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Vorübergehend festgenommen: Deutscher darf wegen Facebook-Posts Türkei nicht mehr verlassen

Er wollte eigentlich nur am Begräbnis seiner Mutter teilnehmen: In der Türkei ist ein Deutscher vorübergehend festgenommen worden und darf nun nicht mehr nach Hause reisen - wegen seiner Posts auf Facebook.

Ein türkische Polizeifahrzeug (Archivbild)

Schon 2017 hatten mehrere Verhaftungen von deutschen Staatsbürgern eine schwere Krise zwischen Ankara und Berlin ausgelöst (Symbolbild)

DPA

In der Türkei ist erneut ein Deutscher vorübergehend festgenommen worden. Dem 56-Jährigen werde vorgeworfen, mit Posts auf Facebook eine Terrororganisation unterstützt zu haben, berichten die "Süddeutsche Zeitung", der WDR und der NDR. Inzwischen sei der Mann, der in München lebe, wieder auf freiem Fuß. Er dürfe das Land aber nicht verlassen.

Der 56-Jährige wird im Internet mehrfach in Zusammenhang mit einem pro-kurdischen Verein erwähnt. Auf dessen Facebookseite schrieben Mitglieder am 28. Dezember, dass das "langjährige Mitglied" am Nachmittag des 27. am Flughafen Ankara von der türkischen Polizei verhaftet worden sei. "Er war in die Türkei gereist, um an der Beerdigung seiner Mutter ... teilzunehmen", heißt es da.

Das Auswärtige Amt bestätigte am Montagnachmittag, dass der Fall bekannt sei. Die Botschaft in Ankara betreue den Mann konsularisch.

Reisehinweise für Türkei erst im Oktober verschärft

Der "Süddeutschen Zeitung" zufolge soll es in den Facebook-Einträgen, an denen die türkischen Behörden Anstoß nehmen, "um die Forderung nach einem unabhängigen Kurdistan" gegangen sein. Regierungskritische Einträge in sozialen Medien führen in der Türkei regelmäßig zu Anklagen, zum Beispiel wegen Terrorpropaganda oder Unterstützung einer Terrororganisation. Das Auswärtige Amt hatte deswegen erst im Oktober die Reisehinweise verschärft und warnt Bundesbürger nun vor regierungskritischen Meinungsäußerungen in sozialen Medien. Dabei können auch Äußerungen, "die nach deutschem Rechtsverständnis von der Meinungsfreiheit gedeckt sind, Anlass zu einem Strafverfahren" geben, heißt es da. Es müsse davon ausgegangen werden, "dass auch nichtöffentliche Kommentare in sozialen Medien etwa durch anonyme Denunziation" an Behörden weitergeleitet" würden. 

In dem am Montag veröffentlichten Jahresbericht des Innenministeriums heißt es, türkische Ermittler hätten im Rahmen von Ermittlungen zu "Cyber-Kriminalität" 2018 rund 42.400 Konten auf sozialen Medien durchforstet. Hier geht es dem Bericht zufolge um Terrorpropaganda, Hass-Reden oder Beleidigung von Staatsmännern. Gegen rund 18.300 Nutzer sei rechtlich vorgegangen worden. 

2017 hatte eine Serie von Verhaftungen von deutschen Staatsbürgern eine schwere Krise zwischen Ankara und Berlin ausgelöst. Mit der Freilassung und Ausreise einiger prominenter Fälle - darunter der "Welt"-Reporter Deniz Yücel - hatten sich die Beziehungen von Ende 2017 an leicht entspannt. Nach offiziellen Angaben vom Montag sitzen aber noch immer fünf deutsche Staatsbürger "aus politischen Gründen" in Haft. Einige Prozesse laufen noch. Andere Häftlinge wurden jüngst bereits zu Haftstrafen verurteilt. 

Unter ihnen ist eine Kölner Sängerin mit dem Künstlernamen Hozan Cane (Mitte 40). Sie wurde im November wegen Mitgliedschaft in der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK zu sechs Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Patrick K. (29) aus Gießen wurde im Oktober wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation ebenfalls zu mehr als zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

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mad / DPA