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Anschlag von Paris: Wie groß ist die Gefahr für Deutschland?

Sie waren erschreckend professionell: Vieles spricht dafür, dass die Pariser Attentäter in einem Trainingslager ausgebildet wurden und gut vernetzt sind. Sind sie auch für Deutschland eine Bedrohung?

Dass generell auch in Deutschland die Gefahr eines Anschlags besteht, hat bereits vor dem blutigen Attentat in Paris niemand in Abrede gestellt. Das Massaker in der französischen Hauptstadt lässt die Befürchtungen konkreter werden - und schürt Ängste. Die Täter gingen erschreckend professionell vor, waren im Umgang mit schweren Waffen geübt, zielstrebig und routiniert. Sie zogen den Anschlag so kaltblütig durch, wie sie ihn geplant hatten.

Das Vorgehen ässt die Polizei auf gut ausgebildete Killer schließen. In Polizeikreisen wird auf die Ruhe, die Entschlossenheit und die Schlagkraft der Täter verwiesen, die ein Zeichen von gründlicher Ausbildung - wie etwa beim Militär - seien. Auf Bildern, die Augenzeugen mit ihren Handys machten, werde die Professionalität der Angreifer deutlich, sagen ehemalige Mitglieder von Sicherheitsdiensten und französischer Polizei. "Man sieht es ganz deutlich an der Art und Weise, wie sie ihre Waffen halten, wie sie völlig ruhig und kalt vorgehen", sagt ein Polizist. "Sie haben ganz offensichtlich eine Art Militärausbildung durchlaufen." Die Attentäter seien "keine Illuminaten, die unüberlegt handelten".

Hunderte Rückkehrer in Deutschland als "hochgefährlich" eingestuft

Experten verweisen darauf, dass die Täter ihre Kalaschnikows dicht am Körper hielten und sauber Schuss für Schuss abgaben, anstatt wild um sich zu schießen. All dies zeige, dass sie gut ausgebildet sein müssen. "Das Frappierendste ist ihre Kaltblütigkeit", sagt ein Ex-Polizist. "Sie wurden in Syrien, im Irak oder anderswo ausgebildet, vielleicht sogar in Frankreich - sicher ist nur, dass sie ausgebildet wurden." Auf einem vom Dach eines Nachbargebäudes aufgenommenen Video ist zu sehen, wie gut sie ausgerüstet waren: Schwarze Kleidung, Sturmmasken, Sportschuhe, Westen, die möglicherweise kugelsichere Westen darunter verdecken sollten.

Auch in Deutschland beobachten die Behörden die Vorkommnisse mit Sorge. "Einen Anschlag mit Waffen dieser Größenordnung, den kann man nicht von heute auf morgen organisieren", sagt Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). "Da muss man Waffen beschaffen und trainieren." Zumal es sich um Waffen handele, die nicht an jeder Straßenecke erhältlich seien.

Es habe vermutlich einen größeren Kreis an Helfern und Unterstützern gegeben. "Der Zeitpunkt des Anschlags war offenbar sorgfältig gewählt - der Erscheinungstag des neuen Buchs 'Unterwerfung' von Michel Houellebecq und auch die schweren Waffen wären ein Hinweis darauf, dass die Aktion lange geplant war."

In Deutschland gebe es einen Kreis von etwa 230 Personen, die zwar noch nichts getan, aber zum Beispiel Trainingslager der al Kaida besucht haben oder aufgrund anderer Hinweise von den Sicherheitsbehörden als hochgefährlich eingestuft werden. "Und das war alles noch vor dem IS", sagt Malchow. "Wir gehen inzwischen von weiteren 300 Personen aus, die für Terroranschläge in Betracht kommen können und die überwacht werden müssen."

Der Beginn einer Serie?

Nach der kaltblütigen Attacke fragen sich Sicherheitsexperten nun, ob es sich um eine isolierte Tat oder womöglich den Beginn einer Anschlagsserie handelt. Wie die GdP betont, sei es auch für die deutschen Sicherheitsbehörden wichtig, zu erfahren, welche Gruppe hinter Attacke steckt und ob es möglicherweise Syrien-Rückkehrer waren. "Neun Mal konnte die Polizei in Deutschland schon einen Anschlag vereiteln", sagt Malchow. "Aber das Problem ist, und das sieht man auch nun in Paris: Mit Polizeischutz vor Ort kann man gegen Attentate dieser Größenordnung nicht viel ausrichten. Mit einer Streife kann man einen Anschlag nicht vereiteln. Die einzige Möglichkeit ist es, Zellen aufzuspüren und schon die Anschlagsplanung zu zerstören. Das Wichtigste ist, zu erkennen, wie sich diese Gruppen vernetzen und wer mit wem in Kontakt steht."

car mit AFP