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Iran Video zeigt inhaftierten Rapper Toomaj Salehi – Umfeld geht von erzwungenem Geständnis aus

Toomaj Salehi hält sich die Hand an den Hals in einem Musikvideo
Toomaj Salehi ist einer der berühmtesten Rapper des Iran. Seit 30. Oktober ist er in Haft. 
© Screenshot Instagram / toomajofficial
Der berühmte Rapper Toomaj Salehi sitzt seit 30. Oktober im Iran in Haft. Im droht die Todesstrafe. Ein neues Video zeigt ein Geständnis – Salehis Umfeld ist überzeugt, dass es erzwungen ist. 

Er ist angeklagt wegen "Verdorbenheit auf Erden" und "Krieg gegen Gott". Auf beides kann im Iran die Todesstrafe stehen. Der berühmte regimekritische Rapper Toomaj Salehi spricht in seinen Songs Missstände an, er nahm an Protesten teil. Er ist eine berühmte Stimme gegen das Islamische Regime. Seit 30. Oktober sitzt er in Haft. Freunde und Familienmitglieder haben seitdem keinen direkten Kontakt zu ihm. ​​​​

Vor einigen Tagen tauchte ein neues Video des inhaftierten Rappers auf. Es wurde von der staatlichen Nachrichtenagentur Tasnim verbreitet. Das Geständnis, das Salehi darin abgibt, sei erzwungen, davon ist sein Umfeld überzeugt. Wie auch schon bei einem ersten Video, das wenige Tage nach seiner Festnahme von der staatlichen Nachrichtenagentur verbreitet worden war. Auch Amnesty International teilte diesen Eindruck. 

In dem aktuellen Video sagt Salehi: "Musik kann eine Quelle von Gewalt sein. Es war mein Fehler. Ich entschuldige mich bei Ihnen und der Gesellschaft, weil ich Gewalt geschaffen habe". Auf dem offiziellen Instagram-Account des Rappers heißt es zu dem Video, dass "Spuren von Folter und Gewalt auf den Augen, im Gesicht und in der Seele des Künstlers" offensichtlich seien und dass er gezwungen worden sei, sich zu entschuldigen. 

Eine junge Frau in Deutschland betreut den Instagram-Account von Toomaj Salehi

Der Account wird seit Salehis Festnahme von einer engen Vertrauten in Deutschland betreut. "Mach für mich weiter", trug er ihr Minuten vor seiner Verhaftung auf (der stern berichtete). Inzwischen hat der Account eine Million Abonnenten. N., die junge Frau, die Salehi zur Administratorin des Accounts machte, teilt Informationen zum Gesundheitszustand des Rappers und zur aktuellen Lage vor Ort. Sie verfügt über ein eng gestricktes Netzwerk, das bis hinter die Mauern des Zentralgefängnisses in Isfahan reicht. Einige von N.s Bekannten saßen in den vergangenen Wochen selbst dort ein und berichten, Salehi gesehen zu haben. Er sei gefoltert worden. 

Der stern sprach auch mit Menschenrechtsanwalt Mohammad Hossein Aghasi, der Salehi ursprünglich vertreten sollte. Das Gericht lehnte ihn jedoch ab. Stattdessen wird der Rapper von einem Anwalt des Regimes vertreten. Aghasi geht davon aus, dass für Toomaj Salehi jede Hilfe zu spät kommt. Nur internationaler Druck könne noch etwas ändern. 

Offenbar erste öffentliche Hinrichtung im Iran seit Ausbruch der Proteste

Die Lage im Iran spitzt sich indes weiter zu. Wie die Justizbehörde auf ihrer Website Misan Online mitteilte, wurde am Donnerstag ein Mann hingerichtet, der Ende September bei einer Straßenblockade in Teheran ein Mitglied der paramilitärischen Basidsch-Milizen verletzt hatte. Es ist das erste Todesurteil im Zusammenhang mit den aktuellen Protesten.

Familienangehörige, Freunde, Menschenrechtsorganisationen, Aktivisten, Politiker sowie Menschen aus der Zivilbevölkerung fordern seit Wochen die Freilassung von politischen Gefangenen im Iran. Ye-One Rhie, SPD-Bundestagsabgeordnete aus Aachen, teilte auf Instagram einen Brief, den sie dem iranischen Botschafter im November geschrieben hatte und in dem sie die Freilassung von Toomaj Salehi fordert. Der Botschafter schreibt in seiner Antwort, die auf den 1. Dezember datiert ist: "Ich halte es für notwendig zu betonen, dass entgegen Ihrer Annahme, Rechtsstaatlichkeit in der Islamischen Republik durchaus existiere." Weiter schreibt er von einem "gerechten" Prozess "unter Berücksichtigung der islamischen Barmherzigkeit".

Ye-One Rhie nennt die Antwort unbefriedigend. "Nichts am Verfahren ist gerecht, rechtmäßig oder barmherzig." Auch Anwalt Aghasi macht im Gespräch mit dem stern klar, dass der Anwalt des Regimes keine angemessene Betreuung leiste. Und er verweist auf die Intransparenz des Verfahrens. 

Toomaj Salehi forderte wie tausende andere Menschen während der Proteste vor allem eins: Freiheit. In dem Song "Schlachtfeld", der kurz vor seiner Verhaftung veröffentlicht wurde, rappt er: "Nennt uns nicht Rebellen, wir kamen für die Revolution. Frauen. Leben. Freiheit. Wir kämpfen bis zum Tod."

Quellen: Instagram (I), Instagram (II), TwitterAmnesty International

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