haben? Die Medien im Westen konzentrieren sich nur auf die Tragödien, die ihrer Agenda entsprechen", sagte die 41-Jährige. "Es ist der Westen, der unsere Kinder in zwei Gruppen aufgeteilt hat. Der Tod eines jeden Kindes ist ein Verlust für Syrien“, so die dreifache Mutter.

"Ich kann über alles mit ihm sprechen, und das ist toll"

Dass ihr Mann die Schuld für den Tod dieser Kinder tragen könnte, sieht die dreifache Mutter nicht. Ihn nahm sie in Schutz und pries ihn als guten Vater an: "Er nimmt die Vaterrolle sehr ernst. Er ist ein sehr uneigennütziger Mensch." Er sei immer noch der gleiche Mensch, wie sie ihn vor 16 Jahren kennengelernt hatte. "Er ist sehr ruhig, nachdenklich und immer höflich. Ich kann über alles mit ihm sprechen, und das ist toll."

Syrien und ihren Mann zu verlassen, kam für Asma al Assad nie in Frage. "Ja, ich hatte die Gelegenheit, Syrien zu verlassen, zu fliehen", erzählte sie in dem Interview. Aber sie habe diese Möglichkeit nie erwogen. Bei den entsprechenden "Angeboten" habe es sich nur um "vorsätzliche Versuche, das Vertrauen des Volkes in seinen Präsidenten zu untergraben" gehandelt.

Dieses Vertrauen dürfte Assad aber längst verloren haben.

ivi