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Fake-Profil bei Twitter Trump-Fan gibt sich als Familienmitglied des Präsidenten aus – und Trump fällt darauf rein

Der Mann im Weißen Haus wurde reingelegt - und das ausgerechnet auf seiner Lieblingsplattform Twitter.
Der Mann im Weißen Haus wurde reingelegt – und das ausgerechnet auf seiner Lieblingsplattform Twitter.
© Patrick Semansky / DPA
Wie einfach man bei Twitter auf Fake-Profile reinfallen kann, musste kürzlich ausgerechnet der Mann erfahren, der selbst am laufenden Band Warnhinweise sammelt. Die Rede ist natürlich mal wieder von Donald Trump.

Es sind keine leichten Zeiten für Donald Trump. Seit seiner Wahlniederlage Anfang November geht es für den US-Präsidenten immer weiter bergab: Seine Klagen gegen das Wahlergebnis sind eine nach der anderen abgeschmettert worden, kritische Stimmen aus der eigenen Partei werden langsam lauter und selbst Trumps Lieblingsmedium Twitter hat sich von ihm abgewendet und versieht seine Tweets regelmäßig mit Warnhinweisen.

Da freut sich der Mann im Weißen Haus natürlich über jede Unterstützung, die er kriegen kann. So auch vergangenen Monat, als er auf Twitter den Artikel einer konservativen Webseite teilte, worin zu lesen war, dass seine ältere Schwester Elizabeth Trump Grau dem Nachrichtendienst beigetreten ist, um ihren Bruder im Kampf gegen den vermeintlichen Wahlbetrug öffentlich zu unterstützen.

Was der Präsident zu dem Zeitpunkt nicht wusste: Der Twitter-Account, der Auslöser für den Artikel war, gehörte nicht seiner Schwester – sondern dem 21-jährigen Josh Hall aus Pennsylvania, wie die "New York Times" herausfand.

Hall: "Was zur Hölle, jetzt werde ich einfach Spaß haben"

In einem Interview mit der Zeitung sagte Hall, er habe als Teenager 2016 angefangen, sich für Politik zu interessieren – angeregt durch niemand anderen als Donald Trump höchstpersönlich. "Ich dachte zunächst, er wäre ein Clown", sagte Hall. "Aber je mehr ich von ihm hörte, desto stärker wurde mir klar: Ja, er sagt Dinge, die man nicht sagt, aber ich stimme ihm zu."

Im echten Leben lieferte Hall Essen aus, online begann er sich eine kleine Anhängerschaft aufzubauen. Anfang des Jahres mobilisierte Hall auf seinem Twitter-Account eine größere Anzahl an Followern mit der hanebüchenen Behauptung, "ein radikaler Linker, der Pro-Life ist, hätte ihn belästigt". Er verkaufte sogar T-Shirts mit der Aufschrift "Josh Hall hat nichts falsch gemacht" und kassierte auf der "GoFundMe"-Plattform 815 US-Dollar ein.

Der "NY Times" sagte Hall, Twitter hätte seinen Account nach dem Vorfall ohne Erklärung gesperrt. "Als ich von Twitter ausgeschlossen wurde, dachte ich mir: 'Was zur Hölle, jetzt werde ich einfach Spaß haben'", sagte er. Der Startschuss für seine Fälscher-Karriere war gefallen.

Von Trump-Fan zum Fake-Familienmitglied

Zum Zeitpunkt des Vorfalls mit Trumps älterer Schwester hatte Hall bereits fast ein ganzes Jahr der Täuschung hinter sich, wie die "NY Times" recherchiert hat. Seit Februar hatte er sich auf Twitter als verschiedene politische Persönlichkeiten und deren Familien ausgegeben – darunter auch als fünf Verwandte des Präsidenten.

Unter anderem hatte Hall vorgetäuscht, Donald Trumps Bruder Robert zu sein, als Barron Trump, 14-jähriger Sohn des Präsidenten, und als Dr. Deborah L. Birx, Koordinatorin der Corona-Taskforce des Weißen Hauses. Seine Fake-Accounts scharrten mehr als 160.000 Anhänger um sich. "Es war keine böse Absicht dahinter", sagte Hall der "NY Times". "Ich habe nur versucht, MAGA-Anhänger zusammenzutrommeln und Spaß zu haben." 

Hall bezeichnet sich selbst als leidenschaftlicher Trump-Anhänger. Dass sein großes Idol jedoch so leicht hinters Licht zu führen ist, hat den 21-Jährigen überrascht. „Ich dachte mir: 'Oh, mein Gott, er glaubt tatsächlich, dass es seine Schwester ist'“, sagte Hall im "NY Times"-Interview. Was den Präsidenten hätte stutzig machen können, ist die Tatsache, dass seine über 70-jährige Schwester, die in Florida lebt, sich seit seiner Wahl 2016 kaum öffentlich geäußert, geschweige denn ihren Bruder unterstützt hat.

Der Fall von Josh Hall lässt sich leicht als kindischer Unfug abtun, der außer Kontrolle geraten ist. Dennoch zeigt er, dass Unruhestifter heutzutage nicht mehr als ein Smartphone und einigermaßen gute Internetkenntnisse benötigen, um die Aufmerksamkeit von Hunderttausenden Menschen auf sich zu ziehen. Darunter die des mächtigsten Mannes der Vereinigten Staaten.

Weitere Quellen: "The NY Times"


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