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Ukraine-Krise: "Waffenstillstand" kostet 1000 Menschen das Leben

Seit zwischen Kiew und den Separatisten der Waffenstillstand ausgerufen worden ist, sind tausend Menschen getötet worden, so die UN. Inwiefern kann man da immer noch von Waffenstillstand sprechen?

Ein prorussischer Separatist bewacht einen Checkpoint in der Nähe des Dorfes Grabowo: Die in Minsk vereinbarte Feuerpause wird seit ihrem Inkrafttreten Anfang September immer wieder gebrochen.

Ein prorussischer Separatist bewacht einen Checkpoint in der Nähe des Dorfes Grabowo: Die in Minsk vereinbarte Feuerpause wird seit ihrem Inkrafttreten Anfang September immer wieder gebrochen.

Trotz des offiziell proklamierten Waffenstillstands sind in der Ostukraine seit Anfang September fast tausend Menschen getötet worden. Seit der Vereinbarung der Feuerpause am 5. September seien 957 Todesopfer registriert worden, teilte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid Ra'ad al-Hussein, am Donnerstag in Genf mit. Das seien durchschnittlich 13 Tote am Tag. Die Zahl der Flüchtlinge sei seit Mitte September von rund 275.000 auf knapp 467.000 gestiegen.

Insgesamt wurden seit Beginn der Auseinandersetzungen in der Ostukraine Mitte April nach UN-Angaben 4317 Menschen getötet, darunter auch die 298 Menschen, die beim Absturz einer Malaysia-Airlines-Maschine im Juli ums Leben gekommen waren. 9921 weitere Menschen wurden durch die Kampfhandlungen verletzt. Fast 1200 der Getöteten waren den Angaben zufolge ukrainische Soldaten. 1700 Zivilisten und Kämpfer der Separatisten starben demnach in der Separatistenhochburg Donezk, in Lugansk wurden rund 850 Tote registriert.

Diese Zahlen belegen: Es gibt keinen Waffenstillstand in der Ukraine. Keine 24 Stunden nach seiner Proklamation waren im Osten des Landes neue Gefechte gemeldet worden. Waffenstillstand ist per Definition eine Vereinbarung von Kriegsparteien, die Kampfhandlungen einzustellen. In der Ukraine war dies nie der Fall, zeigen auch die neuen Zahlen der UN.

Menschenrechtsverletzungen auf beiden Seiten

Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten hatten den Waffenstillstand am 5. September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbart. Die Feuerpause wird seitdem jedoch immer wieder gebrochen.

Eine Gruppe von 35 UN-Beobachtern stellte zudem "den völligen Zusammenbruch von Recht und Gesetz" in dem Konfliktgebiet fest. In den von den Separatisten ausgerufenen "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk seien Menschenrechtsverletzungen wie Folter, standrechtliche Hinrichtungen und sexuelle Gewalt an der Tagesordnung. Allerdings gebe es auch zahlreiche Menschenrechtsverletzungen durch ukrainische Soldaten.

ivi/AFP / AFP