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Terror im Irak: Kurden enthauptet, Soldaten entführt

Eine bislang unbekannte Gruppe hat 18 Nationalgardisten entführt. So soll ein Vertrauter von Muktada al Sadr freigepresst werden. Eine andere Extremistengruppe hat vermutlich drei Kurden enthauptet.

Eine Extremistengruppe hat im Irak nach eigenen Angaben drei kurdische Politiker enthauptet. In einer Erklärung der Gruppe "Ansar el Sunna", die nach Angaben des arabischen Nachrichtensenders Al Dschasira am Sonntagabend im Internet veröffentlicht wurde, wurden die Kurden als "Agenten" und Unterstützer der Amerikaner bezeichnet. Unterdessen hat eine weitere, bislang unbekannte Gruppe 18 Mitglieder der irakischen Nationalgarde entführt. Wie Al Dschasira berichtete, drohen die Entführer, die Soldaten zu töten, sollte die irakische Übergangsregierung nicht binnen 48 Stunden einen am Samstag festgenommenen Vertrauten des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al Sadr freilassen.

Der Funktionär der Al-Sadr-Bewegung, Hasem al Arradschi, war am Samstag in Bagdad festgenommen worden. Eine Videobotschaft der Entführer, die sich "Mohammed Bin Abdullah Brigaden" nennen und bislang nicht in Erscheinung getreten waren, wurde am Sonntagabend von Al Dschasira ausgestrahlt. Nach Angaben des Senders ist es das erste Mal, dass irakische Soldaten als Geiseln genommen wurden.

Sadr-Bewegung bestreitet Verwicklung in Entführung

Die radikale Bewegung des irakischen Schiiten-Predigers Muktada al Sadr hat sich von Geiselnehmern distanziert, die mit der Entführung von 18 Nationalgardisten einen Sadr-Getreuen freipressen wollen. "Wir lehnen Geiselnahmen grundsätzlich ab", sagte Naim al Kaabi, ein Sprecher der Bewegung, am Montag in Bagdad auf Anfrage. Er äußerte jedoch gleichzeitig indirekt Verständnis für die Geiselnehmer. "Vielleicht fühlten sie mit Herrn Hasem al Arradschi und lehnen ab, wie die US-Truppen ihn in seinem Haus festgenommen haben", sagte er.

Gruppe will ein "Exempel statuieren"

Bei den von der Ansar-al-Sunna-Gruppe getöteten Kurden soll es sich um Mitglieder der Kurdischen Demokratischen Partei (KDP) handeln. Auf einem Videomitschnitt, der ebenfalls im Internet veröffentlicht wurde, wurden die Männer gezeigt, wie sie ihre Ausweispapiere vor der Kamera präsentieren mussten. Nach Angaben der Extremistengruppe habe man die Leichen der Enthaupteten später nahe der nordirakischen Stadt Mosul abgelegt, um ein "Exempel zu statuieren". Die Gruppe "Ansar al Sunna" hat sich bereits zu mehreren Entführungen bekannt und auch immer wieder Geiseln getötet.

Jordanier befreit

Ein Jordanier, der im vergangenen Monat im Irak verschleppt wurde, ist am Sonntag nach einer Rettungsaktion der irakischen Armee freigekommen. Dies gab das jordanische Außenministerium nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Petra am Sonntagabend bekannt. Der Mann sagte am Montag im arabischen Nachrichtensender Al Arabija, seine Entführer seien gewöhnliche Kriminelle gewesen, die für seine Freilassung 100.000 US-Dollar gefordert hätten. Der Lastwagenfahrer erklärte, sie hätten ihn im vergangenen Monat im südirakischen Nassirija entführt, als sie seine jordanischen Papiere sahen. Er sei schlecht behandelt worden.

Hoffnung für französische Geiseln

Vorsichtig optimistisch äußerte sich auch der französische Premierminister Jean-Pierre Raffarin zum Schicksal der beiden seit einem Monat im Irak entführten französischen Journalisten Christian Chesnot und Georges Malbrunot. Jüngste Informationen, wonach eine Freilassung bevorstehe, erschienen seriöser als bisherige Angaben, sagte Raffarin am Sonntagabend dem französischen Fernsehsender TF1.

Wie am Abend in der irakischen Pilgerstadt Nadschaf bekannt wurde, haben Unbekannte am Sonntag einen Konvoi schiitischer Religionsstudenten und bekannter Persönlichkeiten angegriffen und dabei vier Menschen getötet. Die 37 Studenten seien zusammen mit 56 schiitischen Persönlichkeiten auf der Strecke zwischen Bagdad und Nadschaf unterwegs gewesen, als die Angreifer nahe der Stadt El Latifija das Feuer auf sie eröffneten, hieß es. El Latifija liegt südlich der irakischen Hauptstadt und gilt als Extremisten-Hochburg.

Schlechte Wirtschaftslage im Irak fördert Instabilität

Die stagnierende Wirtschaft und der Mangel an Arbeitsplätzen im Irak fördern nach Einschätzung von Ministerpräsident Ijad Allawi die Instabilität in dem vom Krieg gezeichneten Land. Die internationalen Geber müssten ihre Hilfsversprechen einhalten, schrieb Allawi in einem Beitrag der britischen Zeitung "Independent" am Montag. Die Auslandsschulden des Irak sollten erlassen werden, um die Wirtschaft anzustoßen. "Wirtschaft und Sicherheitslage sind miteinander verbunden: ohne Frieden und Sicherheit kann es keinen nachhaltigen Wiederaufbau geben. Was Instabilität und Chaos fördert ist der Mangel an Jobs sowie an wirtschaftlichen Möglichkeiten", schrieb er. Auch sei ausländische Hilfe nötig, um die Sicherheit im Irak zu verbessern. Allein in den vergangenen zwei Wochen waren dort bei Anschlägen hunderte Menschen getötet worden. Allawi war am Sonntag bei seinem Besuch in Großbritannien zu Gesprächen mit dem britischen Premierminister Tony Blair zusammengekommen.

Die internationalen Verhandlungen über einen Erlass der Auslandsschulden des Irak sind ins Stocken geraten. Die Gläubiger sind sich nicht einig, wie viel von den schätzungsweise 120 Milliarden Dollar dem Land erlassen werden soll.

DPA/Reuters / DPA / Reuters