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Umfrage-Ergebnisse: Trotz Amtsenthebungsversuch: Warum Donald Trump weiterhin (erstaunlich) beliebt ist

Die Demokraten machen Ernst und treiben das Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump voran. Der US-Präsident aber genießt offenbar unerschütterliche Beliebtheit bei seinen Anhängern – und keine Seite glaubt ernsthaft an einen Erfolg der Opposition.

Donald Trump zu Hallowwen

Mit der Kraft der unendlich vielen Kürbisse: Donald und Melania Trump beim Halloween-Empfang des Weißen Hauses

AFP

Seit seinem Amtsantritt vor ziemlich genau 1000 Tagen und zwei Wochen kämpft Donald Trump mit schlechten Umfragen. Nur wenige Male lagen seine Beliebtheitswerte über denen der Unzufriedenheit. Aktuell stimmen 40 Prozent der Amerikaner der Politik des US-Präsidenten zu, 54 Prozent lehnen sie ab. Das heißt aber nicht, dass ebenso viele das von der Opposition in die Wege geleitete Amtsenthebungsverfahren begrüßen. Im Schnitt ist nur eine hauchdünne Mehrheit für das so genannte Impeachment. Anders gesagt: Die meisten Amerikaner mögen ihren Präsidenten nicht schätzen, aber ihn deswegen aus dem Amt zu jagen, wollen viele auch nicht.

Ohne Senat haben die Demokraten keine Chance

Für die US-Demokraten sind das nur mäßig gute Nachrichten. Zwar haben sie dank ihrer Mehrheit im Abgeordnetenhaus die Formalien für die Amtsenthebung auf eine breitere rechtliche Basis gestellt, doch von den regierenden Republikanern fehlt weiter jegliches Signal für irgendeine Art von Kooperation. Das gilt erst recht für die zweite Parlamentskammer, dem Senat, wo Trumps Konservative die Mehrheit haben und ohne die ein Amtsenthebungsversuch zum Scheitern verurteilt ist. Die Demokraten können also derzeit nicht darauf hoffen, auf vielen, breiten Schultern über die Ziellinie der Amtsenthebung getragen zu werden.

"Obwohl die Unterstützung für sein Impeachment zunimmt, hat Donald Trump weiterhin die unerschütterliche Rückendeckung seiner Kernanhängerschaft", schreibt die "USA Today" über ihre neuesten Umfrageergebnisse. Seine Unterstützer leugneten schlicht, dass Trump irgendetwas falsch gemacht haben könnte und sehen ihn stattdessen als Ziel eines politischen Lynchmords, so das Blatt weiter. Nach deren Zahlen würden 30 bis 40 Prozent der Befragten verlässlich hinter dem Präsidenten stehen. Die Demokraten legen sich nicht nur mit einem halben Repräsentantenhaus und einem halben Senat an, sondern auch noch mit rund einem Drittel der US-Bevölkerung.

Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf.

Es ist überraschend viel Unterstützung, die der US-Präsident trotz seiner ungelenken Auftritte, dubioser Telefonate und offenkundigen Lügen weiterhin genießt. Den Hauptgrund dafür hat einst Trumps Amtsvorgänger Bill Clinton in einen mittlerweile bekannten Satz gegossen: "It's the economy, stupid." Es geht um die Wirtschaft, Dummkopf. Und tatsächlich brummt die US-Konjunktur wie selten zuvor. Trotz Handelskrieg mit China, trotz globaler Flaute. Der S&P-500-Aktienindex erreichte jetzt ein neues Rekordhoch, die Arbeitslosenzahlen sind auf einen Rekordtief. Kurzum: Trump sorgt für gute Laune in den Chefetagen. Und das rechnen ihm seine Fans hoch an, wenn man den Aussagen der von "USA Today"-Befragten glauben darf.

"Schaut auf die Wirtschaft, Löhne, Arbeitslosigkeit, Außenpolitik, Strafzölle und andere Sachen. Seine Ausdrucksweise mag ein wenig zu viel sein, aber er macht einfach gute Politik", wird Rentner Steven Kay aus Kalifornien von dem Blatt zitiert. William Skelskey, 84, ebenfalls aus Kalifornien, beklagt die "negative Einstellung" der Demokraten gegenüber Trump und sieht ihn in der Reihe der "Top-Präsidenten seit George Washington und Ronald Reagan". Selbst das umstrittene Gespräch, zwischen Donald Trump und seinem ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj, sieht kaum ein Anhänger als Problem: "Die Ermittlungen (gegen Trump, d. Red.) kommen mir wie eine enorme Zeit- und Geldverschwendung vor. Ich bin verblüfft, dass das schon seit drei Jahren so geht," sagte der 55-jährige George Roma laut der "USA Today".

Aufklärung gegen Gefühl

Das Problem vor dem die Opposition in dem Impeachment-Verfahren steht, wird möglicherweise weniger ein rechtliches, sondern mehr eines der Stimmung sein. Zumindest, wenn ein gutes Drittel der US-Bürger die Ermittlungen mehr als (Hetz-)Kampagne gegen einen erfolgreichen Präsidenten betrachtet denn als Akt der Aufklärung. Entsprechend glaubt auch der überwiegende Teil der Amerikaner nicht daran, dass der US-Präsident des Amtes enthoben werden wird. Genauer gesagt: 73 Prozent – Demokraten wie Republikaner.

Quellen: Fivethirtyeight, RealClearPolitics, "USA Today", Finanzen.net