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Truppeneinsatz: Briten ziehen bis Juli aus Irak ab

Die britische Regierung will ihr militärisches Engagement im Irak bis zum Sommer kommenden Jahres beenden und ihre Truppen nach Hause holen. Das gab Premierminister Gordon Brown in Bagdad bekannt. Browns Überraschungsbesuch wurde von einem schweren Bombenanschlag überschattet.

Großbritanniens Premierminister Gordon Brown hat einen Abzug der britischen Streitkräfte aus dem Irak für das erste Halbjahr 2009 angekündigt. Die Soldaten würden ihre Arbeit in der ersten Jahreshälfte abschließen und dann den Irak verlassen, hieß es in einer am Mittwoch in Bagdad veröffentlichten Erklärung von Brown und seinem irakischen Kollegen Nuri al Maliki. "Die Aufgaben der britischen Streitkräfte nähern sich dem Ende."

Britische Medien hatten zuvor bereits über einen vollständigen Abzug bis Juni 2009 berichtet. Demzufolge sollte der Truppenabzug im März kommenden Jahres beginnen. Großbritannien hat derzeit 4100 Soldaten im Irak, die vor allem im Süden nahe der Stadt Basra stationiert sind. Nachdem sie die Kontrolle über die Region bereits im vergangenen Jahr an die Iraker übergeben haben, sind die Briten vor allem bei der Ausbildung von Streitkräften aktiv und unterstützen die Iraker bei Einsätzen.

Das irakische Kabinett billigte jedoch am Dienstag einen Gesetzentwurf, nach dem alle ausländischen Truppen - mit Ausnahme der US-Streitkräfte - das Land bis Ende Juli 2009 verlassen sollen, damit wurde die Einsatzdauer für ausländische Truppen ein halbes Jahr verlängert. Vor Inkrafttreten muss das Gesetz jedoch noch vom Parlament verabschiedet werden. Brown war am Mittwoch zu einem nicht angekündigten Besuch in Bagdad eingetroffen.

Seit Beginn des Irak-Einsatzes 2003 sind 177 britische Soldaten ums Leben gekommen. Schon seit Monaten wird darüber spekuliert, dass die Briten nach einem Rückzug aus dem Irak ihr Engagement in Afghanistan verstärken werden. Derzeit sind etwa 8000 Soldaten aus Großbritannien am Hindukusch stationiert.

18 Tote bei Bombenanschlag in Bagdad

Überschattet wurde Browns Besuch von einem schweren Bombenanschlag nahe der stark gesicherten grünen Zone, bei dem mindestens 18 Menschen getötet und 53 verletzt wurden. Bei den zwei Explosionen im Stadtteil Nahdha detonierte zunächst eine Autobombe und kurze Zeit später ein zweiter Sprengsatz. Neben Zivilisten wurden auch mehrere Polizeibeamte getötet. Der Anschlagsort im Zentrum der Hauptstadt liegt nahe einer Wache der Verkehrspolizei und eines Krankenhauses. Bereits am Montag starben neun Polizisten bei einem Selbstmordattentat. Die irakischen Sicherheitskräfte sind zunehmend das Ziel von Anschlägen, da sie nach dem geplanten Abzug der US-Truppen bis Ende 2011 für Stabilität im Land sorgen sollen.

DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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