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Terror: Bekenner-Video El Kaidas aufgetaucht

Die moslemische Extremistengruppe El Kaida hat sich auf einem Videoband zu den Anschlägen von Madrid bekannt und mit noch weit verheerenderen Attentaten gedroht.

Mit den ersten Festnahmen und einem Bekennervideo haben sich die Anzeichen verstärkt, dass islamistische Terroristen hinter den Attentaten von Madrid stehen. Den spanischen Behörden wurde ein Video zugespielt, auf dem ein arabisch sprechender Mann im Namen des Terrornetzwerks El Kaida die Verantwortung für die Attentate mit 200 Toten und 1500 Verletzten übernahm. Er drohte mit weiteren und noch verheerenderen Anschlägen. Die Ermittler prüften die Echtheit des zweiminütigen Films, teilte Spaniens Innenminister Angel Acebes am Sonntag mit.

Erste Festnahmen

Zuvor waren drei Marokkaner und zwei Inder im Zusammenhang mit den Anschlägen festgenommen worden. "Die Ermittlungen sind kompliziert und werden langwierig sein", betonte der Minister. "Die Polizei schließt keine Hypothese aus." Allerdings bezeichnete er Terroristen der baskischen Untergrundorganisation ETA nicht mehr "vorrangige Verdächtige".

Die fünf in Madrid gefassten Männer sollen das Mobiltelefon beschafft haben, das als Zünder einer der bei den Anschlägen eingesetzten Bomben dienen sollte. Der Sprengkörper war aber nicht explodiert und von der Polizei entschärft worden. Die Männer sollen zudem die Handykarte des Apparats gefälscht haben. Sie wurden unter Anwendung der Anti-Terror-Gesetze in Isolationshaft genommen. Drei von ihnen seien vorbestraft, unter anderem wegen Beteiligung an einem Mord, teilte Acebes mit.

Marokko schickte Terrorismus-Experten nach Spanien. Nach Angaben der Zeitung "El País" könnten die festgenommenen Marokkaner mit einer El-Kaida-Zelle in Verbindung gestanden haben. Bei Hausdurchsuchungen sei Material zur Manipulation von Handys sichergestellt worden.

Video: Antwort auf Unterstützung des Irak-Krieges

Auf dem beschlagnahmten Video sagte ein mit marokkanischem Akzent sprechender Mann, die Anschläge seien die Antwort auf die Unterstützung Spaniens für den Irak-Krieg gewesen. Er sprach angeblich im Namen eines "Militärsprechers" von El Kaida in Europa namens Abu Dujan Al Afgani. Diese Person sei nach jetzigem Stand weder den spanischen noch ausländischen Nachrichtendiensten bekannt, sagte Acebes. Das Video war nach einem anonymen Anruf in der Nähe einer Moschee in Madrid entdeckt worden.

Terror überschattet Parlamentswahlen

Die Anschläge und die Fahnung nach den Terroristen überschattete auch die Parlamentswahlen am Sonntag in Spanien. Am Vorabend demonstrierten in mehreren Städten Spaniens Tausende von Menschen vor den Büros der konservativen Volkspartei (PP) von Ministerpräsident José María Aznar. Sie warfen der Regierung vor, mit der Unterstützung des Irak-Krieges einen Vergeltungsschlag islamischer Extremisten in Spanien provoziert zu haben. "Ihr habt den Krieg gemacht, wir haben die Toten", skandierten sie.

Trauerfeiern für Opfer

Bei Trauerfeiern in Madrid und anderen spanischen Städten erwiesen Tausende Menschen den Todesopfern am Wochenende die letzte Ehre. In der Universitätsstadt Alcalà de Henares östlich von Madrid, wo drei der vier betroffenen Züge abgefahren waren, fand der größte Gottesdienst statt. Auch in mehreren deutschen Städten gedachten Spanier bei Trauerkundgebungen der Anschlagsopfer.

Über 150 der insgesamt 200 Toten wurden bislang identifiziert und zur Beisetzung freigegeben. 252 der über 1500 Verletzten lagen am Sonntag noch in Krankenhäusern. Davon schwebten 19 in Lebensgefahr, teilten die Ärzte mit.