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Mysteriöser Kriminalfall Nach plötzlichem Verschwinden: Belarussischer Aktivist tot in Kiew aufgefunden

Tot von belarussischem Aktivisten
Nach dem Tot von belarussischem Aktivisten: Polizei in Kiew nimmt Mordermittlungen auf
© DPA
Gestern galt er noch als vermisst, heute wurde der belarussische Aktivist Vitali Chychov tot in einem Park in der urkainischen Hauptstadt Kiew gefunden. Nun ermittelt die Polizei wegen Mordes.

Einen Tag nach seinem plötzlichen Verschwinden in Kiew ist der belarussische Aktivist Vitali Chychov tot aufgefunden worden. Chychov sei "erhängt" in einem Park in der Nähe seiner Wohnung in der ukrainischen Hauptstadt entdeckt worden, teilte die Polizei mit. Sie nahm Mordermittlungen auf. Der 26-jährige Chychov hatte von Kiew aus die Organisation "Belarussisches Haus der Ukraine" geführt, die belarussische Flüchtlinge unterstützt.

Die Polizei kündigte an, in alle Richtungen zu ermitteln. Auch möglichen Hinweisen darauf, dass es sich um einen "als Suizid verschleierten Mord" handeln könne, werde nachgegangen. Chychov war vermisst gemeldet worden, nachdem er am Montagmorgen nicht von einer Joggingrunde zurückgekehrt war. Die Nichtregierungsorganisation Wjasna erklärte unter Berufung auf Freunde Chychovs, der Aktivist sei kürzlich beim Joggen von "Fremden" verfolgt worden. Polizei und Freiwillige hatten nach seinem Verschwinden die Gegend abgesucht, in der der Aktivist zuletzt gesehen worden war.

Wirbel um belarussische Sprinterin

Einen Tag nach dem Verschwinden des belarussischen Aktivisten gab die Sprinterin und Olympia-Teilnehmerin Kristina Timanowskaya bekannt, nicht mehr nach Belarus zurückzukehren. Wegen kritischer Äußerungen über belarussische Sportfunktionäre bei den Olympischen Spielen in Tokio hatte die Sprinterin und Olympia-Teilnehmerin Kristina Timanowskaja Schutz bei der Polizei gesucht.

Timanowskaja war laut der Opposition ihres Landes einer drohenden Entführung aus dem Olympia-Austragungsland entkommen. Sie erhielt inzwischen in der polnischen Botschaft in Tokio ein humanitäres Visum. Man sei bereit, ihr die Möglichkeit zu geben, ihre sportliche Karriere fortzusetzen, betonte Morawiecki. Es wird erwartet, dass die 24-Jährige bereits Mitte der Woche in Warschau eintrifft.

Chychovs Organisation spricht von "geplanter Operation"

Viele Belarussen fliehen angesichts von Repression aus ihrem Heimatland in die benachbarte Ukraine, nach Polen oder Litauen. Der seit fast drei Jahrzehnten regierende belarussische Präsident Alexander Lukaschenko war vor einem Jahr trotz massiver Betrugsvorwürfe zum Sieger der Präsidentschaftswahl erklärt worden. Dies löste in Belarus historische Massenproteste aus, die von den Sicherheitskräften brutal niedergeschlagen wurden. Mit seiner Organisation "Belarussisches Haus der Ukraine" unterstützte der Aktivist Vitali Chychov belarussische Staatsbürger bei ihrer Flucht. Er hatte die Organisation von Kiew aus im Messengerdienst Telegram geleitet.

Die Organisation sprach nun von einer "geplanten Operation" der belarussischen Führung zur "Eliminierung" eines Regierungskritikers. Es sei offensichtlich, dass die belarussischen Geheimdienste Chychov getötet hätten, der eine "echte Bedrohung für das Regime" in Minsk gewesen sei. Die belarussische Behörden haben regierungskritische Personen als Kriminelle oder gewalttätige Revolutionäre eingestuft, die vom Westen unterstützt werden.

Quellen: Euronews, Reuters, DPA, AFP

cl

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