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Irak-Konflikt: USA bombardieren Ziele in Falludscha

US-Flugzeuge haben in der vergangenen Nacht Ziele in der irakischen Kleinstadt Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, bombardiert.

US-Flugzeuge haben in der Nacht zum Sonntag Ziele in der irakischen Kleinstadt Falludscha, 70 Kilometer westlich von Bagdad, bombardiert. Wie das Kommando der 82. US-Luftlandedivision in Ramadi heute mitteilte, war zuvor eine US-Patrouille in der Stadt von Aufständischen angegriffen worden. Ein F-16-Kampfjet habe daraufhin eine Bombe auf die "Ausgangsort des Angriffs" abgeworfen, hieß es in der Mitteilung. Nach weiteren Attacken seien erneut zwei Bomben über einem offenen Gelände nahe einem Haus abgeworfen worden, das "mit erhöhter Feindaktivität in Verbindung gestanden" habe.

Angaben über mögliche Opfer wurden nicht gemacht. Die 82. US-Luftlandedivision mit Sitz in Ramadi, 100 Kilometer westlich von Bagdad, ist auch für Falludscha zuständig, eine der Hochburgen des anti-amerikanischen Widerstands.

Armitage bezeichnet Irak als "Kriegsgebiet"

Die US-Besatzungstruppen reagierten mit einer Demonstration der Stärke auf die andauernden Anschläge. Bei Tikrit warfen Kampfflugzeuge in der Nacht zum Samstag drei schwere Bomben an der Stelle ab, wo am Freitag ein US-Militärhubschrauber abgestürzt war. Bei einer Razzia in Tikrit zerstörten US-Soldaten außerdem drei Häuser. Der amerikanische Vize-Außenministers Richard Armitage bezeichnete Irak als "Kriegsgebiet".

Er sei aber sicher, dass die US-Streitkräfte "diese Leute kriegen, die uns und die Iraker töten", sagte Armitage am Samstag bei einem Irak-Besuch. US-Außenminister Colin Powell betonte in einem Interview mit der arabischsprachigen Zeitung "Aschark el Ausat", ein Abzug der US-Truppen stehe nicht zur Debatte.

Am Samstag kosteten Explosionen von Sprengsätzen in Bagdad und Falludscha drei weiteren US-Soldaten das Leben. Damit sind in den ersten acht Novembertagen bereits 36 US-Soldaten bei Kampfhandlungen in Irak getötet worden, 22 davon beim Absturz von zwei Hubschraubern. Ob auch der am Freitag abgestürzte Hubschrauber abgeschossen wurde, war weiterhin unklar.

US-Piloten fliegen erstmals wieder ohne Positionslichter

Offenbar wegen befürchteter Angriffe mit Boden-Luft-Raketen flogen US-Piloten in der Nacht zu Sonntag erstmals seit Ende der Hauptkampfhandlungen ohne Positionslichter. Sie kreisten mit Hubschraubern und Kampfflugzeugen über einer Brücke in der Nähe des US-Hauptquartiers in Bagdad, die für den Verkehr gesperrt worden war. In der Hauptstadt waren erneut Detonationen zu hören. Nach Angaben der irakischen Polizei explodierte vor dem Hauptbahnhof ein Mörsergeschoss, ohne Schaden anzurichten.

In Mossul gerieten am Wochenende ein Militärkonvoi und eine Polizeiwache unter Beschuss, mehrere US-Soldaten und ein Iraker wurden leicht verletzt. Nach Angaben der Besatzungstruppen wurde in der Stadt ein Waffenlager mit über 400 Granaten entdeckt. Sieben Verdächtige seien festgenommen worden. Aus der südöstlich von Mossul gelegenen Stadt Kirkuk wurde die Festnahme eines früheren Leibwächters von Saddam Hussein gemeldet.

Rotes Kreuz schließt Büros ins Bagdad und Basra

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) kündigte angesichts der schlechten Sicherheitslage die Schließung seiner Büros in Bagdad und Basra an. Nach dem verheerenden Anschlag auf ihr Bagdader Hauptquartier vor zwei Wochen hatte die Organisation zunächst nur eine Reduzierung des Personals beschlossen. Am Samstag teilte das IKRK in Genf jedoch mit, die Hilfstätigkeiten würden auf Nordirak beschränkt.

Seit Kriegsbeginn sind in Irak bis zum Samstag 391 US-Soldaten getötet worden, davon 253 seit dem offiziellen Ende der Hauptkampfhandlungen am 1. Mai. Großbritannien beklagt 52 getötete Soldaten, Dänemark, Spanien, die Ukraine und Polen meldeten je einen. Der polnische Ministerpräsident Leszek Miller verteidigte heute bei einem Besuch in Libanon den Einsatz seiner Truppen in Irak, der der Stabilisierung des Landes diene. Am Dienstag will er das Hauptquartier der polnischen Streitkräfte im Irak besuchen.

GSG 9 schützt auch deutsche Botschaft im Irak

Anti-Terror-Experten der Grenzschutz-Spezialeinheit GSG 9 werden im Irak auch zum Schutz der deutschen Botschaft in Bagdad eingesetzt. Bundesinnenminister Otto Schily sagte der "Welt am Sonntag", Deutschland habe wieder eine diplomatische Vertretung im Irak. Auch die Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) im Irak würden von der GSG 9 geschützt.

Die im Irak-Krieg zeitweise evakuierte deutsche Botschaft in Bagdad ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes lange wieder besetzt. Auf Grund der angespannten Sicherheitslage und angesichts der Reisewarnungen für den Irak sei der Publikumsverkehr jedoch stark eingeschränkt. Der Einsatz von BGS-Beamten zum Schutz deutscher Botschaften gilt in vielen Teilen der Welt als üblich.

Die Experten des Technischen Hilfswerks helfen nach Angaben Schilys "beim Aufbau von Versorgungseinrichtungen". Zu dem THW-Team habe er ständig Kontakt. Schily fügte hinzu: "Die Risiken für den Einsatz sind vertretbar. Unsere Mitarbeiter genießen hohes Ansehen auch bei den Koalitionskräften."

Vor einer Woche hatte es in Presseberichten geheißen, die Spezialisten der GSG 9 sollten die vier THW-Mitarbeiter, die beim Aufbau des irakischen Trinkwassernetzes helfen, vor Anschlägen schützen. Das THW-Kommando verfüge wegen der prekären Sicherheitslage über gepanzerte Fahrzeuge. Die Wasser-Experten des THW waren im September entsandt worden, nachdem die USA monatelang gezögert hatte, das entsprechende deutsche Hilfsangebot anzunehmen.