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Terrorangriff in Nairobi: Noch Geiseln in Einkaufszentrum in Nairobi

Die Regierung versichert vollmundig, die Lage im belagerten Einkaufszentrum in Nairobi sei unter Kontrolle. Doch dann fallen wieder Schüsse. Offenbar befinden sich noch immer Geiseln im Gebäude.

In dem von islamistischen Extremisten überfallenen Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt Nairobi kommt es offenbar immer noch zu Gefechten. Wenige Stunden nachdem die Regierung das Geiseldrama für beendet erklärt hatte, brach Augenzeugen zufolge am Dienstag in dem Gebäudekomplex wieder eine heftige Schießerei aus. In den frühen Morgenstunden hatte das Innenministerium noch mitgeteilt, das Areal sei unter der vollen Kontrolle der Sicherheitskräfte. "Wir glauben, dass alle Geiseln befreit wurden", hieß es.

Nach Angaben der islamistischen Angreifer befinden sich in dem Einkaufszentrum jedoch noch immer Geiseln. "Die Geiseln, die von den Mudschaheddin in Westgate genommen wurden, leben noch. Sie sehen recht verwirrt aus, aber dennoch leben sie", teilte die somalische Al-Schabaab-Miliz am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Die militante Gruppe harre dort weiter aus. In dem Gebäudekomplex lägen unzählige Tote.

Das kenianische Militär hatte zuvor mitgeteilt, die Soldaten hätten die letzten sechs mutmaßlichen Täter getötet. Bombenräumkommandos seien im Einsatz, um Sprengsätze unschädlich zu machen. Das könne mehrere Stunden dauern. "Unsere Sicherheitskräfte durchkämmen alle Etagen, um zu sehen, ob jemand zurückgeblieben ist", lautete ein weiterer Tweet des Innenministeriums.

Der US-Sender CNN berichtete jedoch in der Nacht zum Dienstag unter Berufung auf zwei hohe kenianische Beamte, dass weiterhin Bewaffnete in dem Gebäude seien. Darunter seien auch Scharfschützen.

Geiselbefreiung mit Unterstützung aus Israel

Am Montag hatte sich die Lage in dem belagerten Einkaufszentrum dramatisch zugespitzt. Am Mittag stieg plötzlich dichter, schwarzer Rauch aus dem Gebäude auf. Kurz zuvor hatten Ohrenzeugen mehrere laute Explosionen gehört. Nach Angaben des Innenministeriums hatten die Angreifer das Feuer selbst ausgelöst, um die Einsatzkräfte zu verwirren. Bereits in der Nacht zum Montag waren viele Geiseln gerettet worden. Zuvor waren die Sicherheitskräfte weit in das Gebäude vorgedrungen. An der Geiselbefreiung waren offenbar neben der nationalen Eliteeinheit Recce auch Spezialkräfte aus Israel und den USA beteiligt. Dabei ging es anscheinend vor allem um Aufklärung.

Innenminister Joseph Ole Lenku hatte bereits am Nachmittag erklärt, ein Ende des Geiseldramas sei absehbar. Ein Terrorkommando der somalischen Islamistenmiliz Al-Shabaab hatte am Samstag das Einkaufszentrum gestürmt. Nach letzten Angaben kamen 62 Menschen um, rund 175 wurden verletzt. Präsident Uhuru Kenyatta ließ erklären, die Regierung werde nicht eher ruhen, bis die Belagerung beendet sei. Kenyatta hat bereits mehrmals in Fernsehansprachen zu Ruhe und Geduld aufgerufen.

Medienberichten zufolge nahm die Polizei einen Verdächtigen fest, der mit der Attacke in Zusammenhang stehen soll. Der 33-Jährige sei kürzlich zum Islam übergetreten. Er lebe in Meru im Osten des Landes und sei gefasst worden, als er ein Flugzeug in die Türkei besteigen wollte. Das Innenministerium bestätigte zudem weitere Festnahmen am Flughafen. Die Inhaftierten würden verhört.

US-Amerikaner unter den Terroristen

Ein Sprecher der Al-Shabaab hatte am Sonntagabend einem somalischen Radiosender gesagt, die Gruppe werde nicht eher Ruhe geben, bis Kenia seine Truppen aus dem Nachbarland Somalia zurückziehe. Er drohte mit weiteren Anschlägen und fügte hinzu, die Dschihadisten in Westgate seien angewiesen worden, Geiseln zu töten, falls die Streitkräfte versuchen sollten, das Gebäude zu stürmen.

Militärchef Julius Karange betonte, die Al-Shabaab-Terroristen stammten aus verschiedenen Ländern. Es handele sich um eine "multinationale Gruppe". Er fügte hinzu: "Wir wissen, wer diese Leute sind. Wir kämpfen hier gegen globalen Terrorismus." Einzelne Nationalitäten nannte er nicht. Entgegen anderslautender Meldungen handelte es sich bei allen Tätern um Männer. Jedoch hätten sich einige von ihnen als Frauen verkleidet, um die Polizei in die Irre zu führen.

Kenianischen Regierungsangaben zufolge waren auch mehrere US-Bürger und ein Brite beteiligt. "Nach unseren Informationen waren zwei oder drei Amerikaner dabei", sagte die kenianische Außenministerin Amina Mohamed am Montag (Ortszeit) im US-Sender PBS. Bei den US-Bürgern handele es sich um Männer im Alter von 18 oder 19 Jahren, sagte Mohamed. Sie stammten aus Somalia oder der arabischen Welt, hätten aber in den USA, unter anderem im Bundesstaat Minnesota, gelebt. Die Beteiligung von Bürgern der USA und Großbritanniens an dem Angriff zeige "die globale Natur dieses Krieges, den wir führen", sagte Mohamed.

cjf/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters