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Tikrit: US-Panzer rollen ins Stadtzentrum ein

US-Soldaten sind ins Zentrum von Tikrit vorgestoßen, der Heimatstadt des entmachteten irakischen Staatschefs Saddam Hussein. Trotz vereinzelter Gefechte seien die Truppen auf weniger Widerstand gestoßen als erwartet.

Mit Unterstützung von Kampfhubschraubern und Panzern sind US-Soldaten am Montag ins Zentrum Tikrits vorgestoßen und haben die letzte Hochburg des irakischen Präsidenten Saddam Hussein eingenommen.

Große Jubelszenen der Bevölkerung wie zuvor in Bagdad gab es bei der Eroberung der Geburtsstadt Saddams zunächst nicht. Ein US-Militärsprecher bezeichnete die Einnahme der Stadt als Übergangspunkt in eine neue Phase des Krieges, in der es zwar vermutlich noch Gefechte geben werde, diese aber wohl örtlich begrenzt blieben. In Bagdad schien sich die Lage nach den Plünderungen und Ausschreitungen der vergangene Tage langsam zu normalisieren. Nach einem Aufruf der USA meldeten sich mehr als 2000 Polizisten in der irakischen Hauptstadt zum Dienst.

"Es gab weniger Widerstand als wir dachten"

Am Nachmittag schossen US-Kampfhubschrauber noch auf Ziele in Tikrit, das 175 Kilometer nördlich von Bagdad liegt. US-Soldaten berichteten, bei dem Vorstoß ins Zentrum Tikrits sei der Widerstand relativ leicht gewesen, es würden aber Angriffe von Milizionären nach Einbruch der Dunkelheit befürchtet. "Es gab weniger Widerstand als wir dachten", sagte US-Brigadegeneral Vincent Brooks im Central Command der US-Truppen in Katar. Der Präsidentenpalast in der Stadt sei besetzt worden, die Soldaten durchkämmten die Stadt nach Anhängern Saddams. Brooks sagte, der Krieg sei noch nicht vorbei. Es könne zwar weitere Kämpfe gegen, diese würden aber kleinere Gebiete umfassen. Die ehemalige irakische Führung werde dabei keine Rolle mehr spielen.

Irakische Soldaten geflüchtet

In der Nacht hatten Kampfhubschrauber und -Flugzeuge der US-Luftwaffe den Vorstoß der Truppen mit Angriffen auf Stellungen der Republikanischen Garde im Süden Tikrits unterstützt. Nach US-Angaben wurden mehrere irakische Panzer zerstört und mindestens 15 irakische Soldaten getötet. Ein Einwohner berichtete, die meisten irakischen Soldaten seien bereits vor Tagen aus der Stadt geflüchtet. "Von Anfang an wussten wir, dass es vorbei ist und Saddam keine Chance hat."

Einige Einwohner begrüßten die US-Soldaten mit nach oben gehaltenem Daumen. "Es ist eine große Erleichterung. Wir betrachten uns als friedliche Menschen, die einem Diktator ausgeliefert waren", sagte der 58-jährige Hussein el Chalidi. Hoffentlich werden wir einen Anführer erhalten, der Menschen respektiert und sie in Frieden lässt." Die Wut auf Saddam entlud sich anders als in anderen Städten zunächst nicht an den Statuen oder Bildern des Präsidenten. Eine Statue mit Saddam zu Pferde blieb ebenso unangetastet wie zahlreiche Wandbilder des Mannes, der 24 Jahre das Land mit eiserner Faust regiert hatte..

Verbleib Husseins weiter unklar

Saddams Schicksal war weiter unklar. Der britische Verteidigungsminister Geoff Hoon sagte, Saddam und führende Vertreter seiner Regierung hielten sich vermutlich noch im Irak aus und seien nicht ins Ausland geflüchtet. Mit Blick auf Syrien fügte Hoon hinzu: „Wir haben keinen Beweis dafür, dass sie die Grenze überqueren und, wie ich vorher betont habe, erwarten wir von anderen Staaten die Zusammenarbeit, um dies zu verhindern. Die USA und Großbritannien haben Syrien davor gewarnt, Vertretern der irakischen Regierung Unterschlupf zu gewähren.

Demonstranten fordern mehr Sicherheit für Bagdad

In Bagdad forderten am Montag hunderte Menschen auf einer Demonstration mehr Sicherheit. Der Zorn der Demonstranten richtete sich dabei auch gegen die USA. "Islamischer Staat, islamischer Staat! Kein amerikanischer, kein amerikanischer", riefen Dutzende von ihnen. Nach dem Einmarsch der US-Truppen in die Stadt in der vergangenen Woche hatten marodierende Banden und Plünderer das Machtvakuum genutzt und sich an allem bereichert, was ihnen wertvoll erschien. Die USA hoffen, Ruhe und Ordnung mit irakischen Polizisten herstellen zu können