Tropensturm Mörderische "Jeanne"


Über 620 Tote hat "Jeanne" bereits gefordert - ein Drittel davon Kinder. Hunderte sind Obdachlos, ihnen wurde alles geraubt. Die Stadt Gonaives steht noch immer unter Wasser

Die Zahl der Opfer durch den Tropensturm "Jeanne" in Haiti steigt weiter: Wie UN-Sprecher Toussaint Kong-Doudou am Montag mitteilte, wurden bislang mindestens 622 Tote geborgen. Besonders betroffen ist der Nordwesten des Landes, wo allein in der Küstenstadt Gonaives mehr als 500 Leichen gezählt wurden. Rund ein Drittel der Opfer, die im flutgeschädigten Krankenhaus von Gonaives aufgebahrt sind, waren Kinder.

Wie die Behörden weiter mitteilten, gab es in der Stadt Port-de-Paix mindestens 56 Tote, in Terre Nueva waren es 17, 49 in anderen Orten im Nordwesten. Ein Sprecher des Katastrophenschutzes in Gonaives erklärte, mit dem Rückgang des Hochwassers würden wahrscheinlich noch etliche weitere Opfer geborgen. Auch für die Überlebenden sei die Lage katastrophal. Sie bräuchten alles, von Trinkwasser über Lebensmittel bis zu Kleidung und Medikamenten. Hunderte Menschen sind obdachlos.

Nichts bleibt mehr

In Gonaives, einer Stadt mit 250.000 Einwohnern, stand das Wasser während der Überschwemmungen mehrere Meter hoch. Auch am Montag war es an vielen Stellen noch hüfthoch. Auf den Gehwegen liegen Leichen. Viele Menschen sind verzweifelt, sie suchen nach Angehörigen. "Ich habe meine Kinder verloren", klagt der 35-jährige Jesner Estimable, der die Leiche seiner zweijährigen Tochter zu argentinischen Soldaten brachte. Ein weiteres Kind vermisst das Paar noch. "Alles, was mir geblieben ist, sind Verzweiflung und die Kleider, die ich trage", sagt Estimable und zeigt auf die Hosen, die ihm Nachbarn gegeben haben.

Kein Festland mehr von "Jeanne" bedroht

"Jeanne" befindet sich mittlerweile rund 600 Kilometer nordöstlich der Bahamas und soll sich Experten zufolge bis Dienstag weiter nach Osten bewegen. Damit ist kein Festland mehr unmittelbar von Jeanne bedroht. Der Sturm hatte zuvor bereits im Nachbarstaat Haitis, der Dominikanischen Republik, sowie in Puerto Rico, insgesamt 13 Menschen das Leben gekostet.

Amy Bracken/AP AP

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