Bilder einer Eskalation
Von einem verstörenden Witz zum großen Knall

So etwas gab es noch nie: US-Präsident Donald Trump warf den ukrainischen Präsidenten nach einem Streit vor den Augen der Welt aus dem Weißen Haus. Der Eklat in Bildern. 
Trump Selenskyj
© Jim LoScalzo - Pool via CNP/

Normalerweise laufen Gespräche zwischen den Staatsoberhäuptern zweier Länder nach festgelegten diplomatischen Spielregeln ab – zumal wenn die Länder offiziell verbündet sind und das Zusammentreffen von Journalisten begleitet und gefilmt wird. Etwaige Meinungsverschiedenheit und Dissonanzen werden – wenn überhaupt – in fein austarierten und stets höflich formulierten Äußerungen kundgetan.

Was sich aber am Freitag im Weißen Haus abspielte, hatte mit Diplomatie am Ende nichts mehr zu tun. Vor den Augen der Welt gerieten gerieten US-Präsident Donald Trump, sein Vize JD Vance und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einen heftigen Streit. 

Es war eine Szene, die an grotesker Dramatik kaum zu überbieten war, wie die Bilder des Ereignisses dokumentieren:

New Step
Zunächst lief das Zusammentreffen der Staatsoberhäupter noch so, wie man es schon dutzendfach gesehen hat: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj trifft vormittags am Weißen Haus in Washington ein, wird von US-Präsident Donald Trump mit Handschlag begrüßt
Einige Menschen haben sich mit ukrainischen und US-Flaggen eingefunden, um den Zusammenhalt beider Länder zu demonstrieren
Bei der Begrüßung macht Trump eine scherzhafte Bemerkung darüber, dass sich Selenskyj "herausgeputzt" habe. Der Witz zielt auf den dunklen Pullover mit dem ukrainischen Dreizack ab, den Selenskyj seit Kriegsbeginn statt eines Anzugs auch bei offiziellen Anlässen trägt. Diese erste irritierende Situation lächelt der ukrainische Präsident noch weg
Der US-Präsident geleitet seinen Gast ins Oval Office
Dort warten bereits Vizepräsident JD Vance (rechts) und weitere Gesprächsteilnehmer. Auch Journalisten sind anwesend, Kameras laufen mit
Selenskyj redet ohne Dolmetscher auf Englisch mit den Amerikanern. Er hat Bilder dabei, die ukrainische Soldaten zeigen sollen, die in russischer Kriegsgefangenschaft misshandelt worden seien
Mit zunehmendem Verlauf wird das Gespräch hitziger: Trump wirft Selenskyj vor, undankbar zu sein und den Dritten Weltkrieg zu riskieren. Er selbst sieht sich als neutralen Vermittler, will Russland nicht verurteilen
Auch US-Vizepräsident schaltet sich ein, schlägt in dieselbe Kerbe wie sein Chef. Selenskyj nennt er respektlos. Der Gast aus der Ukraine hält dagegen. Der folgende Schlagabtausch folgt keiner einzigen diplomatischen Spielregel mehr, die Kameras laufen weiter mit
Nach den Einlassungen von Vance eskaliert die Situation vollends. Der US-Präsident wirft seinem Amtskollegen vor, keine guten Karten zu haben, aber trotzdem mit dem Leben von Millionen Menschen zu spielen. Selenskyj versucht, dagegen zu halten, ist ebenfalls sichtlich angefasst. Schließlich beendet Trump das Gespräch und komplimentiert Selenskyj hinaus
Trump begleitet den Staatsgast nicht mehr selbst zur Tür, das muss eine Mitarbeiterin übernehmen. Der ukrainische Präsident verlässt mit versteinerter Miene das Weiße Haus
Die Limousine mit dem ukrainischen Präsidenten darin fährt unter den Augen von Journalisten ab – das Ende eines so historischen wie unrühmlichen Treffens
Die ursprünglich nach dem Gespräch angesetzte ausführliche Pressekonferenz mit den beiden Staatsoberhäuptern entfällt, der vorbereitete Saal bleibt leer
Presidential Office of Ukraine
Joshua Sukoff
Ben Curtis
Presidential Office of Ukraine
Presidential Office of Ukraine
Jim LoScalzo - Pool via CNP
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Jim LoScalzo - Pool via CNP/ / Picture Alliance
Evan Vucci
Jim LoScalzo - Pool via CNP
Sipa USA

Von europäischen Staatsoberhäuptern kam nach dem unrühmlichen Abgang rasch Rückendeckung für den Ukrainer, im Kreml rieb man sich mutmaßlich die Hände und die internationale Presse sah endgültig das Ende der gewohnten (westlichen) Weltordnung gekommen: "Wir müssen unsere Illusionen ablegen", kommentiert stern-Auslandschef Marc Goergen. Einige Experten waren zudem sicher, dass die US-Regierung den Zusammenprall genauso geplant hatte. 

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