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stern-Reporter live aus Paris Die Stadt der Liebe im Schock


Der Anschlag auf das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" erschüttert die Welt. Wie ist die Stimmung in Paris? Eindrücke aus einer Stadt in Trauer, in der nur vermeintliche Normalität herrscht.
Von Dominik Brück und Vanessa Rehermann

Paris trägt Trauer. Die Einwohner zeigen sich schockiert über die Tat, die meisten von ihnen verfolgen die Entwicklung über die Nachrichten, diskutieren in Cafés die schrecklichen Ereignisse. "Es ist traurig und ein Angriff auf unsere Freiheit. Die Redakteure haben nichts Schlimmes getan, sondern nur ihre Arbeit gemacht", sagt der 66-jährige Gerard Segissement.

Rund um das Redaktionsgebäude sind es vor allem die zahlreichen Polizeifahrzeuge und der große Medienandrang, die auf das Verbrechen hinweisen. An einem Baum vor der Redaktion weht ein Strauß Blumen im Wind, der mit Klebeband befestigt wurde.

Was angesichts der Brutalität des Verbrechens geradezu skurril anmutet: Nur eine Straße von der Redaktion entfernt gehen die Anwohner einkaufen oder sitzen in Cafés, als sei nichts passiert. Kurz vor der Polizeiabsperrung gehen ein paar ältere Herren ihrem Boulespiel nach.

Auf den Angriff angesprochen erhält man meist die gleiche Reaktion: "Ich habe davon in den Nachrichten erfahren, und es ist einfach schrecklich, was da passiert ist", sagt zum Beispiel eine Anwohnerin, die nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt lebt. Angst vor weiteren Angriffen hat man hier nicht. "Es war eine gezielte Attacke auf die Redaktion, nicht auf die Bürger. Dennoch ist das ein großer Angriff auf die Pressefreiheit, und ich hoffe, man fasst die Täter", sagt Emilie, die selbst von der Tat erst auf Twitter erfahren hat.

Je weiter man sich vom Tatort entfernt, desto mehr Normalität kehrt ein. So hat man im Pariser Zentrum hat man von dem Anschlag im Osten der Stadt kaum etwas mitbekommen. Besonders die zahlreichen Touristen erfahren aufgrund fehlender Sprachkenntnisse wenig. "Ich habe nichts mitbekommen. Das ist besonders schockierend, nicht von so etwas zu wissen, während die Täter noch auf der Flucht sind", sagt Gus Drake aus Seattle.


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