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Tikrit: US-Armee schlägt zurück

Nach dem Absturz eines US-Kampfhubschraubers unweit von Tikrit ist das amerikanische Militär in der Stadt gegen aufständische Kräfte vorgegangen.

Das US-Militärkommando in Bagdad teilte heute mit, man habe eine Operation begonnen, um "jeden zu verhaften oder zu töten", der danach trachte, "den Koalitionsstreitkräften oder unschuldigen Irakern Schaden zuzufügen". Dabei seien in und um Tikrit, der Heimatstadt des gestürzten irakischen Machthabers Saddam Hussein, mindestens fünf Aufständische getötet worden. 16 Personen wurden festgenommen. Unterdessen gab das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) bekannt, wegen der angespannten Sicherheitslage würden vorübergehend die beiden Büros in Bagdad und Basra geschlossen.

Der arabische Fernsehsender El Dschasira berichtete, mehrere leerstehende Gebäude und ein Lagerhaus in Tikrit seien bombardiert worden. Schwer bewaffnete Soldaten patrouillierten durch die Straßen. Eine vor zwei Wochen aufgehobene nächtliche Ausgangssperre sei erneut verhängt worden.

Sechs US-Soldaten kommen ums Leben

IKRK-Präsident Jakob Kellenberger sagte dem Zürcher "Tages-Anzeiger", das IKRK bleibe im Nordirak präsent. Die künftige Tätigkeit werde sich auf Besuche von Gefangenen, die Herstellung von Kontakten zu den Familien sowie humanitäre Nothilfe in den Bereichen Wasser und Medizin beschränken. Der Rückzug aus Bagdad ist eine Reaktion auf den Selbstmordanschlag vom 27. Oktober auf die IKRK-Zentrale in der irakischen Hauptstadt, bei dem zwei irakische Wachleute getötet worden waren.

Für das IKRK waren bis zum Anschlag Ende Oktober rund 30 ausländische Mitarbeiter sowie mehr als 600 Iraker tätig. Größere Büros unterhielt die Organisation in Bagdad, Basra und im nordirakischen Erbil.

Beim Absturz des US-Hubschraubers waren am Freitag sechs US-Soldaten ums Leben gekommen. Die Ursache ist offiziell noch unklar. Angehörige der in Tikrit stationierten 4. US- Infanteriedivision gehen aber davon aus, dass der Helikopter von Aufständischen abgeschossen wurde. Am vergangenen Sonntag waren beim Abschuss eines Hubschraubers in der Nähe der zentralirakischen Stadt Falludscha 16 US-Soldaten getötet und 20 verletzt worden.

Patrouillien und Razzien in Tikrit

Zwei weitere US-Soldaten wurden heute laut El Dschasira durch einen Sprengsatz in Falludscha getötet. Ein weiterer Soldat wurde verletzt, bestätigte eine Sprecherin des US-Militärkommandos in Bagdad. Die Opfer waren in einem Konvoi unterwegs. Amerikanische Truppen hätten danach mehrere Verdächtige in der westlich von Bagdad gelegenen Stadt festgenommen, hieß es.

Das US-Militär erklärte weiter, in den vergangenen 24 Stunden seien im Rahmen der Operation in Tikrit 228 Patrouillen und vier Razzien durchgeführt. Unter den Getöteten seien auch drei Männer, die einen US-Posten mit Raketen angegriffen hatten. Ein weiterer Aufständischer sei bei der Stürmung eines Waffenlagers erschossen worden.